Un­ent­schie­den in letz­ter Mi­nu­te

Vier Ta­ge nach tor­lo­sem Re­mis in En­g­land er­weist sich Frank­reich als stär­ke­rer Geg­ner

Schwaebische Zeitung (Bad Waldsee / Aulendorf) - - ERSTE SEITE -

KÖLN (dpa) - Die deut­sche Na­tio­nal­mann­schaft hat das Län­der­spiel­jahr 2017 mit ei­nem Re­mis be­en­det und bleibt da­mit seit Ju­li 2016 in 21 Par­ti­en un­ge­schla­gen. Nach zwei­ma­li­gem Rück­stand er­kämpf­te das Team von Bun­des­trai­ner Joa­chim Löw am Di­ens­tag­abend ge­gen Frank­reich in Köln noch ein 2:2 (0:1). Der Mön­chen­glad­ba­cher Lars St­indl be­wahr­te den Welt­meis­ter mit dem Tref­fer in der Nach­spiel­zeit vor der dro­hen­den Nie­der­la­ge.

KÖLN (SID) - Jo­ker Lars St­indl hat zum Ab­schluss ei­nes gran­dio­sen Län­der­spiel­jah­res die stol­ze Se­rie der deut­schen Welt­meis­ter ge­ret­tet. Mit ei­nem Rechts­schuss qua­si mit dem Schluss­pfiff be­wahr­te der Mön­chen­glad­ba­cher die Mann­schaft von Bun­des­trai­ner Joa­chim Löw beim 2:2 (0:1) im WM-Här­te­test ge­gen Frank­reich vor der ers­ten Nie­der­la­ge nach 20 Spie­len. Zu­letzt hat die deut­sche Na­tio­nal­mann­schaft im EM-Halb­fi­na­le ver­lo­ren – ge­gen die Fran­zo­sen (0:2). „Wir ha­ben nie auf­ge­steckt und sind am En­de be­lohnt wor­den. 2017 war so­mit rund­her­um ein ge­lun­ge­nes Jahr für den DFB“, so Match­win­ner St­indl.

Beim Come­back des WM-Hel­den Ma­rio Göt­ze hat­te Alex­and­re La­ca­zet­te (33./71.) zwei­mal für die tech­nisch ex­zel­len­ten Gäs­te in Köln ge­trof­fen. Die Welt­meis­ter hin­ge­gen spiel­ten lan­ge sta­tisch, zö­ger­lich und mit we­nig Es­prit – bis Werner das 1:1 er­ziel­te (56.). To­ni Kroos setz­te ei­nen Frei­stoß an die Un­ter­kan­te der Qu­er­lat­te (70.), Se­kun­den spä­ter fiel das 1:2. St­indl kon­ter­te in der drit­ten Mi­nu­te der Nach­spiel­zeit.

„Das Er­geb­nis geht in Ord­nung. In der zwei­ten Halb­zeit ha­ben wir her­aus­ra­gend ge­spielt und be­kom­men dann das 1:2. Den Aus­gleich ha­ben wir uns noch ver­dient“, sag­te Ka­pi­tän Sa­mi Khe­di­ra in der ARD: „Die Er­kennt­nis war sehr po­si­tiv, weil wir trotz zwei­er Rück­stän­de Moral be­wie­sen ha­ben.“Po­si­tiv in Er­in­ne­rung blei­ben wird Göt­zes Rück­kehr. Der Sieg­tor­schüt­ze im WM-Fi­na­le 2014 wur­de nach gut ei­ner St­un­de für Il­kay Gün­do­gan ein­ge­wech­selt, der Dort­mun­der ab­sol­vier­te so­mit sein ers­tes Län­der­spiel seit ei­nem Jahr. Lan­ge hat­te er we­gen ei­ner Stoff­wech­sel­er­kran­kung ge­fehlt.

Löw hat­te beim 0:0 in En­g­land am Frei­tag das Blitz­ar­ti­ge im Um­schalt­spiel ver­misst. Er ver­schrieb sei­ner Mann­schaft, das schleu­nigst „wie­der ein­zu­schlei­fen“, um in Russ­land Geg­ner der Welt­klas­se ins Wan­ken brin­gen zu kön­nen.

Im Tor tes­te­te Löw Frank­reichKen­ner Ke­vin Trapp (Pa­ris Sain­tGer­main). Jos­hua Kim­mich war erst­mals seit Mit­te 2016 nicht da­bei. Das deut­sche Spiel soll­ten wie­der Kroos und Khe­di­ra auf­zie­hen, die Löw in Lon­don ge­schont hat­te. Das wirk­te sich an­fangs po­si­tiv aus. Im deut­schen Spiel war das Zen­trum dicht, auch weil Gün­do­gan weit in die Mit­te zog und so­mit die rech­te An­griffs­sei­te ent­blöß­te. In der Spit­ze bei Werner ka­men die Bäl­le meist erst gar nicht an. Frank­reich zwang die deut­sche Mann­schaft mit Pres­sing und klu­gem Ver­schie­ben zu et­li­chen Quer- und Rück­päs­sen, der von Löw en­er­gisch ein­ge­for­der­te Über­fall­fuß­ball blieb zu­nächst aus. Das ge­fäl­li­ge Spiel der tech­nisch ex­zel­len­ten Fran­zo­sen, un­ter an­de­rem an­ge­trie­ben von Bay­ern Mün­chens Re­kord­ein­kauf Co­ren­tin To­lis­so, war zu­dem auf das Su­per­ta­lent Ky­li­an Mbap­pe zu­ge­schnit­ten.

Nach dem Rück­stand wirk­te Löw nach­denk­lich, sei­ne Mann­schaft wur­de kaum noch ge­fähr­lich, bis Werner von Özil wun­der­bar steil ge­schickt wur­de und Tor­hü­ter Ste­ve Mand­an­da tun­nel­te. Da­nach hat­te Deutsch­land deut­lich mehr Zug zum Tor, doch Frank­reich schlug bei ei­nem Kon­ter kalt zu. St­indl ret­te­te die Bi­lanz der DFB-Elf qua­si mit dem Schluss­pfiff. Löw ent­lässt sei­ne Na­tio­nal­spie­ler nun in ei­ne vier­mo­na­ti­ge Pha­se oh­ne Länderspiele, mit ei­nem kla­ren Auf­trag: Je­der muss mehr tun, al­les ge­ben, um auf höchst­mög­li­chem kör­per­li­chen und men­ta­len Ni­veau in die WM-Vor­be­rei­tung star­ten zu kön­nen.

FO­TO: IMAGO

Dop­pel­tor­schüt­ze Alex­an­der La­ca­zet­te (Mit­te) stell­te die deut­sche Ab­wehr vor ei­ni­ge Pro­ble­me.

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