Ein Meis­ter­stück mit viel Lie­be zum De­tail

Schu­le Jo­na­than Lick­fett hat schon ei­ni­ge Kö­nigs­brun­ner Bau­wer­ke aus Le­go­stei­nen nach­ge­baut. Mit sei­nem maß­stabs­ge­treu­en Mo­dell des Gym­na­si­ums hat der 14-Jäh­ri­ge zum Schul­ju­bi­lä­um ein Groß­pro­jekt ge­stemmt

Schwabmuenchner Allgemeine - - Königsbrunner Zeitung - VON ADRI­AN BAU­ER

Kö­nigs­brunn Ein biss­chen Schöp­fer­stolz ist Jo­na­than Lick­fett durch­aus an­zu­mer­ken, wenn er auf sei­ne neu­es­te Le­goar­beit blickt. Den kann sich der 14-Jäh­ri­ge durch­aus er­lau­ben: Denn seit No­vem­ber hat er sei­ne Schu­le, das Kö­nigs­brun­ner Gym­na­si­um, maß­stabs­ge­treu aus den klei­nen bun­ten St­ei­nen nach­ge­baut. Und das ist im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes ei­ne gro­ße Leis­tung: 45000 St­ei­ne hat er de­tail­ge­treu auf zehn Qua­drat­me­ter Flä­che ver­teilt. Die gan­ze Kon­struk­ti­on wiegt 52 Ki­lo und ist nun, zu den Fei­er­lich­kei­ten zur Schul­grün­dung vor 50 Jah­ren, im Licht­hof des Gym­na­si­ums zu be­stau­nen.

Der Ar­chi­tekt selbst freut sich über das En­d­er­geb­nis der lan­gen Bau­pha­se: „Zu­hau­se im Kel­ler sah es to­tal an­ders aus, weil vie­le De­tails erst jetzt an­ge­baut sind. So sieht es schön be­lebt aus“, sagt Jo­na­than Lick­fett. An klei­nen Ver­schö­ne­run­gen hat der Ne­unt­kläss­ler nicht ge­spart. Le­go­männ­chen for­men im Pau­sen­hof die Zahl 50 fürs Schul­ju­bi­lä­um, auf der an­de­ren Sei­te des Mo­dells sind Bau­ar­bei­ter am Schwimm­bad zu­gan­ge, auf ei­ner Trep­pe im Pau­sen­hof zeigt ei­ne Akro­ba­tik-Grup­pe ihr Kön­nen. Schul­lei­te­rin Eva Focht-Schmidt ist eben­falls be­ein­druckt: „Es ist so de­tail­ge­treu – bis zur Hüt­te im Hof und der Boul­der­wand.“Für sei­nen gro­ßen Ein­satz soll Jo­na­than Lick­fett auch noch ein Ge­schenk be­kom­men, kün­dig­te sie an.

Das Schul­mo­dell war das bis­her größ­te Pro­jekt des Schü­lers. Zu­vor hat­te er den Bus­bahn­hof und das Mer­ca­te­um aus Le­gos nach­ge­baut – für die Kö­nigs­brun­ner Welt­ku­gel be­kam er den ers­ten Preis beim Brun­nen­wett­be­werb der Stadt. Die­se Ar­bei­ten wa­ren aber ma­xi­mal zwei Qua­drat­me­ter groß. Die Idee für das Rie­sen­pro­jekt hat­te Mut­ter San­dra, sagt Jo­na­than Lick­fett: „Ich wuss­te nicht, was ich als Nächs­tes bau­en soll. Mei­ne Mut­ter mein­te, dass zum Schul­ju­bi­lä­um doch ein Mo­dell des Gym­na­si­ums toll wä­re.“

Schnell wur­de klar, dass das Re­sul­tat ziem­lich groß wer­den wür­de, wenn man sich an den Maß­stab 1:50 hält. „Ich ha­be ei­nen an­de­ren Maß­sta­bau­s­pro­biert, aber das sah ein­fach nicht gut aus“, sagt Jo­na­than Lick­fett. Die Plä­ne für das Mo­dell hat­te er im Kopf, vor je­dem Bau­ab­schnitt schau­te er sich das Ori­gi­nal noch ein­mal ge­nau an. Da­zu hal­fen Fo­tos und auch ei­ni­ge Luft­bil­der. Um ge­nug Platz zum Bau­en zu ha­ben, wur­de das Mo­dell in den Kel­ler ver­frach­tet.

Ins­ge­samt 350 bis 400 St­un­den hat Jo­na­than Lick­fett in den Bau in­ves­tiert, da­zu noch ei­ni­ges für „Bü­ro­kram“. Denn zwi­schen­durch gin­gen ihm im­mer wie­der die St­ei­ne aus – auch wenn Weih­nachts- und Ge­burts­tags­ge­schen­ke für das Pro­jekt in­ves­tiert wur­den. So such­te er nach Spon­so­ren und fand bei ver­schie­de­nen Fir­men im Um­kreis Un­ter­stüt­zung durch Geld- oder St­ein­zu­schüs­se: „Ein auf Le­go spe­zia­li­sier­ter On­li­ne­shop aus Kö­nigs­brunn hat mir zum Bei­spiel die Dach­plat­ten zur Ver­fü­gung ge­stellt.“Hin­zu ka­men auch pri­va­te Spen­der, die ihm St­ei­ne über­lie­ßen. Al­len ist er sehr dank­bar, denn sonst wä­re das Pro­jekt kaum recht­zei­tig zum Schul­ju­bi­lä­um fer­tig ge­wor­den.

