Mehr so­zia­ler Woh­nungs­bau

Schwaebische Zeitung (Riedlingen) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Andre­as Herholz

Ei­ne 77 Qua­drat­me­ter gro­ße Woh­nung al­lein für ei­ne Per­son – nicht nur in den teu­ren Bal­lungs­zen­tren mag manch ein Mie­ter an­ge­sichts der ho­hen Prei­se da­von nur träu­men. Ob Mün­chen, Frank­furt oder Ham­burg – be­zahl­ba­rer Wohn­raum ist rar. 77 Qua­drat­me­ter für ei­ne Per­son – da­für woll­te ein Job­cen­ter jetzt ei­ner Hartz-IV-Emp­fän­ge­rin nicht mehr die vol­len Kos­ten über­neh­men. Die Frau aus Ba­den-Würt­tem­berg sah sich in ih­rem Grund­recht auf ein men­schen­wür­di­ges Exis­tenz­mi­ni­mum ver­letzt und klag­te.

Wie­viel Woh­nung und Mie­te ist an­ge­mes­sen für die Be­zie­her von Ar­beits­lo­sen­geld II? Muss der Staat in je­dem Fall voll für den Wohn­raum auf­kom­men? Er muss nicht! Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat ei­ne ro­te Li­nie ge­zo­gen und klar­ge­stellt, dass es kei­nen An­spruch auf un­be­grenz­te Er­stat­tung gibt. Schließ­lich hat der Ge­setz­ge­ber nur ei­ne „an­ge­mes­se­ne“Über­nah­me der Kos­ten ga­ran­tiert. Der Staat ist nicht zu ei­ner un­be­grenz­ten Über­nah­me von Miet- und Heiz­kos­ten ver­pflich­tet. Zur Si­che­rung des men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mums ei­ner Ein­zel­per­son ge­hört nicht zwin­gend ei­ne Drei-Zim­merB­lei­be. Ei­ne sol­che Über­ver­sor­gung wür­de den Staat über­for­dern. An­ge­sichts des an­ge­spann­ten Woh­nungs­mark­tes tä­te die künf­ti­ge Bun­des­re­gie­rung je­doch gut dar­an, deut­lich mehr für den so­zia­len Woh­nungs­bau zu tun, ge­ra­de auch um ei­ner Ver­drän­gung von so­zi­al Schwa­chen und Leis­tungs­emp­fän­gern ent­ge­gen­zu­wir­ken.

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