Flix­bus fährt bald auch in den USA

Ex-Start-up Flix­bus be­herrscht den deut­schen Fern­bus­markt – und will wei­ter ex­pan­die­ren

Schwaebische Zeitung (Laupheim) - - ERSTE SEITE - Von Wolfgang Mul­ke

MÜN­CHEN (wmu) - Der vor fünf Jah­ren ge­grün­de­te Fern­bus­an­bie­ter Flix­bus in­ten­si­viert sei­ne Ex­pan­si­on in Sü­d­eu­ro­pa und den Ver­ei­nig­ten Staa­ten. Zur­zeit baut das Un­ter­neh­men in Frank­reich und Ita­li­en neue Ver­bin­dun­gen auf. „Dort dür­fen wir nicht schei­tern“, sagt An­dré Schwämm­lein, Ge­schäfts­füh­rer und Grün­der des deut­schen Markt­füh­rers, der „Schwä­bi­schen Zei­tung“. Auf dem US-Markt will Flix­bus noch in die­sem Halb­jahr star­ten, zu­nächst mit 50 Bus­sen an der West­küs­te.

MÜN­CHEN - Auf der Eu­ro­pa­kar­te auf dem Mo­ni­tor zei­gen klei­ne ro­te Sym­bo­le, wo ge­ra­de ein Bus fährt oder Staus für Ver­zö­ge­run­gen sor­gen. Es sind vie­le Zei­chen, die sich durch Deutsch­land, Frank­reich oder auch Spa­ni­en be­we­gen. Sie zei­gen die Prä­senz der grü­nen Flix­bus­se in fast ganz Eu­ro­pa. Täg­lich bie­ten die Münch­ner 200 000 Ver­bin­dun­gen zu 1200 Ziel­or­ten in 26 Län­dern an. Am Mo­ni­tor wer­den die Fahr­ten ver­folgt und ge­ge­be­nen­falls auch um­ge­lei­tet. Bus­fah­ren ist mit dem Un­ter­neh­men di­gi­tal ge­wor­den.

Das war auch Ziel von An­dré Schwämm­lein, der das Un­ter­neh­men ge­mein­sam mit zwei wei­te­ren Grün­dern vor ge­nau fünf Jah­ren aus der Tau­fe hob. „Wir ha­ben ei­ne Ge­le­gen­heit ge­sucht, mit ei­nem her­kömm­li­chen Ge­schäft, das Men­schen be­wegt, ei­nen gro­ßen Sprung zu ma­chen“, sagt er. Das ist dem Trio auch in au­ßer­ge­wöhn­li­chem Tem­po mit Fern­bus­rei­sen ge­lun­gen. Der Markt wur­de erst An­fang 2013 für al­le An­bie­ter frei­ge­ge­ben. Mit Kampf­prei­sen, fi­nanz­kräf­ti­gen In­ves­to­ren im Hin­ter­grund und ei­nem cle­ve­ren Ge­schäfts­mo­dell hat Flix­bus es in der kur­zen Zeit vom Ein­stei­ger zum Fast-Mo­no­po­lis­ten ge­bracht. Die Kon­kur­ren­ten ga­ben nach und nach auf oder wur­den von Flix­bus über­nom­men. Un­ter den Op­fern fin­den sich klang­vol­le Na­men wie die der Post, der Bahn oder des ADAC.

„Die Wett­be­wer­ber kann­ten nur die ana­lo­ge Welt“, er­läu­tert Schwämm­lein. Da­ge­gen be­steht das Ge­schäfts­mo­dell von Flix­bus vor al­lem aus Bits und By­tes. Die Ti­ckets wer­den on­li­ne ge­bucht. Aus den Da­ten der Nach­fra­ge zieht das Un­ter­neh­men Schlüs­se für das An­ge­bot an Fahr­ten und die Preis­ge­stal­tung. Frei­es WLAN in den Bus­sen so­wie güns­ti­ge Ti­cket­prei­se lock­ten schnell ein jun­ges Ziel­pu­bli­kum an. Die mitt­ler­wei­le 1000 Be­schäf­tig­ten küm­mern sich um al­les rund um die Fahr­ten, nicht je­doch um den Bus­be­trieb selbst. Den über­neh­men selb­stän­di­ge Bus­un­ter­neh­mer. Nach ei­ge­nen An­ga­ben wur­den seit der Grün­dung mehr als 100 Mil­lio­nen Kun­den mit den grü­nen Bus­sen ans Ziel ge­bracht.

Ge­schäfts­zah­len nennt Schwämm­lein grund­sätz­lich nicht. We­der der Um­satz noch Ge­win­ne oder Ver­lus­te wer­den pu­bli­ziert. Aber er ver­si­chert, dass mitt­ler­wei­le schwar­ze Zah­len im nor­ma­len Ge­schäft in der Bi­lanz ste­hen. Wie viel der an­ge­peil­te Sie­ges­zug in Eu­ro­pa kos­tet, ver­schweigt er. Für die Fi­nan­zie­rung sor­gen In­ves­to­ren­grup­pen wie Ge­ne­ral At­lan­tic oder Sil­ver La­ke aus den USA oder Holz­brinck aus Deutsch­land.

