Va­ter und Sohn schla­gen ge­mein­sam zu

Jus­tiz Ein 19-Jäh­ri­ger tritt auf ei­nen am Bo­den lie­gen­den Mann hef­tig ein. Die­ser soll zu­vor auch ei­nen Faust­schlag er­hal­ten ha­ben. War­um ge­gen ei­nen An­ge­klag­ten das Ver­fah­ren ein­ge­stellt wird

Schwabmuenchner Allgemeine - - Schwabmünchen - VON MICHAEL LIND­NER

Land­kreis Augs­burg Die­se Fei­er hat für ei­nen Gast schmerz­haft ge­en­det: Der Mann soll im Ok­to­ber 2014 beim Ke­gel­zen­trum am Augs­bur­ger Eis­ka­nal gleich mehr­fach at­ta­ckiert und ver­letzt wor­den sein, des­halb stan­den jetzt ein in­zwi­schen 22-Jäh­ri­ger so­wie des­sen 60-jäh­ri­ger Va­ter vor dem Augs­bur­ger Amts­ge­richt.

Laut An­kla­ge er­eig­ne­te sich die Aus­ein­an­der­set­zung um kurz nach 5 Uhr. Zu­nächst soll der 60-Jäh­ri­ge den Ge­schä­dig­ten mit der Faust ge­schla­gen ha­ben, so­dass die­ser ge­gen ei­ne Brüs­tung stieß und sich meh­re­re Prel­lun­gen zu­zog. Da­nach soll zum Tat­zeit­punkt 19 Jah­re al­te Sohn mit vier wei­te­ren, un­be­kann­ten Per­so­nen auf das Op­fer ein­ge­prü­gelt ha­ben. Staats­an­wäl­tin Me­la­nie Os­ter­mei­er spricht von Trit­ten ge­gen Kopf und Kör­per. Die Fol­ge: Prel­lun­gen so­wie ein ge­bro­che­nes lin­kes Hand­ge­lenk beim Ge­schä­dig­ten.

Der 22-Jäh­ri­ge war noch we­gen wei­te­rer De­lik­te an­ge­klagt. So soll er nur ei­nen Mo­nat nach die­ser Tat ei­nem Mann in Un­ter­meit­in­gen mit der Faust ins Ge­sicht ge­schla­gen ha­ben. Wei­te­re zwei Mo­na­te spä­ter trat der An­ge­klag­te ge­gen die Schei­be ei­nes Ho­tels; es ent­stand ein Scha­den von knapp 800 Eu­ro.

Da ein auf­wen­di­ges Ver­fah­ren zu be­fürch­ten war, kam es zu ei­nem Rechts­ge­spräch zwi­schen Rich­te­rin Ute Bern­hard, der Staats­an­wäl­tin so­wie den bei­den Ver­tei­di­gern (De­al); bei die­sem wird dem An­ge­klag­ten ein be­stimm­ter Straf­rah­men zu­ge­si­chert. Das Er­geb­nis des Ge­sprächs: Das Ver­fah­ren ge­gen den 60-jäh­ri­gen An­ge­klag­ten aus Gerst­ho­fen wird ge­gen ei­ne Geld­auf­la­ge ein­ge­stellt. Der Mann zahlt 2000 Eu­ro zu­guns­ten der Staats­kas­se. Er ist aber nicht ge­stän­dig, dar­auf leg­te des­sen Ver­tei­di­ger Pe­ter Weitzdörfer wert.

Der an­ge­klag­te Sohn zeig­te sich voll um­fäng­lich ge­stän­dig. Über sei­der nen Ver­tei­di­ger Franz Wittl räum­te er die ge­fähr­li­che Kör­per­ver­let­zung am Eis­ka­nal so­wie die Sach­be­schä­di­gung ein. Ihm wur­de dar­auf­hin ei­ne Ver­war­nung mit ei­ner Geld­auf­la­ge in Aus­sicht ge­stellt.

Staats­an­wäl­tin Os­ter­mei­er sprach in ih­rem Plä­doy­er von ei­nem äu­ßerst hef­ti­gen Vor­ge­hen des an­ge­klag­ten jun­gen Man­nes. Trotz­dem hielt sie ei­ne Ver­war­nung so­wie ei­ne Geld­auf­la­ge in Hö­he von 1500 Eu­ro für an­ge­mes­sen. Ver­tei­di­ger Wittl woll­te ei­ne Sum­me von nicht mehr als 1000 Eu­ro er­rei­chen. Er geht da­von aus, dass der An­ge­klag­te sei­nen Va­ter durch die Trit­te nur in Schutz neh­men woll­te. Rich­te­rin Bern­hard sprach „nur ei­ne Ver­war­nung“aus. Die­se sei ver­tret­bar, da er nach dem Ju­gend­straf­recht ver­ur­teilt wur­de. Zu­dem muss der in­zwi­schen 22-Jäh­ri­ge 1200 Eu­ro an die Staats­kas­se zah­len. „Sie wa­ren mei­len­weit von ei­ner Hil­fe­leis­tung für ih­ren Va­ter ent­fernt“, sag­te Bern­hard. Die da­mals un­ru­hi­ge Le­bens­si­tua­ti­on des An­ge­klag­ten ha­be sich ih­rer Mei­nung nach aber ge­fes­tigt.

„Sie wa­ren mei­len­weit von ei­ner Hil­fe­leis­tung für ih­ren Va­ter ent­fernt.“

Rich­te­rin Ute Bern­hard

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