„Ge­strit­ten ha­ben wir noch nie“

Hel­mut und Ruth Ruf sind seit 60 Jah­ren ver­hei­ra­tet

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - SIGMARINGEN -

SIG­MA­RIN­GEN (mst) - „Je­dem An­fang wohnt ein Zau­ber in­ne.“Ent­ge­gen dem Zi­tat von Her­mann Hes­se ist die lang­jäh­ri­ge Ehe von Ruth und Hel­mut Ruf bis heu­te zau­ber­haft. Seit 60 Jah­ren sind die bei­den ver­hei­ra­tet und fei­ern heu­te ih­ren be­son­de­ren Tag der dia­man­te­nen Hoch­zeit mit ei­nem Fest. Den Ein­druck, den die bei­den ver­mit­teln, ist der ei­nes glück­li­chen Teams. Sie ken­nen sich be­reits seit der Schul­zeit in Bruch­sal bei Karls­ru­he und ha­ben in­zwi­schen drei Kin­der, zwei En­kel und so­gar ei­nen Uren­kel.

Der An­fang ih­rer Be­zie­hung lässt sich je­doch wie ein Mär­chen er­zäh­len: Ruth Ruf woll­te so ger­ne ei­ne Arm­band­uhr ha­ben, muss­te aber da­mals ihr gan­zes ver­dien­tes Geld bei ih­rer Mut­ter ab­ge­ben. So kam ihr die Idee, Hel­mut zu fra­gen, der ei­ne Uhr­ma­cher­aus­bil­dung mach­te und den sie be­reits seit ih­rer ge­mein­sa­men Schul­zeit kann­te. Je­den Frei­tag tra­fen sie sich im Zug, mit dem sie in die nächs­te Ort­schaft fuh­ren und Ruth gab Hel­mut fünf Mark als An­zah­lung für ih­re Uhr. Nach ei­ni­gen Wo­chen brach­te Hel­mut sei­ner Ruth dann ih­re ge­wünsch­te Uhr, was der Be­ginn ei­ner lan­gen und glück­li­chen Be­zie­hung war. Spä­ter ha­ben sie sich dann in Bruch­sal mit ei­nem Uh­ren- und Schmuck­ge­schäft selbst­stän­dig ge­macht, das sie über 30 Jah­re lang ge­mein­sam ge­führt ha­ben. Vor fünf Jah­ren sind sie al­ters­be­dingt nach Sig­ma­rin­gen ge­zo­gen, wo ih­re äl­tes­te Toch­ter lebt.

„Ge­strit­ten ha­ben wir noch nie“, sagt Hel­mut Ruf und lacht da­bei. „Es gab höchs­tens mal Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten, aber nichts Gro­ßes.“Sei­ne Frau be­stä­tigt dies: „Hel­mut ver­mit­telt im­mer ei­nen Aus­gleich und ist voll­kom­men ru­hig. Ich war frü­her ein Mau­er­blüm­chen. Durch mei­nen Mann bin ich erst so auf­ge­weckt ge­wor­den, wie ich heu­te bin“, sagt Ruth Ruf. Selbst die Er­zie­hung der zwei Töch­ter und des Soh­nes ha­ben im­mer bei­de über­nom­men. „Mein Mann war nie der ty­pi­sche Stamm­tisch­gän­ger. Bei uns war es wirk­lich im­mer ein Mit­ein­an­der“, sagt Ruth Ruf.

Im Jahr 1950 sind Hel­mut und Ruth Ruf im Al­ter von 17 und 18 Jah­ren zu­sam­men­ge­kom­men. Sechs Jah­re wa­ren sie zu­sam­men, be­vor sie am 27. April 1956 ge­hei­ra­tet ha­ben. „Wir hät­ten schon viel frü­her ge­hei­ra­tet, wenn wir die fi­nan­zi­el­len Mit­tel ge­habt hät­ten. Es hat ja al­les ge­passt bei uns“, sagt Hel­mut Ruf mit Blick auf sei­ne Frau. Ruth Ruf zeigt stolz auf ihr ge­mein­sa­mes Hoch­zeits­fo­to: „Se­hen Sie, wie stolz mein Mann dort war? Es macht mich im­mer noch glück­lich, das zu se­hen. Ich war mir an der Hoch­zeit so si­cher und das Ge­fühl hat mich nie ver­las­sen“, sagt sie. Hel­mut Ruf lä­chelt und nickt. „Na­tür­lich müs­sen die Ge­füh­le stim­men“, sagt er. „Aber das wich­tigs­te ist die Treue und der Re­spekt vor dem Part­ner. Man darf nicht im­mer so viel vom Part­ner for­dern.“

In­zwi­schen ma­chen die Rent­ner ver­schie­de­ne Tou­ren mit ih­ren E-Bi­kes. Sie sind froh, dass sie nach all den Jah­ren im­mer noch so ak­tiv sein kön­nen.

FO­TO: MST

Bis heu­te glück­lich: Ruth und Hel­muth Ruf.

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