Funk im Mi­lieu

Neue CD der Big Band Theo­ry

Schwabmuenchner Allgemeine - - Feuilleton Regional - VON ERIC ZWANG ERIKSSON

Beim Öff­nen des Book­lets sticht zu­nächst fol­gen­der Spruch in knall­ro­ten Let­tern ins Au­ge: „Im Rot­licht­vier­tel von Ams­ter­dam gibt es im­mer noch die bes­ten Pom­mes.“Ein Weg­wei­ser in die Welt des „Por­no­gra­phic Funk“, so der selbst er­nann­te Stil des Augs­bur­ger Quin­tetts The Big Band Theo­ry. Neun Stü­cke gibt es auf „Ma­ke The World Gre­at Again“, die den Hö­rer in ei­nen ab­wechs­lungs­rei­chen in­stru­men­ta­len Kos­mos füh­ren.

Es ist der zwei­te Long­play­er der im Jahr 2013 ge­grün­de­ten Band. Por­no­gra­fisch mag über­trie­ben klin­gen, span­nend und schweiß­trei­bend ist die Mu­sik al­le­mal. Und ge­würzt mit ei­ner gu­ten Por­ti­on Hu­mor. Aus­nahms­los Ei­gen­kom­po­si­tio­nen fin­den sich auf dem Ton­trä­ger, die die Vor­stel­lung von fest­ge­fah­re­nen Stil­rich­tun­gen or­dent­lich durch­ein­an­der­wir­beln. Mö­gen die Wur­zeln auch im wei­ßen Funk sol­cher Grup­pen wie To­wer Of Po­wer oder den Bre­cker Bro­thers lie­gen, kre­iert die Big Band Theo­ry doch ei­nen ganz ei­ge­nen Kos­mos, der sich um Gen­re­gren­zen nicht schert.

Ti­tel wie der an die Slick­a­pho­nics er­in­nern­de „Nie wie­der Sex“oder der High-Speed-Funk-Rock-Kra­cher „Red Light Rock“zei­gen ei­nen un­ge­hemm­ten und von Neu­gier ge­präg­ten Fa­cet­ten­reich­tum. Ero­tisch pri­ckelnd kommt der „Slow Funk“da­her, der mit sei­nem coo­len, lang­sa­men Groo­ve an pi­kan­te Sze­nen aus al­ten Blax­poi­ta­ti­on-Fil­men er­in­nert. Das al­les oh­ne Ge­sang, denn die Big Band Theo­ry ist ei­ne rei­ne In­stru­men­tal­band. Trei­bend spielt die mo­dern agie­ren­de Rhyth­mus­grup­pe mit Flo­ri­an Hartz (Bass) und Lu­is Rett (Schlag­zeug) auf, die Gi­tar­ren­li­ni­en von Patrick Os­ter sind klar ge­setzt. Dar­über die kna­cki­gen Riffs an­spruchs­vol­ler So­li von Va­len­tin Metz­ger (Trom­pe­te) und Da­ni­el Kor­ger (Sa­xo­phon). In­ter­es­san­ter­wei­se ist der Sound der Auf­nah­me kon­ter­ka­rie­rend nost­al­gisch. Da pumpt der Kom­pres­sor, oh­ne wirk­lich Druck zu ma­chen. Das wirkt wie in der Schub­la­de ver­ges­sen und nach 30 Jah­ren wie­der­ent­deckt, was das Hör­ver­gnü­gen aber nicht schmä­lert.

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