Kein Baustopp für vier Wind­kraft­rä­der

Ver­wal­tungs­ge­richt lehnt den An­trag ei­nes Win­ter­lin­gers ab – Er kün­digt Wi­der­spruch an

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - ALB/LAUCHERT -

WINTERLINGEN (ist/sz) - Für vier ge­neh­mig­te Wind­kraft­an­la­gen bei Winterlingen gibt es kei­nen Baustopp. Der Ei­gen­tü­mer ei­nes von ihm selbst be­wohn­ten An­we­sens in Winterlingen ist mit ei­nem ent­spre­chen­den An­trag beim Sig­ma­rin­ger Ver­wal­tungs­ge­richt ge­schei­tert. Das teilt Ot­to-Paul Bit­zer, Vor­sit­zen­der Rich­ter am Ver­wal­tungs­ge­richt, in ei­ner Pres­se­mit­tei­lung mit. Der An­trag­stel­ler, Her­bert Bitsch von der Win­ter­lin­ger In­ter­es­sen­ge­mein­schaft, teil­te auf An­fra­ge der „Schwä­bi­schen Zei­tung mit, dass er Wi­der­spruch ge­gen die Ent­schei­dung des Ge­richts ein­le­gen wer­de.

„Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat den An­trag auf Ge­wäh­rung vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes ab­ge­lehnt, weil er durch die Teil­ge­neh­mi­gung für vier, von sie­ben be­an­trag­ten, Wind­kraft­an­la­gen ein­deu­tig nach kei­ner Be­trach­tungs­wei­se in sei­nen Rech­ten ver­letzt sei“, so der Rich­ter. Des­halb sei der An­trag un­zu­läs­sig. Das Land­rats­amt Zol­ler­nalb­kreis hat­te un­ter An­ord­nung de­ren so­for­ti­gen Voll­zieh­bar­keit die im­mis­si­ons­schutz­recht­li­che Teil­ge­neh­mi­gung für vier Wind­ener­gie­an­la­gen er­teilt. Der Stand­ort der vier An­la­gen be­fin­det sich nörd­lich der Fach­berg­sied­lung in Winterlingen. Der Ab­stand zwi­schen dem Grund­stück des An­trag­stel­lers und der nächst­ge­le­ge­nen Wind­ener­gie­an­la­ge be­trägt 2692 Me­ter, zu den an­de­ren An­la­gen 3137, 3727 und 4223 Me­ter.

Der An­trag­stel­ler ist der An­sicht, dass die er­teil­te Be­frei­ung von der Na­tur­park­ver­ord­nung Obe­re Do­nau rechts­wid­rig ist. Er weist auf Ge­fah­ren für das Grund- und Trink­was­ser so­wie hin­zu­kom­men­de un­zu­läs­si­ge Um­welt­be­las­tun­gen durch tief­fre­quen­ten Schall be­zie­hungs­wei­se In­fra­schall hin. Schließ­lich rüg­te er ei­ne un­zu­rei­chen­de Um­welt­ver­träg­lich­keits­vor­prü­fung, und zwar ein er­heb­li­ches Da­ten­de­fi­zit beim Ar­ten­schutz.

Da­mit macht der An­trag­stel­ler gel­tend, er könn­te durch die strei­ti­ge im­mis­si­ons­schutz­recht­li­che Ge­neh­mi­gung in ei­ge­nen Rech­ten ver­letzt sein, heißt es wei­ter in der Pres­se­mit­tei­lung. Das Ge­richt se­he je­doch kei­ne Ver­let­zung von sub­jek­ti­ven Rech­ten des An­trag­stel­lers. „Un­ter Be­rück­sich­ti­gung der ganz er­heb­li­chen Ent­fer­nung der vier An­la­gen und de­ren La­ge nörd­lich des Grund­stücks des An­trag­stel­lers scheint ei­ne Be­ein­träch­ti­gung des Grund­stücks des An­trag­stel­lers durch tief­fre­quen­ten Schall nach der­zei­ti­gem wis­sen­schaft­li­chen Er­kennt­nis­stand evi­dent aus­ge­schlos­sen“, so der Vor­sit­zen­de Rich­ter.

Ge­richt weist Ar­gu­men­te des Win­ter­lin­gers zu­rück

Eben­falls aus­ge­schlos­sen schei­ne, so das Ge­richt, dass der An­trag­stel­ler schäd­li­chen Um­welt­ein­wir­kun­gen aus­ge­setzt sein könn­te. Für die gel­tend ge­mach­ten Be­ein­träch­ti­gun­gen durch op­ti­sche Im­mis­sio­nen gel­te das Glei­che. Es spre­che auch nichts da­für, dass die Teil­ge­neh­mi­gung den An­trag­stel­ler in sei­nen Rech­ten ver­letz­te, weil sie ge­gen das bau­pla­nungs­recht­li­che Ge­bot der Rück­sicht­nah­me ver­sto­ßen könn­te.

Her­bert Bitsch ist der­zeit ver­reist und hat den Be­schluss des Ver­wal­tungs­ge­richts noch nicht ge­le­sen, trotz­dem ist für ihn schon jetzt klar: Er wer­de wei­ter­ma­chen. „Die nächs­te In­stanz soll ent­schei­den“, sagt er. Er se­he da durch­aus Chan­cen. Ob er mit sei­nem Wi­der­spruch er­rei­chen kann, dass die vier erst­mals ge­neh­mig­ten An­la­gen nicht ge­baut wer­den, ist frag­lich. „Im Mo­ment darf der In­ves­tor bau­en“, sagt Her­bert Bitsch. Aber wenn ei­ne hö­he­re rich­ter­li­che In­stanz die Bau­ge­neh­mi­gung des Land­rats­am­tes kas­sie­ren soll­te, müss­te er zu­rück­bau­en. Jetzt be­ste­he die Fra­ge, ob der In­ves­tor die­ses Ri­si­ko ein­ge­hen wol­le.

Bür­ger­meis­ter Micha­el Mai­er geht da­von aus, dass frü­hes­tens im Herbst mit dem Bau be­gon­nen wer­den kann. Die Ge­mein­de ver­pach­tet die Grund­stü­cke. Die ent­spre­chen­den Wald­ro­dun­gen neh­me die Ge­mein­de vor, und die könn­ten erst im Herbst er­fol­gen.

Trotz der um­fas­sen­den Be­grün­dung für die Ab­leh­nung des Bit­schAn­trags scheint dem Ge­richt der Hin­weis an­ge­zeigt, dass sei­tens der Ge­neh­mi­gungs­be­hör­de dem „nicht gänz­lich un­sub­stan­ti­ier­ten Vor­brin­gen des An­trag­stel­lers“je­den­falls nach­ge­gan­gen wer­den soll­te, vor al­lem mit Blick auf den Ar­ten­schutz.

ARCHIVFOTO: DPA

Es ist frag­lich, ob nach der Ent­schei­dung des Ge­richts mit dem Bau der Wind­rä­der bei Winterlingen be­gon­nen wird. Wenn ei­ne hö­he­re rich­ter­li­che In­stanz die La­ge an­ders ein­schätzt, muss der In­ves­tor die Rä­der even­tu­ell wie­der ab­bau­en.

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