Re­kord­stra­fe ge­gen Goog­le

EU for­dert 2,42 Mil­li­ar­den Eu­ro vom US-In­ter­ne­tri­sen

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - ERSTE SEITE -

BRÜSSEL (AFP/sz) - Der US-In­ter­ne­trie­se Goog­le soll we­gen Be­nach­tei­li­gung der Kon­kur­renz bei der On­li­ne-Su­che nach Shop­ping-An­ge­bo­ten ei­ne Re­kord­stra­fe zah­len: 2,42 Mil­li­ar­den Eu­ro Wett­be­werbs­stra­fe ver­langt die EU-Kom­mis­si­on vom Kon­zern, so viel wie von kei­nem Un­ter­neh­men zu­vor. „Was Goog­le ge­tan hat, ist nach den EU-Wett­be­werbs­re­geln il­le­gal“, sag­te EU-Wett­be­werbs­kom­mis­sa­rin Marg­re­the Ves­ta­ger am Di­ens­tag in Brüssel. Das US-Un­ter­neh­men ha­be sei­ne Markt­macht als welt­weit meist ge­nutz­te Such­ma­schi­ne miss­braucht und da­mit an­de­ren Un­ter­neh­men ge­scha­det.

Ver­brau­cher­schüt­zer lob­ten das Ur­teil. „Goog­le hat mit die­ser Ge­schäfts­prak­tik dem fai­ren Wett­be­werb ge­scha­det“, sag­te Klaus Mül­ler, der Chef des Bun­des­ver­bands der Ver­brau­cher­zen­tra­len, der „Rhei­ni­schen Post“. Das Un­ter­neh­men wies die Vor­wür­fe zu­rück und er­wägt, in Be­ru­fung zu ge­hen.

BRÜSSEL (dpa) - Die EU-Kom­mis­si­on über­zieht Goog­le mit ei­ner Re­kord-Wett­be­werbs­stra­fe von 2,42 Mil­li­ar­den Eu­ro we­gen sei­ner Pro­dukt­an­zei­gen in Such­er­geb­nis­sen. Der In­ter­net-Kon­zern ha­be sei­ne do­mi­nie­ren­de Po­si­ti­on zum Scha­den von Kon­kur­ren­ten und Ver­brau­chern miss­braucht, sag­te die zu­stän­di­ge EU-Kom­mis­sa­rin Marg­re­the Ves­ta­ger am Di­ens­tag in Brüssel. Goog­le hat nun 90 Ta­ge Zeit für Än­de­run­gen – an­sons­ten dro­hen wei­te­re Stra­fen von bis zu 5 Pro­zent vom Ta­ges­um­satz des Mut­ter­kon­zerns Al­pha­bet. Die Ent­schei­dung könn­te zu­dem ein har­tes Vor­ge­hen ge­gen Goog­le in wei­te­ren Be­rei­chen nach sich zie­hen.

In der Shop­ping-Su­che von Goog­le wer­den pro­mi­nent die von Händ­lern beim In­ter­net-Kon­zern plat­zier­ten aus­führ­li­chen An­zei­gen mit Fo­tos, Prei­sen und Links prä­sen­tiert. Die­se An­zei­gen sind auch bei ei­ner ganz nor­ma­len Goog­le-Su­che über den rest­li­chen Tref­fern ein­ge­blen­det.

Die­se An­ord­nung be­trach­ten die EU-Kom­mis­si­on und ei­ni­ge Preis­such­ma­schi­nen als wi­der­recht­li­che Be­vor­zu­gung ei­ge­ner Goog­le-Di­ens­te. Tref­fer mit Pro­dukt­ver­glei­chen der Kon­kur­renz kä­men erst viel spä­ter, wo sie sel­te­ner an­ge­klickt wür­den. Der US-Kon­zern ha­be „sei­nen ei­ge­nen Preis­ver­gleichs­dienst in sei­nen Such­er­geb­nis­sen ganz oben plat­ziert und Ver­gleichs­diens­te der Kon­kur­renz her­ab­ge­stuft“, sag­te Ves­ta­ger.

Die Aus­wir­kun­gen für Goog­le kön­nen aber weit über die Shop­pin­gSu­che hin­aus­ge­hen. „Die heu­ti­ge Ent­schei­dung ist ein Prä­zen­denz­fall“, be­ton­te Ves­ta­ger. Die Kom­mis­si­on ha­be sich dar­auf fest­ge­legt, dass Goog­le ei­ne markt­be­herr­schen­de Po­si­ti­on bei der In­ter­net-Su­che ha­be und an­de­re Di­ens­te des Kon­zerns wür­den künf­tig auf die­ser Ba­sis un­ter die Lu­pe ge­nom­men.

