Klein­ge­druck­tes wird Selbst­stän­di­gen zum Ver­häng­nis

Ein Paar aus dem Raum Meß­kirch steht we­gen Sub­ven­ti­ons­be­trug vor Ge­richt – Rich­te­rin spricht am En­de ein mil­des Ur­teil

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - MESSKIRCH - Von Co­rin­na Wol­ber

SIG­MA­RIN­GEN - Wie schnell ei­nen der un­be­dach­te Um­gang mit Klein­ge­druck­tem ein­ho­len kann, hat ein Paar aus dem Raum Meß­kirch schmerz­lich er­fah­ren müs­sen. Für ihr Ge­wer­be hat­ten die beiden För­der­geld aus öf­fent­li­chen Töp­fen er­hal­ten und die­ses un­ter an­de­rem für die Mie­te ei­nes Bag­gers ein­ge­setzt; auf der Bau­stel­le mach­te ins­be­son­de­re der ge­lern­te Land­wirt vie­les selbst. Nach et­li­chen Miet­zah­lun­gen ver­ein­bar­te er mit dem Ver­lei­her des Bag­gers al­ler­dings ei­ne Schluss­ra­te, nach der die Ma­schi­ne in sei­nen Be­sitz über­ging. Hin­ter­grund: Die ge­leis­te­ten Miet­zah­lun­gen stan­den kaum noch im Ver­hält­nis zum Wert des Bag­gers. Doch ge­nau das wur­de dem Land­wirt zum Ver­häng­nis: Die Mie­te des Bag­gers war för­de­rungs­fä­hig, der Kauf nicht. Dem Paar wur­de von der Staats­an­walt­schaft da­her vor­sätz­li­cher Sub­ven­ti­ons­be­trug vor­ge­wor­fen, am Don­ners­tag wur­de sein Fall vor dem Sig­ma­rin­ger Amts­ge­richt ver­han­delt.

Die Un­recht­mä­ßig­keit ih­res Han­delns dürf­te den beiden in­des nicht klar ge­we­sen sein. „Es ist nicht leicht, För­der­be­stim­mun­gen zu ver­ste­hen“, sag­te der An­walt. Die beiden sei­en davon aus­ge­gan­gen, dass sie „schon rich­tig be­ra­ten wur­den“und schlicht­weg in et­was Dum­mes hin­ein­ge­ra­ten. Ty­pi­scher Sub­ven­ti­ons­be­trug se­he anders aus: „Ent­we­der er­schlei­che ich mir ei­ne För­de­rung, die mir nicht zu­steht“, sag­te der Ju­rist. „Oder ich er­schlei­che mir ei­ne be­son­ders hohe Sum­me.“Bei­des sei in die­sem Fall nicht ge­ge­ben. Um­ge­rech­net ge­he es um 1500 Eu­ro, „es fällt mir schwer, da kri­mi­nel­le Ener­gie zu er­ken­nen“.

Vor Ge­richt ging es al­ler­dings nicht mehr um die Schuld­fra­ge, son­dern nur noch um die Hö­he des Straf­ma­ßes. Das Paar hat­te ge­gen den Straf­be­fehl zwar Ein­spruch ein­ge­legt, die­sen aber auf die Rechts­fol­ge be­schränkt. Im Kl­ar­text: Sie mach­ten ein Ge­ständ­nis, er­klär­ten sich aber mit dem Straf­maß von 140 Ta­ges­sät­zen à 35 Eu­ro nicht ein­ver­stan­den.

Die fi­nan­zi­el­le Si­tua­ti­on der Fa­mi­lie nahm in der Ver­hand­lung brei­ten Raum ein. Der land­wirt­schaft­li­che Be­trieb er­wirt­schaf­tet je­des Jahr ein statt­li­ches Mi­nus, das das noch jun­ge Ge­wer­be nicht kom­pen­sie­ren kann. Hin­zu kom­men Ver­bind­lich­kei­ten aus ver­schie­de­nen Dar­le­hen: „2016 lag die Un­ter­de­ckung ins­ge­samt bei mehr als 60 000 Eu­ro. Sie le­ben von der Hand in den Mund“, sag­te der An­walt. Und sie le­ben nicht al­lein, zum Haus­halt ge­hö­ren zwei Kin­der. Um die fi­nan­zi­el­le Schief­la­ge zu lin­dern, nimmt der Land­wirt zwar Ge­le­gen­heits­jobs und klei­ne­re Auf­trä­ge an. Dass es trotz­dem hin­ten und vor­ne nicht reicht, glaub­ten die An­we­sen­den wohl nicht erst, nach­dem die An­ge­klag­te im Ge­richts­saal in Trä­nen aus­ge­bro­chen war.

So schraub­te denn auch der Staats­an­walt das ur­sprüng­lich ge­for­der­te Straf­maß deut­lich her­un­ter, und die Rich­te­rin folg­te ihm in ih­rem Ur­teil: Bei­de An­ge­klag­ten wur­den zu Geld­stra­fen von je­weils 900 Eu­ro ver­ur­teilt. Viel schwe­rer wiegt da, dass das Re­gie­rungs­prä­si­di­um vor­aus­sicht­lich „ei­ne Ge­samt­rück­for­de­rung ein­lei­ten wird“, wie es im Be­am­ten­deutsch heißt. Dabei geht es um ei­ne Sum­me von 70 000 Eu­ro.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.