Pro­zess um Be­ste­chung bei der Bahn

Jus­tiz Das Augs­bur­ger Amts­ge­richt ver­ur­teilt drei Be­tei­lig­te. Sie be­strei­ten ih­re Schuld. Ein Bau­un­ter­neh­mer lie­fert da­bei ei­ne ku­rio­se Er­klä­rung für ein ver­rä­te­ri­sches Te­le­fo­nat

Schwabmuenchner Allgemeine - - Augsburg -

im­mer wie­der Dro­gen und Han­dys in den Knast ge­schmug­gelt wor­den sein sol­len. Da­bei wur­den auch zahl­rei­che Te­le­fo­ne ab­ge­hört. Wie auch im­mer ge­riet da­bei – wohl eher zu­fäl­lig – auch ein Gespräch des tür­ki­schen Ge­schäfts­man­nes mit sei­nem bei der Bahn be­schäf­tig­ten Lands­mann in den Fo­kus der Fahn­der. Bei­de un­ter­hiel­ten sich in tür­ki­scher Spra­che. Da­bei soll der Gleis­bau­er qua­si als Ver­mitt­ler für sei­nen Chef, den Bau­lei­ter, auf­ge­tre­ten sein und ge­sagt ha­ben, die­ser er­war­te „ein Ge­schenk un­ter der Hand“– 1000 oder 1500 Eu­ro. Als Ge­gen­leis­tung für Auf­trä­ge.

Die Er­mitt­ler hör­ten dann, wie der Bau­un­ter­neh­mer ant­wor­te­te: „In Ord­nung, lass uns ein Ge­schenk ge­ben, das ist kein Pro­blem. Hof­fent­lich wird die Zu­kunft gut sein.“Der Un­ter­neh­mer soll dann „1000 Li­ra“, ge­meint wa­ren of­fen­bar 1000 Eu­ro, in Aus­sicht ge­stellt ha­ben. Be­ste­chung, so hat­te der Ver­mitt­ler noch ge­sagt, sei „nor­mal, das ge­be es über­all“.

Die Münch­ner An­kla­ge­be­hör­de sah schließ­lich Ver­dachts­mo­men­te für Kor­rup­ti­on, durch­such­te Woh­nun­gen der im Raum Augs­burg le­ben­den Be­schul­dig­ten und Bü­ro­räu­me der Bahn­toch­ter­fir­ma „DB Bahn­bau Grup­pe Gm­bH“. Der beim Bahn­kon­zern be­schäf­ti­ge Bau­lei­ter, der an­geb­lich das Schmier­geld für wei­te­re Auf­trä­ge ge­for­dert ha­ben soll, be­stritt hef­tig.

Es stell­te sich zwar her­aus, dass er für das Bahn­un­ter­neh­men 69 Ein­zel­rech­nun­gen des tür­ki­schen Klein­un­ter­neh­mers über ins­ge­samt rund 30 000 Eu­ro ge­leis­te­te Ar­bei­ten ab­ge­zeich­net hat­te; Be­le­ge, dass er von dem Ge­schäfts­part­ner auch tat­säch­lich Schmier­geld er­hal­ten hat­te, fan­den sich je­doch nicht. Was bei dem Straf­vor­wurf der Be­stech­lich­keit auch nicht ent­schei­dend ist. Denn die For­de­rung al­lein er­füllt schon den Straf­tat­be­stand.

In die Ab­tei­lung „Mär­chen aus 1001 Nacht“stuf­ten die Er­mitt­ler die Aus­sa­ge des tür­ki­schen Un­ter­neh­mers ein, der das Te­le­fon­ge­spräch im De­zem­ber 2011 mit sei­nem Lands­mann – im Üb­ri­gen das ein­zi­ge Be­weis­mit­tel in dem Be­ste­chungs­fall – ernst­haft mit ei­nem Gespräch un­ter Män­nern über ei­nen „Puff­be­such“zu er­klä­ren ver­such­te. Man ha­be „ver­schlüs­selt“mit­ein­an­der über ei­nen Be­such in ei­nem Bor­dell ge­spro­chen. Grund für die Häu­fung von Co­de­wör­tern sei die Ehe­frau des Gleis­bau­ers ge­we­sen, die das Te­le­fo­nat in der Nä­he mit­ge­hört ha­be. Sie ha­be kei­nen Ver­dacht schöp­fen sol­len.

Der Gleis­bau­er wie­der­um gab an, al­les sei doch nur ein „Spaß“ge­we­sen. Den Aus­sa­gen der Be­schul­dig­ten glaub­te die Staats­an­walt­schaft frei­lich nicht und klag­te den Bau­lei­ter der Be­stech­lich­keit, den Klein­un­ter­neh­mer der Be­ste­chung und den Ver­mitt­ler der Bei­hil­fe da­zu an.

In ei­nem mehr­tä­gi­gen Pro­zess vor ei­nem Schöf­fen­ge­richt un­ter Vor­sitz von Michael Edel­mann be­stritt das Trio (Ver­tei­di­ger: Michael Men­zel, Mar­co Mül­ler und Mar­cus Klop­fer) wie­der­um al­le Vor­wür­fe. Das Ge­richt schlug sich am En­de auf die Sei­te der An­kla­ge­be­hör­de.

Das Ur­teil: acht Mo­na­te auf Be­wäh­rung für den Bau­lei­ter der Bahn, 14 Mo­na­te Ge­fäng­nis (ei­ne an­de­re Stra­fe wur­de mit ein­be­zo­gen) für den Un­ter­neh­mer. Der Ver­mitt­ler kam mit ei­ner Geld­stra­fe von 1200 Eu­ro da­von. Der Fall wird in der Be­ru­fungs­in­stanz vor dem Land­ge­richt noch ein­mal ver­han­delt.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.