Ex Po­li­zist be­kommt 60 000 Eu­ro vom Frei­staat

Af­fä­re Ein Be­am­ter ge­rät un­ter Kor­rup­ti­ons­ver­dacht und wird zur Kün­di­gung ge­drängt. War­um er jetzt ent­schä­digt wird

Schwabmuenchner Allgemeine - - Augsburg - VON THO­MAS RUHMÖLLER

Der Fall ist ent­schie­den, nach zehn Jah­ren kön­nen die Ak­ten ge­schlos­sen wer­den: 60000 Eu­ro er­hält ein frü­he­rer Augs­bur­ger Po­li­zei­be­am­ter vom Frei­staat Bay­ern. Es ist die Ent­schä­di­gung da­für, dass er fälsch­li­cher­wei­se der Be­stech­lich­keit be­schul­digt und so lan­ge in­haf­tiert wor­den war, bis er sei­nen Di­enst beim Mo­bi­len Ein­satz­kom­man­do des Augs­bur­ger Po­li­zei­prä­si­di­ums quit­tiert hat­te.

Der Fall hat­te bun­des­weit für Auf­se­hen ge­sorgt, un­se­re Zei­tung hat­te den Fall vor we­ni­gen Wo­chen Man­fred D. war lan­ge Jah­re Spe­zia­list für Funk­tech­nik beim Mo­bi­len Ein­satz­kom­man­do in Augs­burg ge­we­sen. Im Jahr 2007 wur­de er nach mo­na­te­lan­gen in­ter­nen Er­mitt­lun­gen ver­haf­tet. Der Vor­wurf: Er ha­be sich von ei­nem hes­si­schen Un­ter­neh­mer, der tech­ni­sche Ge­rä­te an die baye­ri­sche Po­li­zei lie­fer­te, be­ste­chen las­sen. Der Staats­an­walt soll da­mals gesagt ha­ben, Man­fred D. kom­me erst dann wie­der aus dem Ge­fäng­nis her­aus, wenn er den Po­li­zei­dienst quit­tie­re. Dar­auf­hin gab der Mann auf und un­ter­zeich­ne­te ein Ent­las­sungs­ge­such, das ihm von der Po­li­zei ex­tra ins Ge­fäng­nis ge­bracht wur­de. In ers­ter In­stanz wur­de er im Jahr 2011 we­gen Be­stech­lich­keit vom Amts­ge­richt zu ei­nem Jahr Haft auf Be­wäh­rung ver­ur­teilt.

Im Jahr 2012 aber stell­te sich im Be­ru­fungs­ver­fah­ren vor dem Land­ge­richt her­aus, dass Vor­ge­setz­te von Man­fred D. ent­las­ten­de Un­ter­la­gen zu­rück­ge­hal­ten hat­ten. Noch am nächs­ten Tag wur­de der Mann um­fas­send von al­len Vor­wür­fen frei­ge­spro­chen. Da war es je­doch zu spät: Sei­nen Job bei der Po­li­zei war er los. Er er­litt da­durch mas­si­ve fi­nan­zi­el­le Ein­bu­ßen. Des­halb klag­te er auf Scha­den­er­satz. In ei­ner Ver­hand­auf­ge­deckt. lung vor dem Augs­bur­ger Land­ge­richt An­fang Mai die­ses Jah­res deu­te­te der Rich­ter an, dass er durch­aus ei­ne Ver­let­zung der Für­sor­ge­pflicht auf­sei­ten der Po­li­zei se­he. Er nann­te auch ei­nen Be­trag für ei­ne mög­li­che Ent­schä­di­gung: 100000 Eu­ro. Die Ver­tre­ter des Frei­staats kün­dig­ten je­doch an, dass sie ein sol­ches Ur­teil nicht ak­zep­tie­ren und in die nächs­te In­stanz ge­hen wür­den.

Jetzt gibt es aber ei­nen Ver­gleich: 60 000 Eu­ro be­kommt Man­fred D., au­ßer­dem trägt der Frei­staat auch 60 Pro­zent der Ver­fah­rens­kos­ten. „Das ist ei­ne nicht nur für Bay­ern be­mer­kens­wer­te Be­en­di­gung ei­nes ju­ris­ti­schen Ver­fah­rens“, sagt der An­walt von Man­fred D., der Frank­fur­ter Ver­wal­tungs­recht­ler Ha­rald W. Nol­te. Er wer­tet den Ver­gleich als „die spä­te Re­ha­bi­li­ta­ti­on für ei­nen aus dem Di­enst ge­dräng­ten Po­li­zei­be­am­ten“. Man­fred D. selbst sagt, die 60000 Eu­ro sei­en für ihn nicht nur Wie­der­gut­ma­chung für er­lit­te­nes Un­recht. „Wich­ti­ger ist für mich, dass vom Ge­richt ei­ne ein­deu­ti­ge Bot­schaft an die Po­li­zei­be­hör­de aus­ging: So be­han­delt man Men­schen ein­fach nicht.“Zehn Jah­re sei­en jetzt seit sei­ner Ver­haf­tung ver­gan­gen: „Ich bin ein­fach nur glück­lich, dass al­les vor­bei ist.“

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