Ex­tra Ga­mes bangt um Ar­beits­plät­ze

We­gen ei­ner Ge­set­zes­än­de­rung droht dem Un­ter­neh­men die Schlie­ßung von Spiel­hal­len

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - OBERSCHWABEN UND DONAU - Von Se­bas­ti­an Korinth

PFUL­LEN­DORF - Än­de­run­gen im Glücks­spiel­staats­ver­trag las­sen den Pful­len­dor­fer Spiel­hal­len­be­trei­ber Ex­tra Ga­mes um Ar­beits­plät­ze ban­gen. Zwar will sich das Un­ter­neh­men ju­ris­tisch ge­gen mög­li­che Stand­ort­schlie­ßung weh­ren, doch end­gül­ti­ge Ent­schei­dun­gen könn­ten Jah­re auf sich war­ten las­sen. „Soll­te es zu Schlie­ßun­gen kom­men, wür­den wir die Mit­ar­bei­ter, bei de­nen es geht, wei­ter be­schäf­ti­gen“, sagt Spre­cher Mar­kus Pin­gel. „Al­ler­dings wird das nicht in je­dem Fall funk­tio­nie­ren.“

Am kom­men­den Sams­tag, 1. Ju­li, en­det für al­le Spiel­hal­len­be­trei­ber ein fünf­jäh­ri­ger Be­stands­schutz. Da­nach müs­sen ih­re Stand­or­te ei­ni­ge neue Kri­te­ri­en er­fül­le. So müs­sen die Spiel­hal­len ab Ju­li min­des­tens 500 Me­ter Luft­li­nie aus­ein­an­der lie­gen. Für die Dis­tanz zu Kin­der- und Ju­gend­ein­rich­tun­gen gilt der glei­che Ab­stand. Al­ler­dings kön­nen die Be­trei­ber der Spiel­hal­len da­ge­gen Här­te­fall-An­trä­ge beim Ord­nungs­amt stel­len.

„Be­reits im ver­gan­ge­nen Jahr sind bei uns Här­te­fall-An­trä­ge ein­ge­gan­gen“, sagt Jür­gen Hess, Lei­ter des Pful­len­dor­fer Ord­nungs­amts. Dar­über, wie vie­le es ge­nau sind, will er kei­ne Aus­kunft ge­ben. Al­ler­dings sei­en al­le acht Spiel­hal­len, die es in der Stadt gibt, von den neu­en ge­setz­li­chen Vor­ga­ben be­trof­fen. Über ih­re An­trä­ge sei zum Teil be­reits ent­schie­den wor­den. „Die ent­spre­chen­den Be­schei­de wer­den noch die­se Wo­che ver­schickt“, sagt Hess.

Wi­der­spruch ist mög­lich

Un­mit­tel­ba­re Kon­se­quen­zen wird es vor­erst aber wohl nicht ge­ben: Lehnt das Ord­nungs­amt den An­trag des Spiel­hal­len­be­trei­bers ab, kann die­ser da­ge­gen Wi­der­spruch ein­le­gen. Über das an­schlie­ßen­de Ver­fah­ren ent­schei­det zu­nächst das Re­gie­rungs­prä­si­di­um, bei ei­nem er­neu­ten Wi­der­spruch das Ver­wal­tungs­ge­richt. „Bis ei­ne end­gül­ti­ge Ent­schei­dung vor­liegt, kann es meh­re­re Jah­re dau­ern“, sagt Jür­gen Hess.

Das Pful­len­dor­fer Ord­nungs­amt will zu­nächst kei­ne Schlie­ßun­gen an­ord­nen, son­dern den Be­trieb der Spiel­hal­len so lan­ge dul­den, bis ei­ne Ge­richts­ent­schei­dung vor­liegt. „Das Haf­tungs­ri­si­ko ist uns zu groß“, sagt Jür­gen Hess. Denn soll­te das Ge­richt am En­de dem Spiel­hal­len­be­trei­ber Recht ge­ben, müss­te die Stadt Pful­len­dorf Scha­dens­er­satz leis­ten.

Für Ex­tra Ga­mes könn­ten die Än­de­run­gen des Glücks­spiel­staats­ver­trags gra­vie­ren­de Fol­gen ha­ben. Schließ­lich be­treibt das Un­ter­neh­men deutsch­land­weit rund 450 Spiel­hal­len. „Schlie­ßungs­be­schei­de wer­den wir nicht ein­fach so hin­neh­men“, sagt Mar­kus Pin­gel, stell­ver­tre­ten­der Pres­se­spre­cher der Grup­pe Lö­wen En­ter­tain­ment, zu der Ex­tra Ga­mes ge­hört. Er ver­weist auf die Ver­ant­wor­tung des Un­ter­neh­mens ge­gen­über sei­nen Ar­beit­neh­mern. „Mit der Ge­set­zes­än­de­rung wer­den un­nö­tig Ar­beits­plät­ze ver­nich­tet.“

Doch Pin­gels Kri­tik geht dar­über hin­aus. „Ei­ne Re­du­zie­rung der Spiel­hal­len wird nicht für we­ni­ger Spie­ler sor­gen“, sagt er. „Vie­le wan­dern ver­mut­lich ins In­ter­net ab – und sind da­mit nicht mehr kon­trol­lier­bar.“Für die Kom­mu­nen be­deu­te die Ge­set­zes­än­de­rung Ver­lus­te bei Ge­wer­beund Ver­gnü­gungs­steu­er­ein­nah­men. Wie vie­le Spiel­hal­len oder Ar­beits­plät­ze Ex­tra Ga­mes am En­de auf­ge­ben muss, sei zur­zeit al­ler­dings noch nicht ab­seh­bar, sagt Spre­cher Mar­kus Pin­gel. Der ba­den-würt­tem­ber­gi­sche Land­tag hat­te das neue Glücks­spiel­ge­setz im No­vem­ber 2012 ver­ab­schie­det – ge­gen die Stim­men der FDP. Die neu­en Vor­ga­ben sol­len die An­zahl der Spiel­hal­len be­gren­zen und da­mit Spiel­sucht vor­beu­gen.

Här­te­fall-An­trä­ge kön­nen Spiel­hal­len­be­trei­ber zum Bei­spiel stel­len, wenn sie gro­ße In­ves­ti­tio­nen ge­tä­tigt ha­ben, die bei ei­ner Schlie­ßung des Stand­orts nicht mehr ab­ge­schrie­ben wer­den könn­ten. Auch lang­fris­ti­ge Miet­ver­trä­ge oder Um­bau­maß­nah­men kön­nen die Un­ter­neh­men gel­tend ma­chen.

FO­TO: OLE SPATA/DPA

Ab Ju­li gel­ten stren­ge­re Re­geln für Spiel­hal­len. Bis sich die­se in der Pra­xis be­merk­bar ma­chen, kann es al­ler­dings noch Jah­re dau­ern.

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