Va­ter schlägt neun­jäh­ri­gen Sohn

Bei ei­nem Re­stau­rant­be­such in Kö­nigs­brunn ge­ra­ten die bei­den in Streit – we­gen ei­nes Stücks Piz­za? Kur­ze Zeit spä­ter ruft der 48-Jäh­ri­ge bei dem Jun­gen so­wie der Po­li­zei an und kün­digt ei­nen Dop­pel­mord an

Schwabmuenchner Allgemeine - - Schwabmünchen - VON MICHA­EL LIND­NER Land­kreis Augs­burg

Ein 48-jäh­ri­ger Mann war mit sei­nem neun­jäh­ri­gen Sohn in Kö­nigs­brunn beim Es­sen. Ein ita­lie­ni­sches Re­stau­rant ha­ben sich die bei­den aus­ge­sucht. Es war ein schö­ner Abend, zu­nächst. Ir­gend­wann kam es zum Streit. Der Aus­lö­ser konn­te auch am Augs­bur­ger Amts­ge­richt nicht ge­nau ge­klärt wer­den: Ging es um ein Stück Piz­za? Oder doch um den neu­en Part­ner der Ex-Frau? Oder be­lei­dig­te der Jun­ge sei­nen Va­ter als „Ar­sch­loch“? Letz­te­res be­haup­te­te je­den­falls der An­ge­klag­te. Wie er selbst sagt, sah er dar­auf­hin rot. Der 48-Jäh­ri­ge schlug sei­nem Sohn di­rekt vor dem Re­stau­rant mit der fla­chen Hand ins Ge­sicht. Und zwar so stark, dass dem Neun­jäh­ri­gen das Blut aus der Na­se lief.

Der Va­ter gab an, dass er den Jun­gen nicht so fest tref­fen woll­te: „Aber er ging ei­nen Schritt auf mich zu, das ha­be ich nicht be­merkt.“Rich­te­rin Ri­ta Gre­ser war ob der Er­zie­hungs­me­tho­de des Man­nes ent­setzt und sag­te: „Faust­recht ist bei uns nicht ge­stat­tet.“

Zwei Frau­en ha­ben den Vor­fall da­mals be­ob­ach­tet, als sie beim Rau­chen vor dem Re­stau­rant stan­den. Der 48-Jäh­ri­ge ha­be dem Jun­gen „ei­ne ge­schos­sen“, dass es „rich­tig ge­klatscht“hat. Der Bub sei da­nach heu­lend weg­ge­rannt, ehe er doch zum Va­ter ins Au­to stieg. Die bei­den Frau­en spra­chen den 48-Jäh­ri­gen an, die­ser be­lei­dig­te sie dar­auf­hin mehr­fach. Als sie sa­hen, dass der Jun­ge blu­te­te, rie­fen sie die Po­li­zei.

We­ni­ge St­un­den spä­ter tä­tig­te der An­ge­klag­te zwei be­droh­li­che An­ru­fe. Zu­erst rief er bei dem neun­jäh­ri­gen Sohn an, der in­zwi­schen in der Woh­nung der Mut­ter war. Am Te­le­fon sag­te der 48-Jäh­ri­ge, dass er sei­ne Ex-Frau so­wie de­ren neu­en Part­ner tö­ten wer­de. Kurz da­nach rief der An­ge­klag­te dann bei der Po­li­zei­in­spek­ti­on in Bo­bin­gen an. Er droh­te mit ei­nem Dop­pel­mord, falls nicht so­fort die Po­li­zei zu ihm kom­men wür­de.

Als die Be­am­ten an der Woh­nung des Man­nes ein­tra­fen, kam die­ser mit hoch er­ho­be­nen Hän­den aus dem Haus, er­in­ner­te sich ei­ne Po­li­zis­tin. Ei­ner ih­rer Kol­le­gen sag­te aus, dass der 48-Jäh­ri­ge et­was von ei­nem Auf­trags­mord er­zählt hät­te. „Der hat mei­ne Fa­mi­lie zer­stört“, sag­te der An­ge­klag­te. Des­halb ha­be er sich zu die­sen Äu­ße­run­gen hin­rei­ßen las­sen.

Der 48-Jäh­ri­ge gab bei der Ver­hand­lung wei­ter zu, sei­ne Ex-Frau mehr­fach be­lei­digt zu ha­ben. Die 37-Jäh­ri­ge sprach von „Stan­dard­be­lei­di­gun­gen“, die im­mer wie­der vor­kom­men wür­den – egal ob am Te­le­fon oder ir­gend­wo in der Öf­fent­lich­keit. Der Sach­ver­stän­di­ge Dr. Tho­mas Schwarz aus München sprach von ei­nem stim­mungs­la­bi­len, nar­ziss­ti­schen An­ge­klag­ten, der zur Thea­tra­lik nei­ge.

Der drei­fach vor­be­straf­te Mann – al­le Ta­ten rich­te­ten sich ge­gen sei­ne Ex-Frau – durf­te sei­nen Sohn we­gen der Atta­cke in den ver­gan­ge­nen acht Mo­na­ten nur ein ein­zi­ges Mal se­hen. Und zwar un­ter Auf­sicht. Sein Ver­tei­di­ger Richard Lan­ger be­an­trag­te ei­ne ma­xi­mal sechs Mo­na­te lan­ge Frei­heits­stra­fe. Sein Man­dant fürch­te am meis­ten die Tren­nung von sei­nem Sohn, des­halb sol­le die Stra­fe sei­ner Mei­nung nach zur Be­wäh­rung aus­ge­setzt wer­den.

Staats­an­walt Andre­as Tonn hin­ge­gen plä­dier­te für ei­ne ein­jäh­ri­ge Ge­fäng­nis­stra­fe. Zwar war der An­ge­klag­te ge­stän­dig und mach­te vor Ge­richt „fast schon ei­nen gu­ten Ein­druck“, al­ler­dings sei sei­ne Ein­stel­lung zur Er­zie­hung tief ver­wur­zelt. Der 48-Jäh­ri­ge hät­te „nicht das welt­bes­te Ner­ven­kos­tüm“, zu­dem ha­be es bis vor we­ni­gen Wo­chen im­mer wie­der be­lei­di­gen­de An­ru­fe ge­ge­ben.

Rich­te­rin Gre­ser ver­ur­teil­te den 48-Jäh­ri­gen zu ei­ner neun­mo­na­ti­gen Be­wäh­rungs­stra­fe. Zu­dem muss er 120 St­un­den ge­mein­nüt­zi­ge Ar­beit leis­ten. „Der Trip en­det in der JVA, wenn sie so wei­ter­ma­chen“, sag­te die Rich­te­rin mah­nend zu dem Fa­mi­li­en­va­ter.

Der An­ge­klag­te fürch­tet die dau­er­haf­te Tren­nung vom Sohn

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