Ge­richt lehnt Kraft­werk im All­gäu ab

Na­tur­schutz an der Os­trach hat Vor­rang

Schwabmuenchner Allgemeine - - Bayern - Augs­burg/Bad Hin­de­lang

Seit Jah­ren strei­ten sich Na­tur­schüt­zer und das Land­rats­amt Ober­all­gäu über ein ge­plan­tes Was­ser­kraft­werk an der Os­trach bei Bad Hin­de­lang-Hin­ter­stein. Ges­tern hat das Augs­bur­ger Ver­wal­tungs­ge­richt den Bau für un­zu­läs­sig er­klärt und die Ge­neh­mi­gung des Pro­jekts durch das Ober­all­gäu­er Land­rats­amt auf­ge­ho­ben. Die Augs­bur­ger Rich­ter ver­wie­sen auf ei­ne Ent­schei­dung des Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs, wo­nach ein Was­ser­kraft­werk an der Ram­sau­er Ache in den Berch­tes­ga­de­ner Al­pen eben­falls nicht zu­läs­sig ist. Dem­nach sei ein über­ge­ord­ne­tes öf­fent­li­ches In­ter­es­se am Bau und Be­trieb ei­ner neu­en Was­ser­kraft­an­la­ge eher zu ver­nei­nen, wenn hier­durch in die Öko­lo­gie ei­nes Ge­wäs­sers er­heb­lich ein­ge­grif­fen wird.

Das Ober­all­gäu­er Land­rats­amt hat­te das Pro­jekt an der Os­trach ge­neh­migt, ob­wohl auch die Be­hör­de von ei­ner Ver­schlech­te­rung des Ge­wäs­ser­zu­stands aus­geht. Das In­ter­es­se am Aus­bau der re­ge­ne­ra­ti­ven Ener­gie sei aber hö­her zu ge­wich­ten. Da­ge­gen hat­ten der Bund Na­tur­schutz (BN) und der Lan­des­bund für Vo­gel­schutz (LBV) ge­klagt. In der gest­ri­gen Ver­hand­lung in Augs­burg hat­ten Ex­per­ten er­klärt, dass das Kraft­werk zahl­rei­che Fi­sche in der Os­trach tö­ten wür­de. Auch der Ver­tre­ter des Was­ser­wirt­schafts­amts äu­ßer­te sich mehr­fach ab­leh­nend über das Vor­ha­ben und wies auf mas­si­ve Fol­gen hin. Das Kraft­werk hät­te nach An­sicht der Geg­ner mas­siv das Na­tur­denk­mal Ei­sen­bre­che be­ein­träch­tigt. Das ist ei­ne tie­fe Fels­schlucht, durch die die Os­trach fließt. Für das Kraft­werk wä­re der Wild­fluss auf ei­ner Län­ge von 90 Me­tern durch ei­ne fünf Me­ter ho­he Mau­er auf­ge­staut wor­den. Zu­dem hät­te ei­ne 1,3 Ki­lo­me­ter lan­ge Rohr­druck­lei­tung ge­baut wer­den müs­sen.

In ei­ner ers­ten Re­ak­ti­on nann­te der Ober­all­gäu­er Land­rat An­ton Klotz (CSU) das Ur­teil ei­ne „Nie­der­la­ge für den Kli­ma­schutz“. Das Was­ser­kraft­werk wä­re nach sei­nen Wor­ten „ei­ne Chan­ce ge­we­sen, ein gan­zes Tal re­ge­ne­ra­tiv zu ver­sor­gen“. Er­leich­te­rung herrsch­te da­ge­gen bei den Na­tur­schüt­zern. „Wir be­grü­ßen die Ent­schei­dung des Ge­richts, dass Was­ser­kraft nicht au­to­ma­tisch Vor­rang ge­gen­über Na­turund Land­schafts­schutz ge­nießt“, er­klär­te Nor­bert Sch­äf­fer, Vor­sit­zen­der des LBV.

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