Das Ver­fah­ren ist ei­nes von drei, in de­nen die EU-Kom­mis­si­on Goog­le vor­wirft, den Wett­be­werb zu ver­zer­ren. In ei­nem wei­te­ren geht es um das füh­ren­de Smart­pho­ne-Sys­tem An­dro­id. Im Som­mer ver­gan­ge­nen Jah­res nahm die Kom­mis­si­on erst­mals auch das Goog­le-Kern­ge­schäft mit Such­ma­schi­nen-Wer­bung ins Vi­sier. Da­bei geht es um den Teil­dienst „AdSen­se for Se­arch“, bei dem an­de­re In­ter­net­sei­ten Goog­le-Such­mas­ken ein­bin­den kön­nen. Nach ak­tu­el­ler Auf­fas­sung der Kom­mis­si­on ist Googles Ver­hal­ten in bei­den Fäl­len il­le­gal, be­kräf­tig­te Ves­ta­ger.

Die Geld­bu­ße we­gen der Shop­ping-Su­che ist mehr als dop­pelt so hoch wie die bis­lang höchs­te Kar­tell­stra­fe von 1,06 Mil­li­ar­den Eu­ro, die die eu­ro­päi­schen Wett­be­werbs­hü­ter 2009 dem Chip­kon­zern In­tel auf­ge­brummt hat­ten.

Goog­le er­klär­te in ei­ner ers­ten Re­ak­ti­on, man sei nach wie vor an­de­rer Mei­nung in dem Fall und prü­fe ei­ne Be­ru­fung. „Wenn man on­li­ne ein­kauft, will man die Pro­duk­te, die man sucht, schnell und ein­fach fin­den.“

Goog­le kon­ter­te in dem be­reits seit 2010 lau­fen­den Ver­fah­ren stets mit dem Ar­gu­ment, die mit Fo­tos und De­tails „ver­bes­ser­ten“Such­er­geb­nis­se in der Shop­ping-Su­che er­leich­ter­ten Nut­zern die Aus­wahl und den

Kon­takt zu Händ­lern. „Das ist kei­ne Be­vor­tei­lung, son­dern wir hö­ren un­se­ren Kun­den zu“, er­klär­te Goog­le in ei­nem Blog­ein­trag. Die Ar­gu­men­ta­ti­on der Kom­mis­si­on sei fak­tisch, recht­lich und wirt­schaft­lich falsch.

Wenn der In­ter­net-Kon­zern ge­gen die EU-Ent­schei­dung vor Ge­richt zieht, dürf­te es das Ver­fah­ren um wei­te­re Jah­re ver­län­gern. Der Streit um Stra­fe ge­gen In­tel von 2009 ist im­mer noch nicht end­gül­tig aus­ge­foch­ten. Goog­le kri­ti­siert un­ter an­de­rem, die Kom­mis­si­on be­rück­sich­ti­ge nicht die Rol­le des welt­größ­ten On­line­händ­lers Ama­zon und miss­ach­te da­mit, wie die meis­ten Men­schen tat­säch­lich on­li­ne ein­kauf­ten. Kun­den kä­men auf ver­schie­dens­ten We­gen zu On­line­händ­lern, ar­gu­men­tier­te Goog­le: „Über all­ge­mei­ne Such­ma­schi­nen, spe­zia­li­sier­te Such­diens­te, Händ­ler-Platt­for­men, so­zia­le Me­di­en und On­li­ne-An­zei­gen.“Au­ßer­dem er­reich­ten die Händ­ler die Kun­den im­mer mehr auch di­rekt, zum Bei­spiel über Apps auf mo­bi­len Ge­rä­ten. „Was Goog­le ge­tan hat, ist nach EU-Re­geln il­le­gal“, er­klär­te da­ge­gen Ves­ta­ger. Sie ha­be den Fall nach ih­rem Amts­an­tritt 2014 mit Prio­ri­tät be­han­delt. Zu­vor wa­ren meh­re­re An­läu­fe, die Un­ter­su­chun­gen mit ei­nem Kom­pro­miss zu be­en­den, ge­schei­tert.

FO­TO: DPA

Die Goog­le-Such­mas­ke auf ei­nem Ta­blet. Nach Auf­fas­sung der EU-Kom­mis­si­on nutzt das US-Un­ter­neh­men sei­ne markt­be­herr­schen­de Stel­lung, um ei­ge­ne Pro­duk­te bei der Shop­ping-Su­che zu be­vor­zu­gen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.