Die letz­te gro­ße Her­aus­for­de­rung war der Trans­port vom El­tern­haus in die Schu­le. Jo­na­than Lick­fett hat­te sein Mo­dell von vorn­her­ein so ge­plant, dass es in meh­re­re Tei­le zer­legt und trans­por­tiert wer­den kann. Klein war der Auf­wand trotz­dem nicht: Sechs Fuh­ren mit zwei Au­tos wa­ren nö­tig, bis al­les an sei­nem Be­stim­mungs­ort war. Auch das Zu­sam­men­bau­en for­der­te noch ein­mal Ge­duld und Prä­zi­si­on von den ins­ge­samt sechs Be­tei­lig­ten.

Für ei­ni­ge Bau­tei­le brauch­te er viel Fin­ger­spit­zen­ge­fühl, bis sie sta­bil wa­ren, sagt Jo­na­than Lick­fett: „Die Turn­hal­le hat ei­ne sehr gro­ße, frei schwe­ben­de Dach­flä­che, auch wenn Stüt­zen da­rin sind.“Auch das schrä­ge Dach des A-Baus war bau­tech­nisch ei­ne Her­aus­for­de­rung, die Fang­net­ze an den Sport­plät­zen da­ge­gen eher ei­ne Ge­dulds­pro­be. Die ein­zi­gen Kom­pro­mis­se mach­te der 14-Jäh­ri­ge aber bei den Hö­hen­ver­hält­nis­sen: Die vie­len Trep­pen und un­ter­schied­li­chen Ebe­nen gera­de im Ein­gangs­be­reich im Wes­ten er­spar­te er sich: „Das wä­re ein­fach zu auf­wen­dig ge­wor­den.“Fens­ter­schei­ben für al­le Räu­me hät­ten zu­dem das Bud­get end­gül­tig ge­sprengt.

Trotz der vie­len Ar­beit und leich­tem Ter­min­druck am En­de hat­te Jo­na­than Lick­fett viel Spaß an sei­nem Pro­jekt: „Au­ßer­dem ist es ja nicht so, dass ich des­we­gen kei­ne Zeit mehr für an­de­re Sa­chen ge­habt hät­te.“Und das Er­geb­nis recht­fer­tigt den Auf­wand – das sagt nicht nur die Schul­lei­te­rin, son­dern auch die Freun­de: „Am An­fang wa­ren ei­ni­ge schon er­staunt, dass ich so das in mei­ner Frei­zeit ma­che. Aber jetzt ha­ben sie ge­sagt, dass es rich­tig cool aus­sieht“, sagt Jo­na­than Lick­fett.

Ein neu­es Pro­jekt hat der Schü­ler schon in Aus­sicht: Sein Mer­ca­te­umNach­bau steht jetzt in dem Mu­se­um und die Lei­tung hat an­ge­fragt, ob er nicht das Mick­hau­ser Schloss nach­bau­en möch­te. Lust hät­te Jo­na­than Lick­fett schon, be­vor er sich ent­schei­det, möch­te er sich erst ein­mal das Ori­gi­nal-Schloss an­schau­en. Sein Ta­lent fürs Bau­en könn­te er sich durch­aus als Be­ruf vor­stel­len: Stadt­pla­nung und Ar­chi­tek­tur sei­en durch­aus in­ter­es­sant. „Aber ich ha­be ja noch ein paar Jah­re Zeit, bis ich mich ent­schei­den muss“, sagt Jo­na­than Lick­fett. Mit sei­nen spek­ta­ku­lä­ren Le­go-Pro­jek­ten hat er zu­min­dest schon ein­mal ei­nen ein­drucks­vol­len Ta­l­ent­nach­weis für spä­te­re Be­wer­bun­gen. Aus­stel­lung Das Mo­dell ist noch bis En­de Ju­li im Licht­hof des Gym­na­si­ums aus­ge­stellt. Wäh­rend der Som­mer­fe­ri­en wan­dert es ins Kö­nigs­brun­ner Rat­haus, wo es zu den Öff­nungs­zei­ten be­sich­tigt wer­den kann. Da­nach kehrt es vor­aus sicht­lich zu­rück ins Schul­haus.

350 bis 400 St­un­den Ar­beit hat Jo­na­than Lick­fett in sein Schul­mo­dell in­ves­tiert. Für das Re­sul­tat gibt es Lob von Schul­lei­te­rin und Klas­sen­ka­me­ra­den. Die vie­len De­tails auf den Sport­plät­zen und die Jah­res­zahl des Schul ju­bi­lä­ums im Schul­hof ka­men erst am En­de hin­zu. Al­lein die Di­men­sio­nen des Gym­na­si­ums­nach­bau sind be­ein­dru­ckend: Zehn Qua­drat­me­ter groß, 52 Ki­lo schwer, 45 000 St­ei­ne.

Fo­tos: Adri­an Bau­er

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