Sie kämp­fen und sie rech­nen

Par­tei­ta­ge in Berlin: FDP und Grü­ne wol­len die Wäh­ler mo­bi­li­sie­ren

Schwaebische Zeitung (Bad Saulgau) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Sa­bi­ne Lenn­artz

BERLIN - Ei­ne Wo­che vor der Bun­des­tags­wahl kom­men in Berlin am Wo­che­n­en­de Grü­ne und FDP zu Par­tei­ta­gen zu­sam­men. In Neu­kölln tref­fen sich die Li­be­ra­len, um sich noch ein­mal von ih­rem Vor­sit­zen­den Chris­ti­an Lind­ner auf die Wahl ein­schwö­ren zu las­sen. Die Grü­nen tref­fen sich in Schö­ne­berg, Haupt­red­ner sind hier die bei­den Spit­zen­kan­di­da­ten Ka­trin Gö­ring-Eckardt und Cem Öz­de­mir. Bei­de Par­tei­en wett­ei­fern im Kampf um Platz drei bei der Bun­des­tags­wahl.

Laut neu­es­tem Po­lit­ba­ro­me­ter der For­schungs­grup­pe Wah­len lie­gen FDP und AfD gleich­auf bei zehn Pro­zent, Grü­ne und Lin­ke bei neun Pro­zent. Die Li­be­ra­len, die bei der letz­ten Bun­des­tags­wahl die Fünf­Pro­zent-Hür­de ver­fehl­ten, kön­nen zur­zeit laut Um­fra­gen al­so auf ei­ne Ver­dop­pe­lung hof­fen, vor al­lem aber auf ih­re si­che­re Rück­kehr in den Bun­des­tag. Dies wird vor al­lem Chris­ti­an Lind­ner hoch an­ge­rech­net.

Lind­ner hofft auf Schwarz-Gelb

Die Grü­nen, die bei der letz­ten Bun­des­tags­wahl 8,4 Pro­zent er­reich­ten, wür­den sich laut Um­fra­gen zur­zeit wenn über­haupt, dann nur leicht ver­bes­sern. Sie ge­hen des­halb ver­stärkt in die Of­fen­si­ve. Grü­nen-Chef Cem Öz­de­mir hat un­ge­wohnt klar in ei­nem In­ter­view der „Ber­li­ner Zei­tung“er­klärt, dass er auf ei­ne grü­ne Re­gie­rungs­be­tei­li­gung oh­ne FDP hin­ar­bei­te. Nach­dem ei­ne Mehr­heit für ein Rot-Rot-Grü­nes Bünd­nis nicht mehr zu er­rei­chen scheint, zei­gen die Grü­nen sich zu­neh­mend auf­ge­schlos­sen ge­gen­über der Uni­on. Doch auch für Schwarz-Grün wür­de es nach der­zei­ti­gen Um­fra­gen (Uni­on 36, Grü­ne neun Pro­zent) nicht rei­chen. Ei­ne so­ge­nann­te Ja­mai­ka-Ko­ali­ti­on (Schwarz-Gelb-Grün) schließt Cem Öz­de­mir zwar nicht ka­te­go­risch aus, er sagt je­doch: „Ich se­he nicht, wie wir mit der FDP zu­sam­men­kom­men sol­len.“

FDP-Chef Chris­ti­an Lind­ner hofft wei­ter­hin, dass es für Schwarz-Gelb al­lei­ne reicht. Die Grü­nen hät­ten sich von Ja­mai­ka längst mit Ma­xi­mal­for­de­run­gen ver­ab­schie­det, so Lind­ner im „Spie­gel". Ihm feh­le die Fan­ta­sie für ein sol­ches Bünd­nis. Er weist auf star­ke Un­ter­schie­de zu den Grü­nen in der Flücht­lings­po­li­tik hin, die Grü­nen wie­der­um hal­ten es we­gen des Kli­ma­schut­zes für sehr schwer, mit der FDP zu ko­alie­ren. Die FDP, die in Nord­rhein-West­fa­len 2006 in Op­po­si­ti­ons­zei­ten ei­nen Koh­le­aus­stieg bis 2012 for­der­te, sagt heu­te, man kön­ne nicht gleich­zei­tig aus der Atom­ener­gie und der Koh­le­ener­gie aus­stei­gen.

Die Grü­nen set­zen im Schluss­spurt des Wahl­kampfs auch auf Stim­men aus dem SPD-La­ger, in dem vie­le die Hoff­nung auf den Platz eins ab­ge­schrie­ben ha­ben und ei­ner Gro­ßen Ko­ali­ti­on über­drüs­sig sind.

FO­TO: DPA

Chris­ti­an Lind­ner, Bun­des­vor­sit­zen­der der FDP.

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