Fuchs, du hast die Schu­he ge­stoh­len

Raub­tier ver­brei­tet Un­ru­he in Den­kin­gen – Ein­woh­ner sor­gen sich um ih­re Ge­sund­heit

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - MENGEN/PFULLENDORF/BEURON - Von Se­bas­ti­an Korinth

DEN­KIN­GEN - Ein Fuchs, der rund 100 Schu­he stiehlt, da­mit sei­ne Kin­der da­mit spie­len kön­nen – klingt erst ein­mal ganz un­ter­halt­sam. Doch vie­le Den­kin­ger fin­den das, was sich seit gut ei­nem Jahr in ih­rem Orts­teil ab­spielt, al­les an­de­re als wit­zig. Sie är­gern sich nicht nur über ge­klau­te Schu­he und to­te Hüh­ner, son­dern sor­gen sich auch um ih­re Ge­sund­heit.

Erst vor we­ni­gen Wo­chen ha­be der Fuchs zum letz­ten Mal zu­ge­schla­gen, be­rich­tet ei­ne Den­kin­ge­rin. Ih­re noch ver­blie­be­nen fünf Hüh­ner sei­en bei die­ser Atta­cke dem Raub­tier zum Op­fer ge­fal­len. Zehn wei­te­re hat­te sie vor­her schon ei­nem Nach­barn ge­schenkt, der bei ei­nem frü­hen Fuchs­an­griff eben­falls sämt­li­che Tie­re ver­lor. „Am hell­lich­ten Tag, ge­gen 14.30 Uhr hat er bei mir zu­ge­schla­gen“, sagt die Den­kin­ge­rin, die Au­gen­zeu­gin des Vor­falls wur­de.

Dar­über hin­aus hat der Fuchs in­zwi­schen rund 100 Schu­he ge­stoh­len. Drei Paar da­von ge­hör­ten Hel­mut Git­schier. Doch das ist wahr­lich nicht sei­ne größ­te Sor­ge. „Hüh­ner oder Schu­he kann man ja er­set­zen“, sagt Git­schier. „Nicht aber die Ge­sund­heit ei­nes Men­schen.“Ein Fuchs kön­ne meh­re­re Krank­hei­ten über­tra­gen, vor al­lem mit dem Fuchs­band­wurm sei nicht zu spa­ßen. „Ich ken­ne Men­schen, die vor 20 oder 30 Jah­ren da­durch krank wur­den und noch heu­te dar­un­ter lei­den“, sagt Hel­mut Git­schier.

Den­kin­gens Orts­vor­ste­her Karl Abt hat in­zwi­schen et­li­che der ge­stoh­le­nen Schu­he, die spä­ter wo­an­ders wie­der auf­tauch­ten, im Rat­haus de­po­niert. „Seit gut ei­nem Jahr sind im­mer mal wie­der Schu­he weg­ge­kom­men“, sagt er. Dar­über hin­aus sei­en gleich meh­re­re Den­kin­ger Hüh­ner­hal­ter von den An­grif­fen des Raub­tie­res be­trof­fen. In­zwi­schen ge­he er da­von aus, dass min­des­tens zwei Füch­se re­gel­mä­ßig im Ort un­ter­wegs sind, sagt Abt. „Und ei­ni­ge Den­kin­ger sor­gen sich, weil ei­nes der Tie­re äu­ßer­lich kei­nen ge­sun­den Ein­druck macht.“

Fuchs­band­wurm wird ge­fähr­lich

Dass der Fuchs­band­wurm rich­tig ge­fähr­lich wer­den kann, be­stä­tigt Ja­nosch Ar­nold, Lei­ter der Wild­for­schungs­stel­le in Au­len­dorf. Die Krank­heit kön­ne Men­schen lang­fris­tig be­ein­träch­ti­gen. „Zu­dem tre­ten die Sym­pto­me erst Jah­re nach der In­fek­ti­on in Er­schei­nung“, sagt Ar­nold. Des­halb dür­fe der Fuchs­band­wurm nicht ver­harm­lost wer­den. „Man darf jetzt aber auch kei­ne Pa­nik schü­ren“, sagt der Ex­per­te. „Auch wenn die In­fek­ti­ons­we­ge noch nicht ge­nau ge­klärt sind: Wä­re die Krank­heit leicht über­trag­bar, müss­ten schon viel mehr Men­schen er­krankt sein.“

Ähn­lich äu­ßert sich Dieter Manz, Lei­ter des For­st­re­viers Süd, zu dem auch Pful­len­dorf-Den­kin­gen ge­hört. „Der Fuchs­band­wurm ist na­tür­lich ge­fähr­lich“, sagt er. „Aber die Wahr­schein­lich­keit dar­an zu er­kran­ken ist un­ge­fähr so groß wie die Ge­fahr, dass ein Flug­zeug auf die Stadt Pful­len­dorf stürzt.“Un­term Strich sei das Ver­hal­ten des Fuch­ses in Den­kin­gen voll­kom­men nor­mal. „Nicht das Tier ist der Stör­fak­tor in der Na­tur, son­dern der Mensch“, sagt er. Dass sich Füch­se mehr und mehr in Sied­lungs­räu­me vor­wa­gen, sei nicht un­ge­wöhn­lich. „Füch­se sind Al­les­fres­ser“, sagt Dieter Manz. „Des­halb sucht er zum Bei­spiel in ei­nem of­fe­nen Kom­post­hau­fen nach Nah­rung. Und wenn er in der Nä­he auf Hüh­ner stößt, die nicht rich­tig ge­schützt sind, dann holt er sich die na­tür­lich.“

Of­fen bleibt, war­um Füch­se es dar­über hin­aus aus­ge­rech­net auf Schu­he ab­ge­se­hen ha­ben. „Ver­mut­lich we­gen ih­res Spiel­triebs und wahr­schein­lich, weil sie für Füch­se ganz gut rie­chen“, sagt Ja­nosch Ar­nold. Voll­stän­dig ge­klärt sei­en die Hin­ter­grün­de aber nicht. „Fest steht, dass es sich um ein in­ter­na­tio­na­les Phä­no­men han­delt“, sagt Ar­nold.

Grund­sätz­lich rät der Ex­per­te da­zu, Füch­se in der Nä­he des ei­ge­nen Zu­hau­ses nicht zu füt­tern. „Da­mit lockt man sie nur noch mehr in den Sied­lungs­raum“, sagt Ja­nosch Ar­nold.

Des­halb soll­te Hun­de- oder Kat­zen­fut­ter auch nicht of­fen her­um­ste­hen. „Au­ßer­dem wä­re es gut, Kom­post­hau­fen dicht­zu­ma­chen.“

FO­TO: JENS LE­ON­HARDT/DPA

Ein Fuchs klaut in Den­kin­gen rei­hen­wei­se Schu­he und macht Jagd auf Hüh­ner.

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