Un­sou­ve­rä­ne Re­ak­ti­on

Schwabmuenchner Allgemeine - - Bayern - VON MAR­KUS BÄR mab@augs­bur­ger all­ge­mei­ne.de

Die Re­ak­ti­on des Be­zir­kes auf das kri­ti­sche Interview, das wir mit dem His­to­ri­ker und Au­tor der neu­en Be­zirks-Chro­nik, Dr. Paul Ho­ser, führ­ten, wirkt klein­ka­riert. Be­zirks­tags­prä­si­dent Jür­gen Rei­chert hat ihn für die Buch­prä­sen­ta­ti­on heu­te Abend in Augs­burg von der Red­ner­lis­te ge­stri­chen. Der Au­tor ei­nes Bu­ches darf bei der Vor­stel­lung sei­nes ei­ge­nen Wer­kes nichts sa­gen! Das geht nicht.

Es ist ja nach­voll­zieh­bar, dass man beim Be­zirk nicht be­geis­tert war über die kri­ti­schen Wor­te des His­to­ri­kers. Ins­be­son­de­re, weil ja der Be­zirk Ho­ser selbst mit dem Schrei­ben des Bu­ches be­auf­tragt hat­te. Aber die Frei­heit für For­schung und Leh­re zählt in Deutsch­land so­gar zu den Grund­rech­ten. Und so soll­te der Be­zirk die Aus­sa­gen Ho­sers (die sich im Üb­ri­gen oh­ne­hin im Buch fin­den) ak­zep­tie­ren. Ho­ser nun von der Red­ner­lis­te zu strei­chen, ist ein Un­ding. Es ist schon al­lein des­halb nicht zu ver­ste­hen, weil Be­zirks­tags­prä­si­dent Rei­chert doch sonst ein wirk­lich be­son­ne­ner und über­leg­ter Mensch ist. Es ist wohl so, dass der ei­ne oder an­de­re Ak­teur beim Be­zirk schlicht und er­grei­fend be­lei­digt ist. Wenn das der Hin­ter­grund der Ent­schei­dung war, ist das trau­rig. Denn nor­ma­ler­wei­se ist der Be­zirk sou­ve­rä­ner.

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