Grund­schul­leh­rer for­dern mehr Geld

GEW spricht Un­ge­rech­tig­keit an – Lehrer­man­gel ist Pro­blem.

Schwaebische Zeitung (Bad Waldsee / Aulendorf) - - ERSTE SEITE - Von Wolf­gang Hey­er

BAD WALD­SEE - „Auch wir in Ober­schwa­ben wol­len A13 ha­ben“, mit die­sem Pro­test­ruf ha­ben am Di­ens­tag rund 40 Grund­schul­leh­rer auf ih­re im Ver­gleich mit Gym­na­si­al­leh­rern un­be­frie­di­gen­de Ge­halts­si­tua­ti­on auf­merk­sam ge­macht. In­iti­iert wur­de die Ak­ti­on in Reu­te-Gais­beu­ren vom Kreis­ver­band Ra­vens­burg/Bo­den­see­kreis der Ge­werk­schaft Er­zie­hung und Wis­sen­schaft (GEW).

„JA13“lau­tet das bun­des­wei­te Ak­ti­ons­mot­to der GEW, das ein hö­he­res Be­am­ten­ge­halt für Grund­schul­leh­rer und teil­wei­se auch Haupt­schul­leh­rer for­dert. „Wer klei­ne Kin­der un­ter­rich­tet, be­kommt auch nur ein klei­nes Ge­halt. Das ist in­ak­zep­ta­bel“, be­rich­tet GEW-Lan­des­vor­sit­zen­de Do­ro Mo­ritz im Pres­se­ge­spräch. Ex­em­pla­risch weist Kreis­ver­bands­spre­cher Tho­mas Reck die ver­be­am­te­ten Ein­stiegs­ge­häl­ter nach A12 und A13 aus. So ver­dient ei­ne Grund­schul-Lehr­kraft (A12) rund 3460 Eu­ro, ein Leh­rer mit A 13 hin­ge­gen rund 4060 Eu­ro brut­to mo­nat­lich. Vor dem Hin­ter­grund der zu­meist weib­li­chen Grund­schul­leh­rer nennt Mo­ritz das ei­ne „struk­tu­rel­le Dis­kri­mi­nie­rung der Frau­en“und er­gänzt: „Die Ar­beit der Grund­schul­leh­re­rin­nen ist nicht we­ni­ger wert und auch nicht we­ni­ger wich­tig.“

Mit der Ge­halts­an­pas­sung soll der Be­ruf des Grund­schul­leh­rers auf­ge­wer­tet wer­den. Als Schlag­wor­te nen­nen die GEW-Ver­ant­wort­li­chen hier­bei At­trak­ti­vi­täts­stei­ge­rung des Jobs, Wert­schät­zung der Ar­beit und Lohn­ge­rech­tig­keit. Dem Lehrer­man­gel an der Grund­schu­le sol­le da­durch ent­ge­gen­ge­wirkt wer­den. Und die­ser Lehrer­man­gel nimmt dra­ma­ti­sche Aus­ma­ße an, wie Bernd Di­eng, der für die Leh­rer­aus­bil­dung am Se­mi­nar in Meckenbeuren ver­ant­wort­lich ist, er­klärt: „Von ins­ge­samt 1580 Grund­schul­stel­len in Ba­den-Würt­tem­berg konn­ten jetzt 500 Stel­len nicht be­setzt wer­den. Das stellt ein Di­lem­ma dar, das auf dem Rü­cken der Leh­rer aus­ge­tra­gen wird.“Die Fol­ge: Fort­bil­dun­gen könn­ten nicht in An­spruch ge­nom­men und für er­krank­te Leh­rer kein Er­satz ge­fun­den wer­den, die Klas­sen wür­den wie­der grö­ßer, und Un­ter­richt fällt er­satz­los aus.

Da­bei sei­en spe­zi­ell die Grund­schul­leh­rer ge­for­dert wie nie. Die He­te­ro­ge­ni­tät der Schü­ler­schaft und die In­klu­si­on wür­den die Lehr­kräf­te vor gro­ße Her­aus­for­de­run­gen stel­len, die sich in zu nied­ri­gen Ge­häl­tern wi­der­spie­geln. Gleich­wohl, so räumt Di­eng ein, ste­hen die Grund­schul­leh­rer im eu­ro­päi­schen Ver­gleich gut da – aber eben im Ver­gleich zu den wei­ter­füh­ren­den Lehr­kräf­ten im In­land nicht. Durch­schnitt­lich ver­die­nen die Grund­schul-Päd­ago­gen 370 bis 450 Eu­ro we­ni­ger als ih­re Kol­le­gen mit A13.

Mit der For­de­rung nach mehr Ge­halt wird bei der GEW gleich­zei­tig der Ruf nach ei­ner län­ge­ren Stu­di­en­dau­er laut. Bis­lang müs­sen Grund­schul­leh­rer acht Se­mes­ter stu­die­ren, Lehr­kräf­te für wei­ter­füh­ren­de Schu­len ler­nen zehn Se­mes­ter lang. „Wenn al­le zehn Se­mes­ter lang stu­die­ren, kann das von der Lan­des­re­gie­rung nicht mehr als Recht­fer­ti­gung her­an­ge­zo­gen wer­den, dass man den Grund­schul­leh­rern we­ni­ger zahlt“, führt Mo­ritz ei­nen Grund auf. Ein wei­te­res Ar­gu­ment, das für ei­ne län­ge­re Stu­di­en­dau­er spre­che, sieht Di­eng in ei­ner Er­hö­hung der Haupt­fä­cher von zwei auf drei. Ne­ben Deutsch oder Ma­the­ma­tik könn­te der Fo­kus auf Sport, Mu­sik oder Kunst ge­legt wer­den. „Die­se äs­the­ti­schen, mu­si­schen und be­we­gungs­er­zie­he­ri­schen Fä­cher sind in der Grund­schu­le be­son­ders wich­tig, lau­fen aber Ge­fahr, nach hin­ten run­ter­zu­fal­len – weil es Man­gel­fä­cher sind.“Das be­stä­tigt Mo­ritz, die die Per­sön­lich­keits­bil­dung der Schü­ler am Schul­an­fang her­vor­hebt und den Mehr­wert bei­spiels­wei­se ei­ner Thea­ter-AG be­tont. „Auf den An­fang kommt es an“, ist un­ter an­de­rem auf den Pla­ka­ten der pro­tes­tie­ren­den Leh­rer zu le­sen. „In­ter­na­tio­nal ist die­ser Ge­dan­ke an­ge­kom­men, bei uns lei­der noch nicht“, sagt Di­eng und schüt­telt ver­ständ­nis­los den Kopf.

Die For­de­rung nach der A13-Be­zah­lung gilt laut Mo­ritz zu­dem für ei­nen Teil der Haupt­schul­leh­rer. Den­je­ni­gen Haupt­schul­leh­rern, die ak­tu­ell noch an ih­rer Haupt­schu­le sind und nicht wech­seln, ver­wei­ge­re die Lan­des­re­gie­rung strikt die Hö­her­stu­fung. Für Reck völ­lig un­ver­ständ­lich und nicht nach­voll­zieh­bar.

FO­TO: WOLF­GANG HEY­ER

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Rund 40 Grund­schul­leh­rer sind am Di­ens­tag zur Pro­test­ak­ti­on in Gais­beu­ren zu­sam­men­ge­kom­men.

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