Miet­ver­trag vs. Bri­ketts

Grill­ver­gnü­gen Nicht al­les ist er­laubt, nicht al­les ver­bo­ten – in­di­vi­du­el­le Vor­schrif­ten be­ach­ten

Schwabmuenchner Allgemeine - - Immo-börse - pm

Augs­burg Die Grill­zeit ist für vie­le die schöns­te Jah­res­zeit. Die ei­nen schwö­ren auf Gas, die an­de­ren auf Holz­koh­le. Doch für Mie­ter ist das nicht im­mer Ge­schmacks­sa­che, son­dern ei­ne Sa­che des Miet­ver­trags.

Claus O. Dee­se, Ge­schäfts­füh­rer des Mie­ter­schutz­bund e.V., rät: „Vor dem Grill­ver­gnü­gen soll­te man ei­nen Blick in die Haus­ord­nung oder den Miet­ver­trag wer­fen. Grund­sätz­lich gilt zwar, dass Gril­len auf Bal­kon oder Ter­ras­se nicht pau­schal ver­bo­ten ist, aber in­di­vi­du­el­le Vor­schrif­ten kann es trotz­dem ge­ben.“ Wer trotz Ver­bot grillt und sich auch über ei­ne Ab­mah­nung hin­weg­setzt, ris­kiert die frist­lo­se Kün­di­gung der Woh­nung (Land­ge­richt Es­sen, Az. 10 S 438/01).

Holz­koh­le oder Steck­do­se?

Ge­ra­de bei Holz­koh­le­grills gilt Vor­sicht: Wenn der Rauch zu den Nach­barn in die Woh­nung zieht, kann das ei­nen Ver­stoß ge­gen die Im­mis­si­ons­schutz­ver­ord­nung dar­stel­len, der im schlimms­ten Fall ei­ne Geld­stra­fe nach sich zieht. (LG München 15 S 22735/03). Schnel­ler, aber we­ni­ger rus­ti­kal geht das Gril­len mit Gas­grill. Doch für ei­nen durch­schnitt­li­chen Bal­kon sind die gän­gi­gen Mo­del­le oft zu groß und ver­ur­sa­chen da­her viel Rauch.

Die Lö­sung für Mie­ter kön­nen Elek­tro­grills sein. „Ist im Miet­ver­trag nichts an­de­res ge­re­gelt, ist ein Elek­tro­grill auf dem Bal­kon ei­ne sehr gu­te Al­ter­na­ti­ve“, sagt Dee­se. „Er ist schnell ein­satz­be­reit und kommt oh­ne zu­sätz­li­che Koh­len oder Gas aus. Hin­zu kommt die sehr ge­rin­ge Ge­ruchs­be­läs­ti­gung für die Nach­barn.“

Egal ob mit Koh­le, Pro­pan oder Strom: Der Grill muss im Au­ge be­hal­ten wer­den. Denn nicht nur ge­fähr­lich, son­dern auch teu­er wird es, wenn die Feu­er­wehr an­rü­cken muss. „Wenn die­se be­le­gen kann, dass ei­ne Ge­fahr vor­sätz­lich oder grob fahr­läs­sig her­bei­ge­führt wur­de, muss der Mie­ter den Ein­satz und die ent­stan­de­nen Schä­den be­zah­len“, so Claus O. Dee­se.

Fast in je­der Stadt wur­den be­reits Ur­tei­le zum The­ma Gril­len ge­fällt. So hat das Land­ge­richt Stuttgart (Az. 10 T 359/96) ent­schie­den, dass sechs St­un­den Grill­ver­gnü­gen pro Jahr auf der Ter­ras­se ak­zep­ta­bel sind. Das Amts­ge­richt Schö­ne­berg sah das ent­spann­ter (Az. 3 C 14/07): et­wa zwei St­un­den bis 21 Uhr, 20– bis 25–mal jähr­lich sei­en an­nehm­bar. Die ein­fachs­te Lö­sung ist al­ler­dings im­mer noch das per­sön­li­che Gespräch mit den Nach­barn.

Fo­to: ka­re­pa, Fo­to­lia.com

Das duf­tet be­stimmt köst­lich. Aber riecht das der Nach­bar genau­so oder stinkt ihm das Grill­ver­gnü­gen? Beim Brut­zeln auf Bal­kon und Ter­ras­se soll­ten Mie­ter ge­gen­sei­tig Rück­sicht, aber auch Nach­sicht gel­ten las­sen. Was nicht im Miet­ver­trag oder in der Haus­ord­nung ge­re­gelt ist, klärt man am bes­ten im per­sön­li­chen Gespräch.

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