Rich­ter drin­gen auf güt­li­che Ei­ni­gung

Wor­auf sich kla­gen­de Ar­beit­neh­mer ein­stel­len müs­sen

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - ARBEITSRECHT -

Den Ar­beit­ge­ber zu ver­kla­gen, klingt ziem­lich ner­ven­auf­rei­bend. Und doch gibt es da­für gu­te Grün­de – et­wa ei­ne un­ge­recht­fer­tig­te Kün­di­gung oder un­zu­läs­sig we­nig Ge­halt. Das müs­sen Ar­beit­neh­mer in ei­nem sol­chen Fall wis­sen:

Fris­ten: Wer sich zum Bei­spiel ge­gen ei­ne Kün­di­gung weh­ren möch­te, muss das spä­tes­tens drei Wo­chen nach Er­halt der Kün­di­gung tun. „Bei an­de­ren An­sprü­chen ha­be ich in der Re­gel mehr Zeit“, er­klärt Alex­an­der Bre­der­eck, Fach­an­walt für Ar­beits­recht. Auch ein Blick in den Ar­beits- oder Ta­rif­ver­trag kann sich loh­nen: Dort sind even­tu­ell Aus­schluss­fris­ten fest­ge­hal­ten.

Kos­ten: In der ers­ten In­stanz muss je­der selbst für die An­walts­kos­ten auf­kom­men – sie müs­sen nicht, wie sonst üb­lich, von der un­ter­lie­gen­den Sei­te er­stat­tet wer­den. Die­se Re­ge­lung gilt al­ler­dings nicht für wei­te­re Kos­ten wie bei­spiels­wei­se für ei­nen Sach­ver­stän­di­gen.

Ver­lauf: Bei Ver­fah­ren im Ar­beits­recht gibt es zu­nächst ei­nen Gü­te­ter­min. „Dort wer­den re­gel­mä­ßig Ver­gleichs­ver­hand­lun­gen ge­führt“, er­klärt Bre­der­eck. Hat das kei­nen Er­folg, gibt es ei­nen Ter­min vor der Kam­mer. Ne­ben dem Ar­beits­rich­ter sind zwei eh­ren­amt­li­che Bei­sit­zer an­we­send – je ein Ver­tre­ter der Ar­beit­neh­mer­und der Ar­beit­ge­ber­sei­te. Auch dort kann es noch zu ei­ner Ei­ni­gung kom­men.

Be­ru­fung: Nach ei­nem Ur­teil ist ei­ne Be­ru­fung vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt mög­lich. „In der Re­gel wird sich spä­tes­tens dort ge­ei­nigt, weil man jetzt ja auch noch die Ein­schät­zung des Be­ru­fungs­rich­ters hat“, so Bre­der­eck. Ei­ne Re­vi­si­on ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts ist mög­lich, wenn sie im Ur­teil zu­ge­las­sen wur­de. Das ist et­wa der Fall, wenn die Rechts­fra­ge von grund­sätz­li­cher Be­deu­tung ist. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt über­prüft die Ent­schei­dun­gen der Lan­des­ar­beits­ge­rich­te aus­schließ­lich auf Rechts­feh­ler. Ei­ne neue Be­weis­auf­nah­me ist in der Re­gel nicht mög­lich.

Dau­er: Im Ar­beits­ge­richts­ge­setz heißt es: „Das Ver­fah­ren ist in al­len Rechts­zü­gen zu be­schleu­ni­gen.“Re­gel­mä­ßig drin­ge das Ge­richt auf ei­ne Ei­ni­gung der bei­den Par­tei­en, so Bre­der­eck. Bei ei­nem Streit durch al­le In­stan­zen kön­ne es aber auch schnell mal fünf Jah­re dau­ern bis zum fi­na­len Ur­teil. (dpa)

FO­TO: DPA

Wer sich ge­gen ei­ne Kün­di­gung weh­ren möch­te, muss das spä­tes­tens drei Wo­chen nach Er­halt tun.

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