„Heu­te bist du viel schnel­ler re­tro“

Wolf­mo­ther-Front­mann And­rew Stock­da­le über zeit­lo­se Rock­mu­sik und Schub­la­den

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - SZENE -

NEU­HAU­SEN OB ECK - Wolf­mo­ther gel­ten als Ze­re­mo­ni­en­meis­ter des Gi­tar­ren­riffs. Mit sei­nem Breit­wan­d­rock be­geis­tert Krea­tiv­kopf, Sän­ger und Gi­tar­rist And­rew Stock­da­le seit 2005 Fans von mus­ku­lö­sen Klän­gen der Mar­ke Led Zep­pe­lin. Im Ge­spräch mit Da­ni­el Dre­scher er­zählt der Aus­tra­li­er mit dem mar­kan­ten Lo­cken­kopf von den ak­tu­el­len Plä­nen der Band und war­um er Eti­ket­ten wie „Re­tro­rock“über­flüs­sig fin­det.

And­rew, ihr tourt seit ei­nem Jahr mit dem 2016 er­schie­ne­nen Al­bum „Vic­to­rious“. Wie sind die Re­ak­tio­nen auf die­se Plat­te aus­ge­fal­len?

Die Shows, die wir in den USA spie­len, sind größ­ten­teils aus­ver­kauft. Bei uns kommt ein sehr po­si­ti­ves Echo zu „Vic­to­rious“an. Vor Kur­zem ha­ben wir in Neu­see­land ge­spielt, und auch dort ha­ben wir vor aus­ver­kauf­tem Haus ge­spielt.

Eu­er De­büt von 2005 gilt als Re­fe­renz­plat­te für rück­wärts­ge­wand­ten Rock im Sin­ne von Led Zep­pe­lin. Fühlt ihr euch wohl in der Re­tro­rock-Schub­la­de?

Ich seh das so: In der Kunst gibt es Epo­chen wie Ex­pres­sio­nis­mus und Mo­der­ne. Rock ’n’ Roll ist für mich ein zeit­spe­zi­fi­sches Gen­re, das in den 60er- und 70er-Jah­ren ver­an­kert ist. Aber sind wir Re­tro? Viel­leicht. Heu­te bist Du viel schnel­ler re­tro.

Du meinst, weil das „nächs­te gro­ße Ding“von heu­te der kal­te Kaf­fee von mor­gen ist?

Ja, und ich fin­de, dass sich sol­che Eti­ket­ten gar nicht pau­schal ver­ge­ben las­sen. Geh in ein an­de­res Land, und dort ist die­se Band rie­sig, die hier nicht mehr so re­le­vant ist. Mu­sik spricht im­mer un­ter­schied­li­che Ge­schmä­cker an und Po­pu­la­ri­tät ist nicht al­lei­ni­ges Qua­li­täts­sie­gel.

Ist die Mu­sik, die dir am meis­ten be­deu­tet, aus den 1960er- und 70er-Jah­ren? Oder fühlst du dich auch in den 90ern wohl?

Die 90er wa­ren klas­se, Ra­ge Against The Ma­chi­ne und Grun­ge. Sie hat­ten ein­zig­ar­ti­ge Riffs und ei­nen gu­ten Groo­ve. Sol­che Mu­sik mag ich sehr. Die 70er sind eben­falls ei­ne Fund­gru­be für gu­te Gi­tar­ren­riffs. Mit Me­tal kann ich heut­zu­ta­ge nicht viel an­fan­gen, da ist mir zu viel Evil-Ge­tue da­bei. Wir sind nicht so düs­ter, und wir ha­ben we­der ei­ne po­li­ti­sche Agen­da noch ei­nen spi­ri­tu­el­len Hin­ter­grund. Uns geht es dar­um, dass die Leu­te mit uns Spaß ha­ben kön­nen.

Zu­rück zu eu­rer Dis­ko­gra­fie: „New Crown“habt ihr 2014 oh­ne gro­ße Vor­an­kün­di­gung her­aus­ge­bracht, oh­ne Pro­mo­ti­on und oh­ne Plat­ten­fir­ma. In Zei­ten, in de­nen man­che Bands schon ein Jahr vor­her vi­ra­le Mar­ke­ting­kam­pa­gnen star­ten, ein mu­ti­ger Schritt.

Wir wa­ren fünf Jah­re bei Uni­ver­sal un­ter Ver­trag. Und die Ar­beit mit ei­nem Ma­jor­la­bel kann sehr frus­trie­rend sein, weil die Plat­ten­fir­ma eben auch viel mit­re­den will. Als ich nicht mehr bei Uni­ver­sal un­ter Ver­trag war, ha­be ich die Auf­nah­men selbst be­zahlt und ein­fach ver­öf­fent­licht, wann ich woll­te. In­ner­halb von 24 St­un­den schaff­te es „New Crown“in den Top Ten der iTu­nes-Charts.

Vor zehn Jah­ren habt ihr mit „Plea­sed to Meet You“ei­nen Song zum Sound­track von Spi­der-Man 3 bei­ge­steu­ert. Mar­vel-Ver­fil­mun­gen boo­men. Bist du selbst Co­mic­fan?

(schweigt und guckt er­staunt) Mit zehn Jah­ren moch­te ich Co­mics, aber heut­zu­ta­ge gibt mir das nichts mehr. Aber wenn sich so ei­ne Ge­le­gen­heit bie­tet, sagt man nicht Nein.

Ar­bei­tet ihr be­reits an ei­nem neu­en Al­bum?

Ja, wir ha­ben schon ein paar Songs auf­ge­nom­men, be­vor wir für Fes­ti­val­shows nach Deutsch­land ka­men. Ich bin sehr zu­frie­den da­mit!

Ba­siert je­der Song bei Wolf­mo­ther auf ei­nem Riff?

Ja, ich schreib den Riff zu­erst und dann wächst der Song. Wenn ich Mu­sik von Eric Clap­ton oder Ge­or­ge Har­ri­son hö­re, ach­te ich da sehr auf die Riffs, die sind fan­tas­tisch und ha­ben mich ge­prägt.

Ihr habt schon vie­le Län­der be­reist. Gibt es noch ei­nen wei­ßen Fleck auf der Land­kar­te, ein Land, in dem ihr noch spie­len wollt?

Ich bin ein gro­ßer Fan von Süd­ame­ri­ka. Da wa­ren wir tat­säch­lich noch nie, Bra­si­li­en zum Bei­spiel.

Was macht das deut­sche Pu­bli­kum be­son­ders?

Deutsch­land war im­mer gut zu uns. Wo wir spie­len, ist der Club aus­ver­kauft.

Faith-No-Mo­re-Sän­ger Mi­ke Pat­ton hat euch mal in ei­nem Youtube-Vi­deo ge­disst. Seid ihr noch bö­se auf ihn?

Ach was. Er hat sich ja sel­ber wi­der­spro­chen, weil er in dem Clip ge­ra­de noch über sein Pro­jekt re­det, bei dem er ita­lie­ni­sche Sound­tracks aus den 60er-Jah­ren mit Orches­ter nach­spielt. Ist das nicht re­tro? Und Faith No Mo­re – ihr größ­ter Hit „Ea­sy“ist ein Com­mo­do­res-Co­ver.

FO­TO: CALEB COP­PO­LA

„Die 70er sind ei­ne Fund­gru­be für gu­te Gi­tar­ren­riffs“, sagt And­rew Stock­da­le.

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