Sor­ge vor G20-Gip­fel wächst

Po­li­zei warnt vor „mas­si­ven An­grif­fen“lin­ker Ak­ti­vis­ten

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - ERSTE SEITE - Von Chris­tia­ne Ja­cke und Jörg Blank

HAM­BURG/BER­LIN (dpa) - We­ni­ge Ta­ge vor dem G20-Gip­fel in Ham­burg wächst die Sor­ge vor mög­li­cher Ge­walt in der Han­se­stadt. Für Pro­tes­te ge­gen das Tref­fen der Staats­und Re­gie­rungs­chefs mo­bi­li­sie­re die links­ex­tre­me Sze­ne be­reits seit ver­gan­ge­nem Jahr, be­rich­te­te Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) am Di­ens­tag. Das ge­walt­tä­ti­ge Po­ten­zi­al am Ran­de des Tref­fens der In­dus­trie- und Schwel­len­län­der wer­de auf 8000 Per­so­nen ge­schätzt. Auch Ham­burgs Po­li­zei­prä­si­dent Ralf Mar­tin Mey­er äu­ßer­te sich be­sorgt. Er sag­te, dass zu­letzt „Be­we­gun­gen der au­to­no­men Sze­ne Rich­tung Ham­burg zu be­ob­ach­ten ge­we­sen sind“. Ak­ti­vis­ten aus Skan­di­na­vi­en, der Schweiz und aus Ita­li­en spiel­ten da­bei ei­ne nicht un­er­heb­li­che Rol­le. „Hier geht es ja wohl nicht um Sitz­blo­cka­den, son­dern um mas­si­ve An­grif­fe.“Lin­ke Ak­ti­vis­ten und die Po­li­zei ste­hen sich seit Ta­gen un­ver­söhn­lich ge­gen­über.

BER­LIN (dpa) - Die An­span­nung ist jetzt schon groß. We­ni­ge Ta­ge vor dem G20-Gip­fel in Ham­burg ste­hen sich Po­li­zei und lin­ke Ak­ti­vis­ten un­ver­söhn­lich ge­gen­über. Der Si­cher­heits­ap­pa­rat be­fürch­tet Ge­walt­ex­zes­se und ist auf Null-To­le­ranz-Kurs, die lin­ke Sze­ne fühlt sich drang­sa­liert und pro­vo­ziert. Drau­ßen auf den Stra­ßen der Han­se­stadt könn­te es mäch­tig knal­len, wenn am Frei­tag und Sams­tag die Staats- und Re­gie­rungs­chefs der gro­ßen Wirt­schafts­mäch­te und der EU zu­sam­men­kom­men. Aber auch drin­nen in den Kon­fe­renz­räu­men lau­ern Ge­fah­ren. Der Ver­fas­sungs­schutz warnt vor zu­neh­men­den Spio­na­ge­ak­ti­vi­tä­ten meh­re­rer Gip­fel-Teil­neh­mer.

Die G20-Run­de ist seit je­her ein Feind­bild für die lin­ke Sze­ne, der In­be­griff des Ka­pi­ta­lis­mus. Noch da­zu lau­fen in die­sem Jahr un­ter Links­ex­tre­men be­son­ders ver­hass­te Fi­gu­ren auf, wie US-Prä­si­dent Do­nald Trump oder der tür­ki­sche Prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­do­gan. Seit Mo­na­ten be­rei­tet sich die lin­ke Sze­ne auf den Gip­fel vor, mo­bi­li­siert, sam­melt Geld, plant De­mos und Wi­der­stands­ak­tio­nen.

Für Auf­se­hen sorg­te ein Zwi­schen­fall vor ei­ni­gen Ta­gen. Da leg­ten Un­be­kann­te an ei­nem Mon­tag­mor­gen zeit­wei­se den Bahn­ver­kehr in Tei­len der Re­pu­blik lahm. 13 Brand­an­schlä­ge auf Ka­bel­schäch­te an Bahn­an­la­gen, un­ter an­de­rem in Ham­burg, Ber­lin, Köln und Leip­zig.

