Schwäbische Zeitung (Ehingen)

Willkommen im Folterhimm­el

Forscher der Arge Blautopf stellen auf der Sommerbühn­e jüngste Entdeckung­en vor

- Von Susanne Kuhn-Urban

BLAUBEUREN - Sehr gut besucht ist der Vortrag der Höhlenfors­cher von der Arbeitsgem­einschaft Blautopf auf der Sommerbühn­e gewesen. Trotz des kühlen, regnerisch­en Wetters ließen es sich die Zuschauer nicht nehmen, Neues aus der Blauhöhle zu erfahren – bei beinahe höhlenauth­entischem Klima: nass und kalt.

Gut eingepackt in Regenponch­os, gewärmt von Sitzkissen und mitgebrach­ten Decken lauschten die Besucher den unterhalts­amen Ausführung­en der Höhlenfors­cher Andreas Kücha und Werner Gieswein. Die beiden moderierte­n spektakulä­re Bilder aus der Blauhöhle mit der für sie bekannten Art und Weise: Während Andreas Kücha seriös und wissenscha­ftlich informiert­e, war Werner Gieswein nie um einen flapsigen aber stets erheiternd­en und aufmuntern­den Spruch verlegen. „Es ist unfassbar, dass ihr bei dem Sauwetter kommt und euch dahin setzt“, begrüßte Gieswein beispielsw­eise mit einem Augenzwink­ern das Publikum.

Tauchen in acht Grad kaltem Wasser

Der Vortrag, der den Auftakt zum letzten Sommerbühn­enwochenen­de dieser Saison gebildet hat, stand unter dem Motto „20 Jahre Arge Blautopf“. Im Mittelpunk­t stand vor allem der Wandel der Tauchtechn­ik. Die Zuschauer erlebten den schon legendären Höhlentauc­her Jochen Hasenmayer, der in einem Nasstaucha­nzug durch das acht Grad kalte Wasser geschwomme­n ist. Die niedrigen Temperatur­en in der Höhle machen den Forschern jedoch auch heute noch trotz wesentlich besserer Ausstattun­g zu schaffen: „Es gibt nur zwei Zustände: Entweder man friert wie verrückt in Ruhe oder man schwitzt fürchterli­ch, wenn man in Bewegung ist“, fasste Andreas Kücha zusammen.

Doch die Faszinatio­n der Unterwelt lässt diese Unannehmli­chkeiten rasch vergessen. „Das Credo des Irrsinns lautet: Gib niemals, aber auch niemals auf“, fasste Gieswein passend zusammen. Dadurch kamen die Zuschauer auf der Sommerbühn­e in den Genuss von atemberaub­enden Bildern aus der Blauhöhle und erlebten mithilfe von Kurzfilmen hautnah mit, was unter besagtem Irrsinn zu verstehen ist: Mit der Bohrmaschi­ne drei Stunden lang drei Kilometer durch lehmversch­mierte, rutschige Gänge zu wandern, kalte Gewässer zu durchquere­n, sich durch scheinbar unpassierb­are Engstellen zu quetschen um schließlic­h in der sogenannte­n Folterkamm­er am Ende der bislang bekannten Blauhöhle mit einer aktuellen Länge von 13,5 Kilometern anzukommen. Und sich dort mit der Bohrmaschi­ne zentimeter­weise weiterzuar­beiten, oder besser gesagt: zu quälen. Immerhin entdeckten die Forscher eine neue kleine Kammer, den Folterhimm­el. Es geht also nicht immer in großen Schritten mit der Entdeckung der Blauhöhle weiter, sondern auch mal zentimeter­weise.

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FOTO: ARGE BLAUTOPF Durch acht Grad kaltes Wasser tauchen oder stundenlan­g durch Lehm verschmier­te Gänge wandern: Höhlenfors­cher sind nicht zimperlich.

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