Ein schmerz­haf­ter Schlag­ab­tausch

Nik­ki Ad­ler muss ge­gen Clares­sa Shiel­ds har­te Schlä­ge ein­ste­cken und kas­siert die ers­te Nie­der­la­ge ih­rer Pro­fi­lauf­bahn. Die Augs­bur­ge­rin zeigt sich als fai­re Ver­lie­re­rin

Schwabmuenchner Allgemeine - - Sport - VON WOLF­GANG LANGNER Augs­burg

„Ich muss das erst ein­mal sa­cken las­sen. Ich bin mü­de, ka­putt und ent­täuscht“, sag­te Re­ne Frie­se und grü­bel­te auch zwei Ta­ge spä­ter über den Kampf nach. Der Trai­ner von Nik­ki Ad­ler konn­te am gest­ri­gen Sonn­tag noch im­mer nicht ganz be­grei­fen, was da in De­troit pas­siert war. Die sechs­fa­che Welt­meis­te­rin Nik­ki Ad­ler war gut vor­be­rei­tet auf den Kampf ge­gen die zwei­fa­che Olym­pia­sie­ge­rin Clares­sa Shiel­ds, aber dann ging doch al­les schief. Vor über 15 000 Zu­schau­ern hat­te Ad­ler kei­ne Chan­ce und Ring­rich­ter Micha­el Grif­fin brach den Kampf zu­guns­ten von Shiel­ds in der fünf­ten Run­de durch tech­ni­schen K.o. ab. „Das war schon okay. Ich hat­te das Hand­tuch auch schon in der Hand. Ich will ja, dass mei­ne Sport­le­rin ge­sund bleibt und muss sie schüt­zen“, sagt Frie­se.

Als die 30-jäh­ri­ge Augs­bur­ge­rin zum Sound von „Eye of the Ti­ger“in den Ring ge­stie­gen war, mach­te sie ei­nen hoch kon­zen­trier­ten Ein- druck. Doch we­nig spä­ter wur­de es schmerz­haft für sie. Shiel­ds war von Be­ginn an hell­wach und ih­re har­ten, schnel­len Schlä­ge pras­sel­ten von Be­ginn an hef­tig auf Ad­ler ein. In der zwei­ten Run­de mach­te Shiel­ds noch mehr Dampf, Ad­ler ver­such­te, die De­ckung zu hal­ten, konn­te aber nicht ver­hin­dern, dass sie ein­mal ziem­lich in den Sei­len hing. „Bist du noch da?“„Bist du noch an­we­send?“„Willst du auf­hö­ren?“, stell­te Frie­se sei­ner Bo­xe­rin nach der zwei­ten Run­de Fra­gen, wäh­rend die et­was apa­thisch in ih­rer Rin­ge­cke hock­te. Doch Ad­ler schien an die­sem Tag über­for­dert. Hat sie ih­ren Trai­ner ei­gent­lich ge­hört? „Doch, ich ha­be al­les mit­be­kom­men. Aber mein Mo­tor ging nicht an. Es ging über­haupt nichts bei mir. Ich fühl­te mich mü­de“, be­stä­tigt sie ih­ren Coach, der mein­te, sie sei „wie an­ge­wur­zelt“da­ge­stan­den. Shiel­ds wur­de we­der un­ter­schätzt, noch falsch ein­ge­ord­net. „Wir wuss­ten ge­nau, was auf Nik­ki zu­kommt und wuss­ten auch, wie stark sie ist.“Ad­ler be­kam es zu spü­ren. „Durch die Ku­lis­se und ih­re Fans ist sie ein­fach auch noch über sich hin­aus­ge­wach­sen“, meint Ad­ler. Shiel­ds war im Ring wie ei­ne gut ge­öl­te Ma­schi­ne. Es war dann ei­ne re­la­tiv ein­sei­ti­ge An­ge­le­gen­heit, ehe dann Grif­fin dem Kampf ein vor­zei­ti­ges En­de be­rei­te­te. Für Ad­ler war es in ih­rem 17. Pro­fi­kampf die ers­te Nie­der­la­ge. Ei­ne, die rich­tig weh tat. „Ich wuss­te zwar, dass der Tag X ir­gend­wann ein­mal kommt, aber das war schon hart. Ver­daut ha­be ich das noch nicht. Das dau­ert schon ein paar Ta­ge“, sag­te sie ges­tern. Den­noch: Ad­ler zeig­te auch in der Nie­der­la­ge Grö­ße. „Da gibt es nichts zu re­den. Shiel­ds war die bes­se­re Bo­xe­rin und hat ab­so­lut ver­dient ge­won­nen. Das muss man an­er­ken­nen und viel­leicht tut mir die­se Nie­der­la­ge auch ein­mal ganz gut.“Für die Augs­bur­ge­rin geht die Welt nicht un­ter: „Es geht wei­ter. Mit Nie­der­la­gen muss man um­ge­hen kön­nen. Dies­mal hat es mich ge­trof­fen, aber es gibt auch wie­der an­de­re Geg­ne­rin­nen.“Die 22-jäh­ri­ge Shiel­ds war in ih­rer Hei­mat oben­auf und grins­te in sämt­li­che Ka­me­ras: „Ich woll­te nicht, dass es eng wird, ich woll­te klar ge­win­nen.“Der­weil saß Shiel­ds nächs­te Geg­ne­rin Chris­ti­na Ham­mer aus Dort­mund be­reits im Pu­bli­kum. Ham­mer über­reich­te Shiel­ds auch ih­re bei­den WM-Gür­tel. Den der WBC, den sie Ad­ler ab­ge­luchst hat, und den va­kan­ten IBF-Gür­tel. „Ich wer­de Clares­sa be­sie­gen“, tön­te sie da­zu et­was zi­ckig in die Mi­kro­fo­ne, wäh­rend Shiel­ds nur schief lä­chel­te.

Nun, Ame­ri­ka ist im Bo­xen ei­ne an­de­re Welt. Ju­le Schutz, die Ma­na­ge­rin von Nik­ki Ad­ler, war be­geis­tert: „Un­glaub­lich, wie pro­fes­sio­nell die­ser Kampf hier auf­ge­zo­gen wur­de.“Trotz der Nie­der­la­ge von Ad­ler war sie auch stolz: „Wir ha­ben auch et­was be­wegt. Erst­mals wur­de ein Frau­en­box­kampf in Ame­ri­ka live im Fern­se­hen über­tra­gen und Nik­ki hat vie­le Sym­pa­thi­en ge­won­nen.“

Für Ad­ler geht die Welt nicht un­ter

Fo­to: Car­los Oso­rio, dpa

Nik­ki Ad­ler war erst­mals in ih­rer Kar­rie­re über­for­dert. Die Augs­bur­ge­rin kam ge­gen die schnel­le Clares­sa Shiel­ds nicht in die Gän­ge und ver­lor in Ame­ri­ka durch tech­ni­schen K.o. nach fünf Run­den.

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