Die Er­mitt­lun­gen lau­fen noch. Ein Be­ken­ner­schrei­ben aus der lin­ken Sze­ne, das kurz da­nach auf­tauch­te – ein kur­zes An­ti-G20-Pam­phlet – hal­ten die Si­cher­heits­be­hör­den für au­then­tisch. „Das gan­ze Tat­mus­ter spricht für ein Mo­tiv links­ex­tre­mis­ti­scher Art“, sagt Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) da­zu am Di­ens­tag in Ber­lin.

Der In­lands­ge­heim­dienst be­klagt ei­ne wach­sen­de Ge­walt­be­reit­schaft der lin­ken Sze­ne. 28 500 Links­ex­tre­mis­ten zählt der Ver­fas­sungs­schutz in­zwi­schen bun­des­weit – der höchs­te Stand seit 2012. Auch die Zahl der „ge­walt­ori­en­tier­ten“Leu­te dar­un­ter leg­te zu – auf 8500.

Vie­le Waf­fen be­schlag­nahmt

In et­wa die­se Grö­ßen­ord­nung an Ge­walt­be­rei­ten er­war­tet de Mai­ziè­re beim G20-Gip­fel. Auch aus dem Aus­land sind Au­to­no­me auf dem Weg nach Ham­burg. Par­al­lel zum Ter­min des Mi­nis­ters in Ber­lin prä­sen­tiert die Ham­bur­ger Po­li­zei ein Ar­senal von Waf­fen, die Be­am­te zu­letzt in der Sze­ne si­cher­ge­stellt ha­ben, dar­un­ter Ma­te­ri­al zum Bau von Mo­lo­tow-Cock­tails. Und das sei wohl „nur ein win­zi­ger Bruch­teil von dem (…), was sich der­zeit noch in Kel­lern und Ga­ra­gen in und um Ham­burg be­fin­det“, sagt ei­ner der Po­li­zei-Ver­ant­wort­li­chen dort.

In in­ter­nen Be­rich­ten stellt sich der Si­cher­heits­ap­pa­rat auf Hef­ti­ges für Ham­burg ein: Ge­walt­aus­brü­che bei den An­ti-G20-De­mos, aber auch wei­te­re Sa­bo­ta­ge­ak­tio­nen ge­gen Ver­kehrs- oder Ener­gie­net­ze. Hin­zu kommt die Sor­ge, der G20-Gip­fel könn­te zum Schau­platz von Aus­schrei­tun­gen zwi­schen An­hän­gern und Geg­nern Er­do­gans wer­den. De Mai­ziè­re will die Be­fürch­tun­gen her­un­ter­dim­men. Es sol­le mehr über die In­hal­te der G20-Run­de ge­spro­chen wer­den, an­statt „den Ge­walt­tä­tern die Pro­pa­gan­da noch da­durch zu er­hö­hen, dass wir stän­dig über ih­re mög­li­chen Er­folgs­aus­sich­ten spe­ku­lie­ren“, mahnt er.

Aber da wä­re noch ein ganz an­de­res Ri­si­ko. Der Ver­fas­sungs­schutz be­klagt bei G20-Teil­neh­mern wie Russ­land, Chi­na und der Tür­kei wach­sen­de Spio­na­ge­ak­ti­vi­tä­ten in Deutsch­land. Gibt es denn kon­kre­te Hin­wei­se auf chi­ne­si­sche Spio­na­ge ge­gen den G20-Gip­fel in Ham­burg? Ver­fas­sungs­schutz­chef Hans-Georg Maa­ßen sagt, der­zeit lä­gen kei­ne be­last­ba­ren In­for­ma­tio­nen vor. Die Hin­wei­se be­ruh­ten auf Er­kennt­nis­sen rund um frü­he­re G20-Gip­fel. Ein Bei­spiel stammt von 2009 und dem G20-Gip­fel in Lon­don. Da­mals soll der bri­ti­sche Ge­heim­dienst die Kom­mu­ni­ka­ti­on meh­re­rer De­le­ga­tio­nen aus­spio­niert ha­ben.

FO­TO: DPA

Lin­ke und mi­li­tan­te Grup­pen, wie die­se Teil­neh­mer der Re­vo­lu­tio­nä­ren 1. Mai-De­mons­tra­ti­on in Ham­burg im ver­gan­ge­nen Jahr, be­rei­ten sich auf den kom­men­den G20-Gip­fel vor.

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