Klei­ner „Knig­ge“für die Gr­ab­ge­stal­tung

Fried­hö­fe Wie die letz­te Ru­he­stät­te ei­nes To­ten aus­se­hen darf, ist streng ge­re­gelt. Was die Sat­zung über To­ma­ten sagt

Schwabmuenchner Allgemeine - - Augsburg - (al­ru/nip)

Ei­ne Frau, die auf dem Gr­ab ih­rer Groß­el­tern To­ma­ten pflanz­te, lös­te vor Kur­zem in Neu­burg ei­ne De­bat­te aus: Die zu­stän­di­ge Re­fe­ren­tin fand das pie­tät­los und woll­te Ob­stund Ge­mü­se­pflan­zen auf Grä­bern grund­sätz­lich ver­bie­ten. Sie schei­ter­te im Stadt­rat. In Augs­burg wä­re es laut Hel­mut Riedl vom Fried­hofs­amt grund­sätz­lich zu­läs­sig, To­ma­ten oder an­de­re Obst- und Ge­mü­se­sor­ten zu pflan­zen. Denn in der Fried­hofs­sat­zung ist nur fest­ge­legt, wel­che Hö­he die Be­pflan­zung ei­nes Gr­a­bes ha­ben soll­te, nicht aber, wel­che Blu­men er­laubt sind und wel­che nicht.

Re­geln für ei­ne an­ge­mes­se­ne Gr­ab­ge­stal­tung gibt es den­noch aus­rei­chend. So hat die Stadt Augs­burg fest­ge­legt, dass ein Gr­ab in­ner­halb von sechs Mo­na­ten nach ei­ner Be­er­di­gung „gärt­ne­risch an­ge­legt“sein soll­te. Da­nach muss es so ge­pflegt wer­den, dass es or­dent­lich aus­sieht und kein Wild­wuchs herrscht. Gr­a­bein­fas­sun­gen durch Pflan­zen – be­liebt sind zum Bei­spiel Buchs­bäum­chen – dür­fen nicht hö­her sein als 40 Zen­ti­me­ter, der Rest der Pflan­zen darf sich wei­ter stre­cken: auf ma­xi­mal zwei Me­ter Hö­he.

Die Frau in Neu­burg hat­te ar­gu­men­tiert, die To­ma­ten wür­den sie an die Zeit mit den Groß­el­tern im Schre­ber­gar­ten er­in­nern. Wer in Augs­burg an­führt, dass er mit dem Gr­ab ei­nes An­ge­hö­ri­gen zum Bei­spiel an ge­mein­sa­me Ur­lau­be er­in­nern möch­te, wird schei­tern: Sand und Kies auf den Grä­bern sind ver­bo­ten – eben­so wie künst­li­cher Ra­sen. Ur­nen­ni­schen dür­fen laut Fried­hofs­sat­zung gar nicht ge­schmückt wer­den.

Auch das Ma­te­ri­al von Gr­ab­stei­nen und -ein­fas­sun­gen legt die Fried­hofs­sat­zung fest: Er­laubt sind Gr­ab­ma­le aus Holz, ge­schmie­de­tem oder ge­gos­se­nem Ma­te­ri­al so­wie Na­tur­stein. Hier muss neu­er­dings nach­ge­wie­sen wer­den, dass die­se St­ei­ne nicht aus Kin­der­ar­beit stam­men (wir be­rich­te­ten). Be­ton, Glas und Email dür­fen nur ver­wen­det wer­den, wenn das Ma­te­ri­al künst­le­risch ge­stal­tet wur­de. Mau­ern, Kunst­stof­fe und Alu sind ver­bo­ten. Wer sei­ner An­ge­hö­ri­gen et­was feu­da­ler ge­den­ken will, könn­te eben­falls schei­tern: Gold, Sil­ber und Far­ben sind nur bei In­schrif­ten und Or­na­men­ten er­laubt, nicht aber bei Gr­ab­stei­nen und -Ein­fas­sun­gen. Laut Hel­mut Riedl wird je­der Gr­ab­stein vor dem Auf­stel­len auf die­se Kri­te­ri­en hin ge­prüft. „Aus­nah­men kön­nen dann ge­macht wer­den, wenn es sich um künst­le­risch wert­vol­le Gestal­tun­gen han­delt“, sagt Riedl. Wann ein Ver­stoß ge­gen die Pie­tät vor­liegt, hän­ge üb­ri­gens vom Ein­zel­fall ab. „Wenn sich vie­le be­läs­tigt füh­len, könn­te man ei­ne Be­pflan­zung an­fech­ten.“

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