Schif­fe gu­cken im Bil­der­buchört­chen

Das Le­ben in Ar­nis, der kleins­ten Stadt Deutsch­lands, ist vom Was­ser ge­prägt

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - REISE & ERHOLUNG - Von Kathrin Fromm

uf der Fäh­re in die kleins­te Stadt Deutsch­lands sind an die­sem Som­mer­tag ein Au­to, ein Rol­ler, vier Rad­fah­rer und ein paar Fuß­gän­ger. Viel mehr hät­te auch nicht drauf ge­passt. Ge­ra­de mal vier Au­tos kön­nen gleich­zei­tig trans­por­tiert wer­den, aber dann wird es für al­le an­de­ren schon arg eng. Aber wer war­ten muss, tut das nicht lan­ge. Denn die Fähr­fahrt ist kurz, sehr kurz. Kei­ne fünf Mi­nu­ten dau­ert es, bis die Sch­lei, ein Ost­see­arm, über­quert ist. Et­wa 200 Me­ter breit ist das Ge­wäs­ser an die­ser Stel­le. Noch bis in die 1960er Jah­re wur­de die Fäh­re mit Mus­kel­kraft an ei­nem Seil be­wegt, seit­dem über­nimmt das ein Mo­tor.

Schon bei der Ab­fahrt ist am ge­gen­über­lie­gen­den Ufer das Städt­chen Ar­nis zu se­hen. Das ers­te, was ei­nem ins Au­ge fällt, sind die vie­len Se­gel­boo­te an den Ste­gen, erst da­hin­ter er­kennt man die Häu­ser. Lang­sam kom­men Boo­te und Häu­ser nä­her, wer­den grö­ßer – schon legt die Fäh­re an und man pas­siert das Orts­schild. Ar­nis ist ein Post­kar­ten-Idyll, ei­ne Au­to­stun­de nörd­lich von Kiel und be­kannt als Dreh­ort der ZDF-Se­rie „Der Lan­d­arzt“. Ge­nau rich­tig für ei­nen Ta­ges­aus­flug, wenn man Ur­laub in Nord­deutsch­land macht oder auf dem Weg nach Dä­ne­mark ist.

Viel zu er­le­ben gibt es nicht in Ar­nis, aber ge­nug zu se­hen, um ein paar ent­spann­te St­un­den dort zu ver­brin­gen. Das ehe­ma­li­ge Fi­scher­dorf liegt auf ei­ner Halb­in­sel – und heu­te noch ist das Le­ben von der Schiff­fahrt ge­prägt. Auf die rund 300 Ein­woh­ner

PR−ANZEIGE kom­men 400 Boots­lie­ge­plät­ze und drei Werf­ten. Hier wer­den Ka­ta­ma­ra­ne ge­baut und Se­gel­boo­te in­stand­ge­setzt.

Was liegt al­so nä­her, als den Tag in Ar­nis mit Schif­fe gu­cken zu be­gin­nen. Vi­el­leicht mit ei­nem Fisch­bröt­chen vom Im­biss am Orts­ein­gang in der Hand oder bei Kaf­fee und Waf­feln un­term gro­ßen Son­nen­se­gel di­rekt am Fähr­an­le­ger. Oder ein­fach auf ei­ner der zahl­rei­chen Bän­ke am Ufer zwi­schen den Ha­ge­but­ten­he­cken. Platz neh­men und los geht es. Ein Se­gel­boot. Ein Mo­tor­boot. Zwei Pad­del­boo­te. Noch ein Se­gel­boot. Und da, ein weiß-ro­ter Rad­damp­fer, die „Sch­lei Prin­cess“, auf der Rund­fahr­ten an­ge­bo­ten wer­den.

Wer ge­nug hat vom Schif­fe gu­cken, kann die mit Lin­den ge­säum­te Haupt­stra­ße des Städt­chens auf und ab schlen­dern, wo sich nied­ri­ge Fi­scher­häu­ser, teils mit Fach­werk, teils mit Klin­ker, an­ein­an­der­rei­hen. Auch hier las­sen sich vie­le See­mann­su­ten­si­li­en ent­de­cken. Da ein Steu­er­rad als Gar­ten­tor, dort ein An­ker an der Haus­tür und an der Fas­sa­de ge­gen­über ei­ne Bor­dü­re aus Meer­jung­frau­en. Selbst in der Kir­che mit dem höl­zer­nen Glo­cken­turm hän­gen mäch­ti­ge Vo­tiv-Schif­fe von der De­cke. Ne­ben der Schiff­fahrt gibt es in Ar­nis viel Kunst­hand­werk. Ein Ate­lier stellt im Schau­fens­ter Bil­der von Blumen und Boo­ten aus, in ei­ner Töp­fe­rei und ein paar Ga­ra­gen-Läd­chen kann man Mit­bring­sel kau­fen und im Rat­haus sind den Som­mer über Aus­stel­lun­gen zu se­hen.

Für ei­ne wei­te­re Er­kun­dung emp­fiehlt es sich, die Halb­in­sel, auf der Ar­nis liegt, ein­mal zu um­run­den. Ein schma­ler Sand-Kies-Pfad führt fast im­mer am Was­ser ent­lang. Geht man oh­ne Pau­se, ist nach ei­ner hal­ben St­un­de der Aus­gangs­punkt wie­der er­reicht. Meis­tens dau­ert die Run­de aber et­was län­ger, zum Bei­spiel weil man ei­nen Ab­ste­cher auf ei­nen der vie­len Boots­ste­ge macht, die hier zu fast je­dem Haus ge­hö­ren. Oder weil man sich nicht satt se­hen kann an den üp­pi­gen Gär­ten mit bun­ten Blu­men­wie­sen und al­ten Obst­bäu­men.

Oder weil man un­ter­wegs den Ba­de­strand ent­deckt, an dem sich gut ein son­ni­ger Nach­mit­tag ver­brin­gen lässt. Flach geht es ins Was­ser bei der klei­nen Sand­bucht, die naht­los in ei­ne Lie­ge­wie­se über­geht. Per­fekt für Fa­mi­li­en. Ein Beach­vol­ley­ball­feld, ei­ne gel­be Rut­sche, et­was zu­rück­ge­setzt ein Spiel­platz und ei­ne Grill­stel­le – ge­nug um ei­nen Tag am Was­ser ent­spannt aus­klin­gen zu las­sen. We­ni­ger ist mehr in Ar­nis, der kleins­ten Stadt Deutsch­lands.

FO­TO: KATHRIN FROMM

Im­mer am Was­ser ent­lang: Auf ei­nem schma­len Pfad lässt sich das Städt­chen Ar­nis be­quem um­run­den.

Idyl­li­sches Fi­scher­städt­chen an der Sch­lei: Die Haupt­stra­ße von Ar­nis ist von Lin­den ge­säumt.

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