Aus­ein­an­der­set­zung um Kin­der­geld es­ka­liert

Jus­tiz Ein 35-jäh­ri­ger Mann soll sei­ne frü­he­re Le­bens­ge­fähr­tin mit dem Tod be­droht ha­ben. Der ge­mein­sa­me Sohn soll bei ei­ner Ran­ge­lei zwi­schen sei­nen El­tern ver­letzt wor­den sein

Schwabmuenchner Allgemeine - - Schwabmünchen - VON USCHI RIE­GER

Land­kreis Augs­burg Weil er sei­ne ehe­ma­li­ge Le­bens­ge­fähr­tin be­droh­te, muss ein 35-Jäh­ri­ger 600 Eu­ro Stra­fe (60 Ta­ges­sät­ze zu je zehn Eu­ro) zah­len. Der Mann schrieb der Mut­ter sei­nes Kin­des zwei Mal „You’re go­ing to die this ye­ar!“(Du wirst die­ses Jahr noch ster­ben) auf WhatsApp. Streit­punkt der Aus­ein­an­der­set­zung in ei­ner Ge­mein­schafts­un­ter­kunft im süd­li­chen Land­kreis war das Kin­der­geld. Der An­ge­klag­te for­der­te es für sich ein, sei­ne ehe­ma­li­ge Part­ne­rin gab ihm das Geld je­doch nicht.

Der ge­bür­ti­ge Ni­ge­ria­ner wur­de bei der Ver­hand­lung vor dem Augs­bur­ger Amts­ge­richt von ei­ner Dol­met­sche­rin un­ter­stützt. Ver­hin­dert war der Ver­tei­di­ger. Der bis­lang nicht vor­be­straf­te, nun­mehr im Raum Köln le­ben­de An­ge­klag­te soll­te sich auf An­ra­ten sei­nes An­wal­tes selbst ver­tei­di­gen. Vor Ge­richt konn­ten dem An­ge­klag­ten die bei­den über WhatsApp ver­schick­ten Be­dro­hun­gen im No­vem­ber ver­gan­ge­nen Jah­res nach­ge­wie­sen wer­den. Auch die ent­spre­chen­de Te­le­fon­num­mer lag vor. Die ehe­ma­li­ge Le­bens­ge­fähr­tin ver­si­cher­te als Zeu­gin: „Wenn der bei mir an­ge­ru­fen hat, ging es ihm nur um das Kin­der­geld.“

Im zwei­ten Teil der An­kla­ge war von „tö­ten“und von ei­ner fahr­läs­si­gen Kör­per­ver­let­zung die Re­de. So soll im Zu­ge ei­ner Ran­ge­lei zwi­schen dem An­ge­klag­ten und der Mut­ter der da­mals fünf Mo­na­te al­te Säug­ling zu Bo­den ge­fal­len sein. Noch heu­te lei­de das Kind un­ter den Fol­gen.

Hier stand Aus­sa­ge ge­gen Aus­sa­ge. Der An­ge­klag­te be­stritt von An­fang an, dass er am 21. No­vem­ber 2016 in der Un­ter­kunft ge­we­sen sei. Als Be­weis konn­te der 35-Jäh­ri­ge dem Ge­richt sei­ne Fahr­kar­ten von Augs­burg nach Köln und wie­der zu­rück vor­le­gen. Dar­über hin­aus er­klär­te ein „gu­ter Freund“, dass man zum an­geb­li­chen Tat­zeit­punkt ge­mein­sam mit wei­te­ren Lands­leu­ten Ge­burts­tag ge­fei­ert hät­te. Rich­ter Phil­ipp Mey­er mach­te auch auf ein von der Re­gie­rung von Schwa­ben ver­häng­tes Haus­ver­bot für die Rä­um­lich­kei­ten auf­merk­sam.

Über­zeugt gab sich wei­ter­hin der An­ge­klag­te, dass es nicht das ers­te Mal sei, dass die Mut­ter sei­nes Soh­nes Lü­gen über ihn ver­brei­te. Heu­te le­be er in der Nä­he von Köln „bei der Ma­ma mei­nes Ba­bys ...“. Der An­ge­klag­te hat vier Kin­der von vier ver­schie­de­nen Frau­en. Er wird vom So­zi­al­amt un­ter­stützt. Mit Zu­stim­mung der Staats­an­walt­schaft wur­de der zwei­te Teil der An­kla­ge ein­ge­stellt. Staats­an­walt Ben­ja­min Jung­hans er­klär­te in sei­nem Plä­doy­er, dass der An­ge­klag­te die Be­dro­hung über WhatsApp zwar nicht ein­ge­räumt hät­te. „Aber das wur­de wi­der­legt“, sag­te er.

Jung­hans be­an­trag­te 80 Ta­ges­sät­ze zu je 15 Eu­ro. Auch für Mey­er stand zwei­fels­frei fest, dass die Text­nach­rich­ten vom Han­dy des 35-Jäh­ri­gen ge­schickt wur­den: „So was ist schnell mal ge­tippt und ab­ge­schickt.“Er ver­ur­teil­te den An­ge­klag­ten we­gen zwei­fa­cher Be­dro­hung. „Statt der Geld­stra­fe kön­nen sie auch ge­mein­nüt­zi­ge Ar­beit ab­leis­ten“, er­klär­te Rich­ter Mey­er dem An­ge­klag­ten.

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