Nie­der­la­ge für IHK Kri­ti­ker

Ge­gen die Zwangs­mit­glied­schaf­ten in den Kam­mern war un­ter an­de­rem ein Un­ter­neh­men aus der Re­gi­on vor Ge­richt ge­zo­gen

Schwabmuenchner Allgemeine - - Wirtschaft - VON JAN KANDZORA Augs­burg

Der Kon­flikt zieht sich be­reits ei­ne Wei­le. Ge­nau­er: acht Jahre schon. Da­mals, im Ju­ni 2009, hat­te ein Un­ter­neh­men aus Mem­min­gen ge­klagt. Es ging um Mit­glieds­bei­trä­ge an die In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer Schwa­ben (IHK) mit Sitz in Augs­burg. Es ging um 189,30 Eu­ro. Darf die Kam­mer die Bei­trä­ge er­he­ben? Ist die Pflicht­mit­glied­schaft in dem Ver­band recht­mä­ßig? Das Augs­bur­ger Ver­wal­tungs­ge­richt be­ant­wor­te­te bei­de Fra­gen im Mai 2011, al­so zwei Jahre spä­ter, mit Ja.

Ein En­de der recht­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung war dies je­doch nicht, der Streit ging durch al­le In­stan­zen und lan­de­te schließ­lich vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in Karls­ru­he. Das ent­schied nun: Ge­wer­be­trei­ben­de müs­sen wei­ter­hin als Pflicht­mit­glie­der Be­trä­ge an In­dus­trie­und Han­dels­kam­mern zah­len. In dem am Mitt­woch ver­öf­fent­lich­ten Be­schluss heißt es, die ge­setz­lich be­stimm­te Pflicht­mit­glied­schaft und die Bei­trags­pflicht sei­en „nicht zu be­an­stan­den“, weil die Kam­mern „le­gi­ti­me öf­fent­li­che Auf­ga­ben“er­füll­ten. Be­schwer­de­füh­rer wa­ren in dem Fall der In­ha­ber ei­nes Rei­se­bü­ros aus Kas­sel – und eben die Acker­mann Gm­bH aus Mem­min­gen mit ih­rem Chef Wal­ter Acker­mann. Sie be­trach­ten die Pflicht­mit­glied­schaft als ei­nen Ein­griff in ih­re Grund­rech­te.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt sah zwar Ein­grif­fe in die vom Grund­ge­setz ge­schütz­te „all­ge­mei­ne Hand­lungs­frei­heit“, und zwar so­wohl durch Pflicht­mit­glied­schaft als auch die Bei­trags­er­he­bung. Die Ein­bin­dung der Un­ter­neh­men in die IHK sei je­doch ge­recht­fer­tigt; die Auf­ga­ben der Kam­mern sei­en „le­gi­ti­mer Zweck“für die Pflicht­mit­glied­schaft. Zu den Auf­ga­ben zählt das Ge­richt, die In­ter­es­sen der Ge­wer­be­trei­ben­den zu ver­tre­ten, Prü­fun­gen ab­zu­neh­men und Be­schei­ni­gun­gen zu er­tei­len. Die fi­nan­zi­el­le Be­las­tung der Be­trie­be durch die Mit­glied­schaft wie­ge auch „nicht sehr schwer“. Zu­gleich be­ton­te das Ge­richt den Schutz von Min­der­hei­ten­po­si­tio­nen un­ter den Mit­glie­dern der Kam­mern.

Die IHK Schwa­ben sieht in der Ent­schei­dung des Ge­rich­tes ei­ne Be­stä­ti­gung der „un­ver­zicht­ba­ren Ar­beit“der Kam­mern. Die­se ge­währ­ten bei­spiels­wei­se ein „Höchst­maß an ein­heit­li­chen Aus­bil­dungs­stan­dards“, sag­te Andre­as Kop­ton, Prä­si­dent der IHK Schwa­ben.

Un­ter­neh­mer Wal­ter Acker­mann will in­des wei­ter­kämp­fen. Ei­ne Zwangs­mit­glied­schaft, sag­te er, sei „kein Zei­chen ei­ner De­mo­kra­tie“. Die IHK kas­sie­re „über­höh­te Bei­trä­ge“und brin­ge „kei­ner­lei Ge­gen­leis­tung“. Acker­mann kün­dig­te an, Be­schwer­de beim Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof für Men­schen­rech­te ein­rei­chen zu wol­len.

Fo­to: Ul­rich Wa­gner

Die Zwangs­mit­glied­schaft in der IHK Schwa­ben ist le­gi­tim.

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