Ehe­gat­ten­split­ting ist trotz ei­ner räum­li­chen Tren­nung mög­lich

Schwaebische Zeitung (Riedlingen) - - VERBRAUCHER -

MÜNS­TER (dpa) - Ehe­paa­re, die zwar räum­lich ge­trennt le­ben, aber ei­ne in­tak­te Ehe füh­ren, kön­nen bei der Steu­er­er­klä­rung das Ehe­gat­ten­split­ting nut­zen. Dies hat das Fi­nanz­ge­richt Müns­ter ent­schie­den (Az.: 7 K 2441/15). „Kön­nen die Ehe­gat­ten plau­si­bel nach­wei­sen, dass die Ehe in­takt ist, ob­wohl bei­de Part­ner räum­lich ge­trennt le­ben, so muss das Fi­nanz­amt den güns­ti­gen Split­ting­ta­rif ak­zep­tie­ren“, er­klärt Isa­bel Klo­cke vom Bund der Steu­er­zah­ler.

Im Ur­teils­fall zo­gen die Ehe­frau und der Sohn im Jahr 2001 aus dem ge­mein­sa­men Fa­mi­li­en­heim aus, wäh­rend der Ehe­mann dort woh­nen blieb. Im Streit­jahr 2012 ver­an­lag­te das Fi­nanz­amt das Ehe­paar zu­nächst ge­mein­sam zur Ein­kom­men­steu­er. Ei­ne Be­triebs­prü­fung er­gab je­doch, dass die Vor­aus­set­zun­gen für das Ehe­gat­ten­split­ting nicht mehr vor­lä­gen, da das Ehe­paar seit Jah­ren so­wohl räum­lich als auch wirt­schaft­lich ge­trennt le­be. Folg­lich wur­den bei­de Ehe­leu­te ein­zeln zur Ein­kom­men­steu­er ver­an­lagt.

Das Ehe­paar wand­te da­ge­gen ein, dass die Ehe wei­ter­hin Be­stand ha­be. Der Aus­zug der Ehe­frau und des Soh­nes sei auf fa­mi­liä­re Span­nun­gen mit der Mut­ter des Ehe­manns zu­rück­zu­füh­ren, die da­mals im glei­chen Haus wohn­te. Den­noch traf man sich re­gel­mä­ßig und un­ter­nahm ge­mein­sa­me Ak­ti­vi­tä­ten so­wie Ur­lau­be. Zu­dem gab es wäh­rend die­ser Zeit kei­ne an­de­ren Part­ner, und man pla­ne wie­der zu­sam­men­zu­le­ben.

Die Schil­de­run­gen der Ehe­leu­te und die Ver­neh­mung des ge­mein­sa­men Soh­nes konn­ten das Fi­nanz­ge­richt letzt­lich da­von über­zeu­gen, dass ei­ne in­tak­te Ehe vor­liegt. Auch ei­ne wirt­schaft­li­che Tren­nung durch se­pa­ra­te Kon­ten sei in der heu­ti­gen Zeit häu­fig vor­zu­fin­den und las­se kei­ne Rück­schlüs­se auf das Ehe­le­ben zu, so die Fi­nanz­rich­ter.

Ehe­paa­re mit ähn­li­cher Si­tua­ti­on kön­nen auch bei räum­li­cher Tren­nung wei­ter­hin das Ehe­gat­ten­split­ting ver­lan­gen. „Al­ler­dings soll­ten dann auch ent­spre­chen­de An­halts­punk­te auf­ge­zeigt wer­den kön­nen, die ei­ne in­tak­te Ehe do­ku­men­tie­ren“, emp­fiehlt Klo­cke. Dies kön­nen bei­spiels­wei­se ge­mein­sa­me Ur­laubs­fahr­ten sein.

FO­TO: DPA

Rä­um­li­che Tren­nung ist beim Ehe­gat­ten­split­ting kein The­ma.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.