Sind Mays Ta­ge ge­zählt?

Groß­bri­tan­ni­en Mit­ten in den Ver­hand­lun­gen zur Bil­dung ei­ner Min­der­heits­re­gie­rung wach­sen die Zwei­fel an der Pre­mier­mi­nis­te­rin. Auch aus den ei­ge­nen Rei­hen gibt es Kri­tik

Schwabmuenchner Allgemeine - - Politik - London

Nach ih­rer her­ben Wahl­nie­der­la­ge nimmt der Druck auf die bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­te­rin The­re­sa May mas­siv zu. Der frü­he­re To­ryFi­nanz­mi­nis­ter Ge­or­ge Os­bor­ne sag­te am Sonn­tag der BBC, Mays Ta­ge sei­en ge­zählt, die ein­zi­ge Fra­ge sei, „wie lan­ge sie noch im To­des­trakt“sit­ze. An­ders als zu­nächst ver­kün­det, muss­te Dow­ning Street zu­dem rich­tig­stel­len, dass die Bil­dung ei­ner von der nord­iri­schen DUP un­ter­stütz­ten Min­der­heits­re­gie­rung noch nicht in tro­cke­nen Tü­chern sei.

Nach­dem ein Spre­cher Mays am Sams­tag­abend be­reits ei­ne Ver­ein­ba­rung zwi­schen den To­ries und der rech­ten De­mo­cra­tic Unio­nist Par­ty (DUP) ver­kün­det hat­te, ru­der­te Dow­ning Street am Sonn­tag­mor­gen zu­rück. „Die Pre­mier­mi­nis­te­rin hat am Abend mit der DUP ge­spro­chen, um über den Ab­schluss ei­ner Ver­ein­ba­rung zu dis­ku­tie­ren, wenn das Par­la­ment kom­men­de Wo­che sei­ne Ar­beit wie­der auf­nimmt“, er­klär­te ein Spre­cher. Die DUP er­klär­te, die Ge­sprä­che sei­en „bis­lang po­si­tiv“ ver­lau­fen. May will nach dem Ver­lust ih­rer ab­so­lu­ten Mehr­heit im Un­ter­haus ei­ne Min­der­heits­re­gie­rung bil­den, die von der ul­tra­kon­ser­va­ti­ven DUP un­ter­stützt wird. Da­mit hät­te sie ei­ne hauch­dün­ne Mehr­heit. Mit 318 Ab­ge­ord­ne­ten feh­len den To­ries acht Sit­ze zur ab­so­lu­ten Mehr­heit.

Die DUP mit ih­ren zehn Ab­ge­ord­ne­ten soll die künf­ti­ge Re­gie­rung stüt­zen – wel­che Zu­ge­ständ­nis­se die To­ries ma­chen woll­ten, wur­de zu­nächst nicht of­fi­zi­ell mit­ge­teilt. Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Micha­el Fal­lon sag­te der BBC, es wer­de sich nicht um ei­ne for­ma­le Ko­ali­ti­on han­deln. Die DUP wer­de die Re­gie­rung le­dig­lich „bei den gro­ßen Sa­chen“un­ter­stüt­zen, et­wa beim Haus­halt, Ver­tei­di­gungs­fra­gen und dem Br­ex­it. Ei­ne Zu­sam­men­ar­beit mit der ho­mo­pho­ben DUP ist auch un­ter To­ries um­strit­ten. Ge­grün­det wur­de die nord­iri­sche Par­tei, die auch ge­gen Ab­trei­bun­gen mo­bil macht, 1971 vom um­strit­te­nen Pro­tes­tan­ten­füh­rer Ian Pais­ley. Heu­te wird sie von der 46-jäh­ri­gen Ju­ris­tin Ar­le­ne Fos­ter ge­führt. Ei­ne Ko­ali­ti­on mit der DUP wür­de auch die Neu­tra­li­tät Lon­dons im Nord­ir­land-Kon­flikt in­fra­ge stel­len.

Als wei­te­res Zei­chen für Mays Schwä­chung tra­ten am Sams­tag ih­re St­abs­chefs Nick Ti­mo­thy und Fio­na Hill zu­rück. Me­dien­be­rich­ten zu­fol­ge hat­ten füh­ren­de Mit­glie­der der To­ries Mays Ver­bleib im Amt vom Rück­tritt ih­rer St­abs­chefs ab­hän­gig ge­macht. Ti­mo­thy und Hill wur­den Me­dien­be­rich­ten zu­fol­ge zu­dem für ei­ne „to­xi­sche“At­mo­sphä­re in der Re­gie­rungs­mann­schaft ver­ant­wort­lich ge­macht. In den bri­ti­schen Me­di­en steht die Pre­mier­mi­nis­te­rin mas­siv in der Kri­tik. „Sie ist er­le­digt“, ti­tel­te The Sun. „May blickt in den Ab­grund“lau­te­te die Schlag­zei­le der Ti­mes.

Das neu ge­wähl­te Un­ter­haus soll am Di­ens­tag zu­sam­men­tre­ten. Am 19. Ju­ni sol­len die Br­ex­it-Ver­hand­lun­gen be­gin­nen. Un­klar ist, ob der Ter­min ein­ge­hal­ten wird. Mays Bü­ro er­klär­te am Sams­tag­abend, die Pre­mier­mi­nis­te­rin ha­be in ei­nem Te­le­fo­nat mit Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) be­stä­tigt, dass Groß­bri­tan­ni­en die Ge­sprä­che über den EU-Aus­tritt „wie ge­plant in den nächs­ten Wo­chen“be­gin­nen wol­le. Die Mail on Sun­day be­rich­te­te un­ter­des­sen, Au­ßen­mi­nis­ter Bo­ris John­son pla­ne, Mays Ab­lö­sung zu be­an­tra­gen. John­son de­men­tier­te die Be­rich­te. La­bour-Chef Je­re­my Cor­byn, der bei der Wahl star­ke Zu­ge­win­ne er­reich­te, sag­te dem

Sun­day Mir­ror, es sei noch im­mer mög­lich, dass er Pre­mier­mi­nis­ter wer­de.

Fo­to: dpa

Nach der Wahl ist das Image von The­re­sa May an­ge­schla­gen.

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