Ein Fall, der Fra­gen auf­wirft

Schwabmuenchner Allgemeine - - Augsburg - VON JÖRG HEINZLE jo­eh@augs­bur­ger all­ge­mei­ne.de

Der Fall des Po­li­zei­be­am­ten, der den No­t­ruf ei­nes be­droh­ten Ju­gend­li­chen nicht ernst ge­nom­men hat, ist ge­eig­net, das Ver­trau­en in die Po­li­zei zu un­ter­gra­ben. Denn es gilt der Grund­satz: Wer die 110 wählt, dem wird ge­hol­fen. Die Po­li­zei be­tont im­mer wie­der, dass die Bür­ger in für sie kri­ti­schen Si­tua­tio­nen lie­ber ein­mal zu viel den No­t­ruf wäh­len sol­len. Ist das ein Ver­spre­chen, das gar nicht ein­ge­hal­ten wird? Nein. So ist es nicht. Der Be­am­te, der we­gen sei­nes gra­vie­ren­den Fehl­ver­hal­tens jetzt zu ei­ner re­la­tiv mil­den Geld­stra­fe ver­ur­teilt wur­de, hat be­tont: Es sei nicht die Po­li­zei ge­we­sen, es sei sein per­sön­li­cher Feh­ler. Er hat recht.

Die al­ler­meis­ten Be­am­ten er­le­di­gen ih­ren Job gut. Doch ge­ra­de beim Po­liz­ei­no­t­ruf kann auch ei­ne ein­zi­ge fal­sche Ein­schät­zung dra­ma­ti­sche Fol­gen ha­ben. Die Be­am­ten müs­sen mit gro­ßen Druck und ei­nem ho­hen Stress­fak­tor klar­kom­men. Das ist nicht je­der­manns Sa­che. Da­für soll­ten sie ent­spre­chend gut ge­schult wer­den – und das Aus­wahl­ver­fah­ren soll­te so ge­stal­tet sein, dass mög­lichst nur ge­eig­ne­te Be­wer­ber an das Te­le­fon kom­men. Der Pro­zess ge­gen den No­t­ruf­be­am­ten hat zu­min­dest die Fra­ge auf­ge­wor­fen, ob das jetzt schon in aus­rei­chen­dem Maß ge­schieht.

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