Die Op­po­si­ti­on hat Po­ten­zi­al

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Su­san­ne Güs­ten po­li­tik@schwa­ebi­sche.de

Auf ei­nes konn­te sich Re­cep Tay­yip Er­do­gan in den ver­gan­ge­nen an­dert­halb Jahr­zehn­ten fest ver­las­sen: die Schwä­che der Op­po­si­ti­on. Die Re­gie­rungs­geg­ner in An­ka­ra mach­ten es Er­do­gan leicht und prä­sen­tier­ten sich stets als un­eins und un­fä­hig – oft ge­nug er­weck­ten sie den Ein­druck, als hät­ten sie sich mit ih­rer Rol­le ab­ge­fun­den. Die Ge­zi-Pro­test­be­we­gung des Jah­res 2013 riss zwar Mil­lio­nen von Tür­ken mit, wur­de aber nie in kon­kre­tes po­li­ti­sches Han­deln über­setzt. Nun könn­te Op­po­si­ti­ons­chef Ki­li­cdarog­lu da­bei sein, Er­do­gans Glücks­sträh­ne zu be­en­den. Der Pro­test­marsch für Ge­rech­tig­keit hat vie­le an­ge­spro­chen, die ei­ne Ver­wand­lung ih­res Lan­des in ei­nen Erb­hof von Er­do­gan und des­sen Ge­treu­en be­kla­gen.

Der Zu­spruch für den sprö­den Ki­li­cdarog­lu ist enorm und stellt Er­do­gan vor erns­te Her­aus­for­de­run­gen. Al­ler­dings muss sich Ki­li­cdarog­lus Par­tei CHP, die bis­her ei­ne links­na­tio­na­lis­ti­sche Po­li­tik ver­folgt, po­li­tisch öff­nen, wenn sie den Schwung des Pro­test­mar­sches nut­zen und bei den Wah­len in zwei Jah­ren ei­ne Sieg­chan­ce ha­ben will. In­so­fern ist die Groß­de­mons­tra­ti­on vom Sonn­tag eher ein In­di­ka­tor für das Po­ten­zi­al der Op­po­si­ti­on als ein si­che­res Vor­zei­chen für das En­de der Ära Er­do­gan.

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