„Da­mit sie end­lich ein­mal ih­re Klap­pe hält“

Die Bo­xe­rin spricht über ei­ne Per­son, die ihr auf die Ner­ven geht und schil­dert ih­re Ein­drü­cke von Ame­ri­ka

Schwabmuenchner Allgemeine - - Sport Regional - Ad­ler: Ad­ler: Ad­ler: Ad­ler: Ad­ler (lacht): Ad­ler: Ad­ler: Ad­ler:

Ihr rech­tes Au­ge sieht noch ein biss­chen lä­diert aus. Ein An­den­ken von Clares­sa Shiel­ds nach ih­rem Box­kampf in Ame­ri­ka?

Ja klar, sie hat mich schon er­wischt. Aber das ge­hört beim Bo­xen da­zu. Ich ha­be den Kampf klar ver­lo­ren und ich bin na­tür­lich im­mer noch ent­täuscht, aber ich ha­be dar­aus auch Kraft ge­schöpft. Die nächs­ten Ta­ge wer­de ich noch ein biss­chen mei­ne Wun­den le­cken und dann geht es wei­ter. Ich bin ja ein po­si­ti­ver Mensch.

Re­gi­na Hal­mich hat Ih­nen Re­spekt ge­zollt und Sie be­wun­dert, dass Sie sich über­haupt trau­en, ge­gen Shiel­ds zu bo­xen ...

Es freut mich zwar, dass Hal­mich an mich ge­dacht hat, aber das ist na­tür­lich Quatsch. Ich bin Bo­xe­rin und Ame­ri­ka war im­mer ein gro­ßes Ziel von mir. Wenn ich Angst hät­te, wür­de ich mir ei­nen an­de­ren Sport aus­su­chen.

Hat sich die­ses Ziel ge­lohnt?

Na­tür­lich. Ich ha­be et­was er­lebt, das kann mir kein Mensch mehr neh­men. Zum ers­ten Mal gab es dort ei­nen Frau­en­kampf als Haupt­kampf. Er war der Ers­te, der in den USA live im Fern­se­hen über­tra­gen wur­de. Ich ha­be Ein­drü­cke be­kom­men, die wa­ren über­ra­gend.

Zum Bei­spiel ...

Es gab bei die­ser Ver­an­stal­tung sechs Vor­kämp­fe. Ich war die ein­zi­ge Sport­le­rin, die zu­vor im Kronk Gym trai­nie­ren durf­te. Das ist dort ei­ne In­sti­tu­ti­on. Die­ses Stu­dio ge­hör­te dem ver­stor­be­nen ExTrai­ner von Wla­di­mir Klitsch­ko, Ema­nu­el Ste­ward. Dort ha­ben Le­gen­den trai­niert wie Mi­ke Ty­son oder Lenn­ox Le­wis. Die an­de­ren Bo­xer wa­ren ziem­lich nei­disch, dass ich dort trai­nie­ren durf­te. Die Wit­we von Ste­ward führt dort jetzt die­ses Stu­dio. Ich wur­de un­glaub­lich herz­lich emp­fan­gen.

Und dann ka­men Sie am Kampf­tag in ei­ne Hal­le mit knapp 15 000 Fans. Vor so ei­ner Ku­lis­se hat­ten Sie zu­vor ja noch nie ge­boxt ...

Ad­ler: Du kriegst na­tür­lich die­sen Höl­len­lärm mit. Doch man ist auch so kon­zen­triert und geht wie durch ei­nen Tun­nel. Aber das war schon ei­ne sen­sa­tio­nel­le At­mo­sphä­re. Es war schon be­ein­dru­ckend bei der Pres­se­kon­fe­renz. Da wa­ren un­glaub­lich viel Jour­na­lis­ten da. Ich muss­te noch nie so vie­le In­ter­views ge­ben. Aber Bo­xen hat in Ame­ri­ka eben ei­nen an­de­ren Stel­len­wert.

Lähmt das auch beim Bo­xen?

