Mit dem Mo­tor­rad durch die gan­ze Welt

Aben­teu­er­lust und Neu­gier­de füh­ren Do­ris Wie­de­mann aus Schwab­mühl­hau­sen auf al­le Kon­ti­nen­te. Sie war als ers­te Frau im Win­ter auf dem Dal­ton High­way un­ter­wegs. War­um die 50-Jäh­ri­ge al­lein reist

Schwabmuenchner Allgemeine - - Region Augsburg - VON AN­NA STAR­KER Lan­ger­rin­gen Augs­bur­ger All­ge­mei­ne Lo­kal­re­dak­ti­on Ma­xi­mi­li­an­stra­ße 3 86150 Augs­burg re­gi­on@augs­bur­ger all­ge­mei ne.de Te­le­fon 0821/ 777 2201. Mehr im In­ter­net

Wenn Do­ris Wie­de­mann von ih­ren Rei­sen zu­rück­kehrt, be­fin­den sich im Ge­päck kei­ne Sou­ve­nirs, son­dern ein Schatz aus un­zäh­li­gen Be­geg­nun­gen, denk­wür­di­gen Er­leb­nis­sen und in­ter­es­san­ten Ein­drü­cken in Hül­le und Fül­le. „Sou­ve­nirs wür­den viel zu viel wie­gen und zu viel Platz weg­neh­men“, sagt die zier­li­che Frau – und lacht. Schließ­lich ist das Ge­päck auf ei­nem Mo­tor­rad sehr be­grenzt. Denn: Die 50-Jäh­ri­ge aus dem Lan­ger­rin­ger Orts­teil Schwab­mühl­hau­sen ist nur auf zwei Rä­dern un­ter­wegs, al­lein mit ih­rer BMW. Oft mo­na­te­lang. Ihr Ruf ist in der Sze­ne mitt­ler­wei­le le­gen­där.

So war Wie­de­mann die ers­te Frau, die den Mut hat­te, den Dal­ton High­way im Win­ter mit dem Mo­tor­rad zu be­fah­ren. Die drei­mo­na­ti­ge Rei­se be­gann bei 25 Grad plus in Flo­ri­da und en­de­te bei 52 Grad mi­nus an der Nord­küs­te Alas­kas, in Prud­hoe Bay. Die­se Rei­se war die ers­te, die sie in Be­glei­tung un­ter­nom­men hat. Sonst ist die Frau al­lein in al­ler Her­ren Län­der un­ter­wegs. In den USA, Aus­tra­li­en, Afri­ka, Russ­land, Chi­na, Ja­pan, der Mon­go­lei. Nur Süd­ame­ri­ka fehlt ihr noch. Da­bei muss sie sich voll und ganz auf ihr Ge­fährt ver­las­sen kön­nen. Sie fährt da­her vor­sich­tig und fahr­zeug­scho­nend. Doch ein­mal kam sich die ge­bür­ti­ge Münch­ne­rin und ge­lern­te Be­triebs­wir­tin vor wie ein „Skla­ven­händ­ler, der sei­nen treu­es­ten Ge­folgs­mann ver­hö­kert“, als sie ein Mo­tor­rad nach mo­na­te­lan­ger Rei­se ver­kau­fen muss­te.

Vie­le Plä­ne macht sie vor ei­nem Auf­bruch nicht, „die Rei­sen ent­ste­hen ein­fach“. Zum Bei­spiel durch ei­ne „Kaf­fee­ein­la­dung nach Süd­ko­rea“, die ein BMW-Mit­ar­bei­ter aus­sprach. Dar­aus wur­de ei­ne Rei­se quer durch Russ­land nach Süd­ko­rea, mit Aus­flug nach Nord­ko­rea, Wei­ter­rei­se nach Ja­pan und schließ­lich ei­ne sechs­mo­na­ti­ge Tour durch Chi­na. Vor der Ab­fahrt macht sich Wie­de­mann nur über Sit­ten und Bräu­che schlau, an­sons­ten fin­det sie zu viel Wis­sen über ein Land nur hin­der­lich für ei­ge­ne Ein­drü­cke.

Bei die­sen „Er-fah­run­gen“sam­melt sie un­zäh­li­ge Ein­drü­cke von frem­den Kul­tu­ren und Le­bens­wei­sen und zwi­schen­mensch­li­chen Be­zie­hun­gen und er­fährt viel über Ar­mut, schwie­ri­ge Si­tua­tio­nen, Strei­tig­kei­ten, aber auch über Freund­schaf­ten, Ver­trau­en. Be­son­ders be­ein­druckt ist Wie­de­mann von der Gast­freund­schaft, mit der sie über­all will­kom­men ge­hei­ßen wird. Ein­hei­mi­sche Fa­mi­li­en bie­ten ihr das ei­ge­ne Zu­hau­se an, an­de­re Mo­tor­rad­fah­rer la­den sie ein. Un­ter dem Schutz des Gast­rechts fühlt sie sich meist si­cher. Dass sie als Frau al­lei­ne auf Rei­sen ist, hat sie bis­her meist als Vor­teil er­lebt: „So kann ich ein biss­chen bei­de Wel­ten, die der Män­ner und der Frau­en, er­le­ben.“Bei pri­va­ten Über­nach­tun­gen in Fa­mi­li­en wird sie in das All­tags­le­ben der Frau­en mit ein­ge­bun­den. Als Fah­re­rin ei­nes schwe­ren Mo­tor­rads ge­schieht es häu­fig, dass sie in die Män­ner­do­mä­ne „Stamm­tisch“ein­drin­gen darf.

