Sol­da­ten kla­gen ge­gen ih­re Ent­las­sung

Ver­wal­tungs­ge­richt ver­han­delt am 19. Ju­li – Bun­des­wehr fürch­tet um ihr An­se­hen

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - OBERSCHWABEN UND DONAU - Von Sebastian Korinth

PFUL­LEN­DORF - Das Ver­wal­tungs­ge­richt Sig­ma­rin­gen ver­han­delt am Mitt­woch, 19. Ju­li, ab 14.30 Uhr über die Kla­gen von vier Sol­da­ten ge­gen ih­re vor­zei­ti­ge Ent­las­sung aus der Bun­des­wehr. Wie das Ge­richt ges­tern mit­teil­te, steht das Ver­fah­ren in Zu­sam­men­hang mit dem Bun­des­wehr-Skan­dal in Pful­len­dorf, der im Ja­nu­ar öf­fent­lich ge­wor­den war.

Vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt ge­klagt ha­ben zwei Sol­da­ten auf Zeit so­wie zwei frei­wil­li­ge Wehr­dienst­leis­ten­de aus dem Be­reich Un­ter­stüt­zung des Aus­bil­dungs­zen­trums „Spe­zi­el­le Ope­ra­tio­nen“in Pful­len­dorf. Sie wen­den sich ge­gen Ent­las­sungs­be­schei­de des Bun­des­amts für das Per­so­nal­ma­nage­ment der Bun­des­wehr. Be­grün­det wur­den die­se mit der Teil­nah­me an meh­re­ren so­ge­nann­ten „Tau­fen“be­zie­hungs­wei­se Auf­nah­me­ri­tua­len neu­er Ka­me­ra­den im Herbst 2016 und im Ja­nu­ar 2017. Den vier Sol­da­ten wird vor­ge­wor­fen, mit ih­rem Ver­hal­ten ih­re Di­enst­pflich­ten schuld­haft ver­letzt zu ha­ben. Ihr Ver­blei­ben in der Bun­des­wehr wür­de die mi­li­tä­ri­sche Ord­nung und das An­se­hen des Mi­li­tärs ernst­lich ge­fähr­den, ar­gu­men­tiert das Bun­des­amt für das Per­so­nal­ma­nage­ment.

Im Ja­nu­ar wa­ren zwei­fel­haf­te Prak­ti­ken bei der Kampf­sa­ni­tä­ter­aus­bil­dung ei­ner­seits und bei Auf­nah­me­ri­tua­len an­de­rer­seits be­kannt ge­wor­den. Die Pful­len­dor­fer St­au­fer-Ka­ser­ne rück­te in den Fo­kus der Öf­fent­lich­keit, bei der Staats­an­walt­schaft He­chin­gen gin­gen An­zei­gen we­gen des Ver­dachts der Frei­heits­be­rau­bung, der ge­fähr­li­chen Kör­per­ver­let­zung so­wie der Ge­walt­dar­stel­lung und Nö­ti­gung ein. Seit­dem er­mit­tel­te die Be­hör­de.

Er­mitt­lun­gen teil­wei­se ein­ge­stellt

Ei­nen Teil der Er­mitt­lun­gen hat die Staats­an­walt­schaft in­zwi­schen ein­ge­stellt. Da­bei ging es um den Vor­wurf, dass sich Re­kru­ten un­ter an­de­rem hät­ten nackt aus­zie­hen müs­sen und da­bei ge­filmt wur­den. Sol­da­tin­nen sol­len zum Tan­zen an ei­ner Po­leStan­ge ge­zwun­gen wor­den sei­en, hieß es zu­nächst. Für die­se Vor­wür­fe sah die Er­mitt­lungs­be­hör­de al­ler­dings kei­nen An­fangs­ver­dacht. Des­halb lei­te­te sie auch kein Straf­ver­fah­ren ein.

An­ders sieht es bei den Auf­nah­me­ri­tua­len aus. Sie­ben Sol­da­ten wer­den be­schul­digt, sich der Frei­heits­be­rau­bung, Kör­per­ver­let­zung und/ oder Nö­ti­gung schul­dig ge­macht zu ha­ben. In die­sen Punk­ten er­mit­telt die Staats­an­walt­schaft wei­ter­hin.

Nach den Ne­ga­tiv­schlag­zei­len aus Pful­len­dorf und wei­te­ren Ver­feh­lun­gen in ei­ner Ka­ser­ne im thü­rin­gi­schen Son­ders­hau­sen war der Che­fAus­bil­der des Hee­res, Ge­ne­ral­ma­jor Wal­ter Spind­ler, von sei­nen Auf­ga­ben ent­bun­den wor­den.

Sie­ben Sol­da­ten aus Pful­len­dorf wur­den vom Di­enst sus­pen­diert. Auch der Kom­man­deur des Aus­bil­dungs­zen­trums „Spe­zi­el­le Ope­ra­tio­nen“, Tho­mas Schmidt, muss­te ge­hen. Im März über­nahm sein Nach­fol­ger Cars­ten Jahnel das Kom­man­do.

FO­TO: DPA

Vier Sol­da­ten kla­gen vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Sig­ma­rin­gen ge­gen die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. Sie weh­ren sich ge­gen die Ent­las­sung durch das Bun­des­amt für das Per­so­nal­ma­nage­ment der Bun­des­wehr.

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