Ad­ler: Nein, das wä­re jetzt ei­ne Aus­re­de. Aber im Nach­hin­ein kann man auf Shiel­ds nei­disch sein. Sie kann sich als Pro­fi­bo­xe­rin voll auf das Bo­xen konzentrieren, ich muss ja noch bei der Post ar­bei­ten. An­de­rer­seits muss ich aber sa­gen, dass ich dort ger­ne ar­bei­te, weil mei­ne Vor­ge­setz­ten und mei­ne Kol­le­gen un­glaub­lich nett sind und mich im­mer un­ter­stüt­zen. Mei­ne Ar­beit wer­de ich auch nie auf­ge­ben.

Ar­bei­ten Sie schon wie­der?

Ad­ler: Auf­grund des Jet­lags ha­be ich noch zwei Ta­ge frei­be­kom­men. Am Mitt­woch tra­ge ich schon wie­der Post aus. Nach­dem ich sechs Wo­chen frei­ge­stellt wor­den bin, muss ich ja ei­ni­ges nach­ar­bei­ten.

Sie wer­den ei­ni­gen Trost von Ih­ren Kun­den be­kom­men ...

Ich wer­de si­cher­lich mal zu Kaf­fee und Ku­chen ein­ge­la­den. Da freue ich mich schon dar­auf. Es war ja über­haupt ein­ma­lig. Ich ha­be von so vie­len Leu­ten ge­hört, dass sie um 4 Uhr früh auf­ge­stan­den sind, nur um im In­ter­net mei­nen Kampf zu se­hen. Das macht mich schon stolz. Mit­be­kom­men ha­be ich das, weil ich un­mit­tel­bar nach dem Kampf rei­hen­wei­se Whats­App und SMS be­kom­men ha­be.

Am Ring saß auch Chris­ti­na Ham­mer aus Dort­mund. Die fünf­fa­che Welt­meis­te­rin im Mit­tel­ge­wicht ist die nächs­te Her­aus­for­de­rin von Clares­sa Shiel­ds. Hat­ten Sie Kon­takt mit ihr?

Nein, mit ihr re­de ich über­haupt nicht.

Das klingt nicht nach Sym­pa­thie ...

Ad­ler: In fast je­dem In­ter­view hetzt sie ge­gen mich. Das hat sie in den USA auch ge­macht. Da­mit kam sie aber nicht gut an. Aber sie braucht halt Auf­merk­sam­keit. Ich bin ge­spannt, ob sie ge­gen Shiel­ds was aus­rich­ten kann. Ich kann es mir nicht vor­stel­len. Aber viel­leicht will sie es ja dann mit mir auf­neh­men. Das wür­de mich freu­en, da­mit sie end­lich ein­mal ih­re Klap­pe hält.

In ei­nem In­ter­view hat sie ein­mal ge­sagt, sie hät­te Nik­ki Ad­ler schon mehr­fach her­aus­ge­for­dert ...

Ad­ler: Ja, wie schon ge­sagt. Da kommt viel Bl­ab­la von ihr.

Al­ler­dings kämpft sie in ei­ner an­de­ren Ge­wichts­klas­se. Sie sind ei­ne Stu­fe hö­her im Su­per­mit­tel­ge­wicht ...

Das ist kein Pro­blem. Für Chris­ti­na Ham­mer neh­me ich auch zwei oder drei Ki­lo ab.

Das klingt nach rich­tig Lust aufs Bo­xen, trotz der kla­ren Nie­der­la­ge?

Jetzt geht es erst rich­tig los. Ich bin auch über­zeugt, dass es nicht mein letz­ter Kampf in Ame­ri­ka war. Da gibt es noch ei­ni­ge gu­te Geg­ne­rin­nen und es rü­cken der­zeit aus dem Ama­teur­la­ger noch vie­le nach.

Fo­to: Ju­le Schutz

Ein fast „hei­li­ges“Box­stu­dio: Nik­ki Ad­ler und ihr Trai­ner Re­ne Frie­se durf­ten in De­troit im Kronk Gym trai­nie­ren.

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