Ih­re Be­geg­nun­gen mit an­de­ren Men­schen sieht sie nicht ein­sei­tig: „Für mich ist das ein Ge­ben und Neh­men.“Sie wird als Gast auf­ge­nom­men und re­van­chiert sich da- mit, den Men­schen in ab­ge­schie­dens­ten Dör­fern Neu­es zu brin­gen, auch ein biss­chen En­ter­tai­ner zu sein. „Die Welt zu brin­gen, die ich mit dem Mo­tor­rad er­fah­ren ha­be.“

Das Al­lein­sein sorgt da­für, dass sie sich viel mehr mit Ein­hei­mi­schen oder an­de­ren Rei­sen­den aus­tauscht. „Mit Haut und Haa­ren“lässt sie sich auf das Land und die Leu­te ein.

Ma­chen Sie je­des Jahr ei­ne Etap­pe ei­nes Pil­ger­wegs? Oder su­chen Sie sich als Rei­se­zie­le aus­schließ­lich Welt kul­tur­er­be­stät­ten aus? Sam­meln Sie Al­pen­päs­se mit dem Mo­tor­rad? Oder brin­gen Sie aus je­dem Ur­laub ein ganz be­stimm­tes Fo­to­mo­tiv mit? Wol len Sie in Ih­rem Le­ben al­le Traum stra­ßen der Welt ge­fah­ren sein? Oder ist es gar Ihr Ziel, al­le 8000er Gip­fel zu be­stei­gen? Dann sind Sie hier auf der Seite „Re­gi­on Augs­burg“bei un se­rer Se­rie „Er­leb­nis Samm­ler“rich­tig.

Wir stel­len in die­sen Som­mer­fe­ri­en Auch auf ein Na­vi ver­zich­tet sie lie­ber. Lie­ber fragt sie nach dem Weg, hört auf den Rat von Ein­hei­mi­schen und „re­det“not­falls schon mal mit Hän­den und Fü­ßen...

Ih­re El­tern hät­ten sie in ih­rer Lei­den­schaft nie ge­bremst, sagt die Single­frau, die mit 18 vom Fahr­rad aufs Mo­tor­rad um­ge­stie­gen ist. Auch gro­ße Tou­ren sa­hen die El­tern Men­schen aus der Re­gi­on Augs­burg vor, die in ih­rer Frei­zeit oder ih­rem Ur laub ei­ner ganz be­son­de­ren Sam mel­lei­den­schaft nach­ge­hen: dem Sam meln von Er­in­ne­run­gen.

Ob Sie klei­ne oder gro­ße Er­in­ne­run gen sam­meln oder auch, wenn Sie ei­nen sol­chen „Er­leb­nis Samm­ler“ken­nen – mel­den Sie sich bei uns oder über die E Mail Adres­se

oder un­ter (wer) im­mer ge­las­sen. Bei ih­rer Afri­ka­rei­se 1997/98 gab es nur ein­mal im Mo­nat ein Fax nach Hau­se. Mehr war da­mals tech­nisch nicht drin. „Heu­te, gera­de mal 20 Jah­re spä­ter, könn­te ich mit ei­nem GPS-Tra­cker nicht nur mei­ne El­tern, son­dern die gan­ze Welt je­de Mi­nu­te des Ta­ges wis­sen las­sen, wo ich gera­de bin.“

Und was war ih­re schöns­te Rei­se? Ant­wort: „Je­de hat ih­ren ei­ge­nen Reiz.“Am an­stren­gends­ten sei wohl die Chi­na-Tour 2004/05 ge­we­sen – auf­grund der frem­den Kul­tur, Spra­che, Schrift und auch Denk­wei­se. Ne­ben all der Aben­teu­er­lust und Neu­gier ver­gisst Wie­de­mann aber nie den Spaß am Fah­ren. Und bei all den Va­ria­tio­nen, die sie aus­pro­biert, Renn­stre­cken, Ge­län­de­fahr­ten oder so­gar das Steil­wand­fah­ren in „Pitt’s To­des­wand“auf dem Münch­ner Ok­to­ber­fest sind es die Be­geg­nun­gen mit den Men­schen, die die Fas­zi­na­ti­on für die Aben­teu­re­rin aus­ma­chen. Und sie lässt an­de­re teil­ha­ben: Ih­re Er­leb­nis­se hat sie in Bü­chern ver­öf­fent­licht. Und sie be­rich­tet in Vor­trä­gen.

Sind auch Sie ein Er­leb­nis Samm­ler?

Iwww.do­ris wie­de­mann.de

Fo­to: Wie­de­mann

Welch ein Spa­lier! In Ko­rea ent­stand die­ses Fo­to von Do­ris Wie­de­mann, die seit über 25 Jah­ren als Frau al­lein mit dem Mo­tor­rad un­ter­wegs ist und da­bei vie­le be­ein­dru­cken­de „Er fah­run­gen“ge­macht hat. Die Be­geg­nun­gen mit Men­schen ver­schie­dens­ter Kul­tu­ren ma­chen für sie die Fas­zi­na­ti­on aus.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.