Frag­los hat Flix­bus den Markt für Fern­rei­sen auf­ge­mischt. Den Wett­be­werb be­kam vor al­lem die Deut­sche Bahn schmerz­lich zu spü­ren. De­ren Vor­stand nahm die neue Kon­kur­renz an­fangs nicht ernst und ver­lor Mil­lio­nen­um­sät­ze an die Bu­s­an­bie­ter. Schließ­lich knick­te der Bran­chen­rie­se ein und ging mit Bil­lig­an­ge­bo­ten zum Ge­gen­an­griff über. Mit dem Aus für die meis­ten Bu­s­an­bie­ter ging der Dum­ping­wett­be­werb zu En­de. Heu­te re­spek­tie­ren sich die bei­den Qua­si-Mo­no­po­lis­ten. „Für Rei­sen­de mit gro­ßem Zeit­bud­get und klei­nem Preis­bud­get ist der Fern­bus ei­ne gu­te Al­ter­na­ti­ve“, räumt ein Bahn­spre­cher ein. Mit schnel­le­ren Zü­gen und mehr Kom­fort will die Bahn da­ge­gen­hal­ten.

Zu­frie­den sind nach An­ga­ben des Bun­des­ver­bands Deut­scher Om­ni­bus­un­ter­neh­mer (BDO) auch die Su­b­un­ter­neh­mer, die für den Trans­port der Kun­den sor­gen. „Schät­zun­gen ge­hen da­von aus, dass der Fern­bus­markt für den Mit­tel­stand im Bus­ge­wer­be ei­nen zu­sätz­li­chen Um­satz von meh­re­ren Hun­dert Mil­lio­nen Eu­ro ge­bracht hat“, sagt BDO-Spre­cher Chris­ti­an Wahl. Bei­de Sei­ten wür­den si­cher zu­sam­men­ar­bei­ten, weil die Ko­ope­ra­ti­on er­folg­reich ist.

Markt­be­herr­schen­de Stel­lung

Das Ge­schäfts­mo­dell, den Ver­kehr nur zu ver­mit­teln und zu ver­mark­ten, lässt Flix­bus trotz des Markt­an­teils von über 90 Pro­zent un­ter dem Ra­dar des Bun­des­kar­tell­amts fah­ren. Ver­mut­lich ha­be das Un­ter­neh­men mitt­ler­wei­le ei­ne markt­be­herr­schen­de Stel­lung, heißt es im ver­gan­ge­nen Jah­res­be­richt der Be­hör­de. Ei­ne de­tail­lier­te Prü­fung ha­be es bis­lang „auf­grund feh­len­der Hin­wei­se auf ein miss­bräuch­li­ches Ver­hal­ten“nicht ge­ge­ben.

Die Ver­brau­cher­zen­tra­len se­hen al­ler­dings in­zwi­schen Hin­wei­se auf ty­pi­sches Mo­no­pol­ver­hal­ten. „Ge­wöhn­lich füh­ren Mo­no­po­le zu über­höh­ten Prei­sen und man­geln­dem Ser­vice“, er­läu­tert Ma­ri­on Jung­bluth, Ver­kehrs­ex­per­tin beim Bun­des­ver­band der Ver­brau­cher­zen­tra­len. Auch bei Flix­bus näh­men die Be­schwer­den zu. Ins­be­son­de­re beim grenz­über­schrei­ten­den Ver­kehr wür­den Kun­den Ent­schä­di­gungs­leis­tun­gen aus den Fahr­gast­rech­ten zu­neh­mend ver­wei­gert. „Es wird Zeit für mehr Re­gu­lie­rung bei Platt­for­men und viel­leicht auch für neue Kon­kur­renz auf dem Fern­ver­kehrs­markt“, glaubt Jung­bluth.

Einst­wei­len ver­läuft die Ex­pan­si­on von Flix­bus un­ge­bremst. Der­zeit will sich das Un­ter­neh­men im Wett­be­werb mit Bus­ge­sell­schaf­ten in Sü­d­eu­ro­pa mes­sen. „In Ita­li­en und Frank­reich dür­fen wir nicht schei­tern“, er­läu­tert Schwämm­lein. Doch der Fo­kus reicht längst über den At­lan­tik hin­aus. In den USA bau­en die Münch­ner ers­te Ver­keh­re auf. Dort tref­fen sie wie vor fünf Jah­ren hier noch auf ei­ne ana­lo­ge Bus­welt. „Da kön­nen wir Wer­te schaf­fen“, hofft der Flix­bus-Chef. Wo­hin es da­nach geht, lässt er noch of­fen. „Wir ha­ben noch Ide­en für zehn bis 15 Jah­re“, ver­si­chert der Grün­der.

FO­TO: DPA

An­dré Schwämm­lein, Grün­der und Ge­schäfts­füh­rer von Flix­bus: Ide­en für wei­te­re zehn bis 15 Jah­re.

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