Wohn­kos­ten bei Hartz IV be­grenzt

Frau aus Ba­den-Würt­tem­berg schei­tert mit Kla­ge vor Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt

Schwaebische Zeitung (Bad Saulgau) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND -

KARLSRUHE (dpa) - Hartz-IV-Emp­fän­ger ha­ben nach ei­ner Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts kei­nen An­spruch auf Über­nah­me ih­rer Miet­und Heiz­kos­ten in un­be­grenz­ter Hö­he. Die Be­schrän­kung des So­zi­al­ge­setz­buchs auf „an­ge­mes­se­ne“Auf­wen­dun­gen sei mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar, ent­schied die 2. Kam­mer des Ers­ten Se­nats. Der Ge­setz­ge­ber dür­fe die Kos­ten­über­nah­me be­gren­zen, teil­te das Ge­richt am Di­ens­tag zu Be­schlüs­sen vom 6. und 10. Ok­to­ber mit.

Die Be­schwer­de kam von ei­ner Frau aus Ba­den-Würt­tem­berg, die Leis­tun­gen zur Si­che­rung des Le­bens­un­ter­halts be­zieht. Das Job­cen­ter hat­te die Miet- und Heiz­kos­ten für ih­re 77 Qua­drat­me­ter gro­ße Woh­nung zu­nächst ganz, seit 2008 aber nur noch teil­wei­se über­nom­men. Zu­letzt be­trug die Mie­te plus Ne­ben­kos­ten 706 Eu­ro mo­nat­lich. Sie klag­te auf voll­stän­di­ge Kos­ten­über­nah­me und schei­ter­te da­mit vor dem So­zi­al­ge­richt. Be­ru­fung und Re­vi­si­on blie­ben er­folg­los. Au­ßer­dem wies die Kam­mer zwei Vor­la­gen des So­zi­al­ge­richts Mainz als un­zu­läs­sig zu­rück, das die Re­ge­lun­gen zu den Kos­ten der Un­ter­kunft und Hei­zung für ver­fas­sungs­wid­rig hält.

Mit der Re­ge­lung des So­zi­al­ge­setz­buchs II (Pa­ra­graf 22 Ab­satz 1 Satz 1) be­steht nach An­ga­ben der Ver­fas­sungs­rich­ter ein kon­kre­ter ge­setz­li­cher An­spruch zur Er­fül­lung des Grund­rechts auf ein men­schen­wür­di­ges Exis­tenz­mi­ni­mum. Da­mit ha­be der Ge­setz­ge­ber sei­ne Pflicht er­füllt. Dar­aus folgt, dass die Be­trof­fe­nen in sol­chen Fäl­len ei­ne güns­ti­ge­re Woh­nung su­chen oder – wenn er­laubt – ei­nen Un­ter­mie­ter auf­neh­men müs­sen.

Was an­ge­mes­se­ne Auf­wen­dun­gen für die Mie­te sind, wird re­gio­nal fest­ge­legt. Für den Land­kreis Tü­bin­gen in Ba­den-Würt­tem­berg et­wa gel­ten nach Vor­ga­be des Job­cen­ters 45 Qua­drat­me­ter für ei­ne Per­son und 360 Eu­ro Mie­te im Mo­nat als an­ge­mes­sen. In der Uni­ver­si­täts­stadt Tü­bin­gen sind es 415 Eu­ro. Für je­de wei­te­re Per­son kom­men 15 Qua­drat­me­ter und im Land­kreis 80 Eu­ro Mie­te hin­zu, in der Stadt 90 Eu­ro. Da­zu kom­men Be­triebs- und Heiz­kos­ten.

860 000 oh­ne Woh­nung

Die Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft Woh­nungs­lo­sen­hil­fe warn­te am Di­ens­tag vor ei­nem deut­li­chen An­stieg der Woh­nungs­lo­sen in Deutsch­land. Bis 2018 könn­ten 1,2 Mil­lio­nen oh­ne fes­te Un­ter­kunft sein. Nach ei­ner neu­en Schät­zung lag die Zahl der Men­schen oh­ne Woh­nung 2016 be­reits bei rund 860 000. Das sei ein An­stieg seit 2014 um rund 150 Pro­zent. Ur­sa­chen sind nach An­ga­ben des Ver­ban­des der schrump­fen­de Be­stand an So­zi­al­woh­nun­gen und stei­gen­de Mie­ten.

FO­TO: DPA

Job­cen­ter müs­sen gro­ße Woh­nun­gen nicht fi­nan­zie­ren.

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