„Lo­ka­le Brän­de kön­nen vor­kom­men“

Land­wirt­schafts­mi­nis­ter Pe­ter Hauk (CDU) schließt Groß­brän­de wie in Por­tu­gal aber aus

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - PANORAMA -

STUTTGART Die an­hal­ten­de Hit­ze­wel­le be­deu­tet für den Wald im Süd­wes­ten pu­ren Stress, er­klärt Land­wirt­schafts­mi­nis­ter Pe­ter Hauk (CDU). Dro­hen in Ba­den-Würt­tem­berg nun Wald­brän­de mit solch ka­ta­stro­pha­len Aus­ma­ßen wie zu­letzt in Por­tu­gal? „Das kann man Gott sei Dank aus­schlie­ßen“, sagt der Di­plom-Forst­wirt im Ge­spräch mit Ka­ra Ball­arin.

Tro­cken­heit im Win­ter, dann spä­ter Frost, jetzt die Hit­ze­wel­le: Was be­deu­ten die­se Wet­ter­ka­prio­len für den Wald im Süd­wes­ten?

All das be­deu­tet pu­ren Stress für den Wald. An­hal­ten­de Tem­pe­ra­tu­ren zwi­schen 30 und 40 Grad füh­ren zu er­höh­ten Ozon­wer­ten in der Luft. Ozon schä­digt die Blatt­zel­len, was zu ei­nem wei­te­ren Was­ser­stress für die Bäu­me führt. Nach den ge­rin­gen Nie­der­schlä­gen im Win­ter sind die Grund­was­ser­pe­gel so­wie­so nied­rig. Den Bäu­men geht es dann so wie uns Men­schen, wenn wir Stress ha­ben: Sie wer­den an­fäl­li­ger für Krank­hei­ten, et­wa für Pilz­be­fall. Und sie wer­den an­greif­ba­rer für Baum­schäd­lin­ge wie den Bor­ken­kä­fer.

Nützt die Hit­ze dem Bor­ken­kä­fer?

Ja, der Bor­ken­kä­fer fliegt ab 18 Grad Cel­si­us. Wenn die Tem­pe­ra­tu­ren an­hal­tend über sechs bis acht Wo­chen so blei­ben, ent­wi­ckeln sich in der Zeit zwei bis drei Ge­ne­ra­tio­nen an Bor­ken­kä­fern, und zwar ex­po­nen­ti­ell.

Ein ver­hee­ren­der Wald­brand hat in Por­tu­gal mehr als 60 Men­schen das Le­ben ge­kos­tet. Kann so ei­ne Feu­ers­brunst auch bei uns wü­ten?

Das kann man Gott sei Dank aus­schlie­ßen. Wir ha­ben ei­nen Misch­wald, da­durch sam­melt sich auf un­se­ren Wald­bö­den nicht so viel an wie in rei­nen Na­del­wäl­dern, und die Bak­te­ri­en in un­se­ren Bö­den zer­set­zen die her­ab­ge­fal­le­nen Blät­ter schnel­ler. Lo­ka­le Brän­de kön­nen aber durch­aus vor­kom­men.

Was sind die größ­ten Ri­si­ko­fak­to­ren da­für?

Zwei Din­ge kön­nen schnell zu ei­nem Brand füh­ren. Ent­we­der die weg­ge­wor­fe­ne noch bren­nen­de Zi­ga­ret­ten­kip­pe, meist aus dem fah­ren­den Au­to. Oder die hei­ßen Ka­ta­ly­sa­to­ren der Au­tos. Wenn ein Au­to am Stra­ßen­rand ab­ge­stellt wird, kann der hei­ße Ka­ta­ly­sa­tor un­ten am Au­to tro­cke­nes Gras, das er be­rührt, ent­zün­den.

Könn­te auch bei uns ein Blitz, wie in Por­tu­gal, zu ei­nem Wald­brand füh­ren?

Das kann na­tür­lich im­mer sein. Aber meist kommt es bei Un­wet­tern bei uns nicht zu Wald­brän­den, weil hier in der Re­gel ein Ge­wit­ter mit Re­gen ein­her­geht.

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Die Mi­schung macht’s: Wald bei Em­men­din­gen.

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Pe­ter Hauk, Mi­nis­ter für den länd­li­chen Raum.

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