Neu­er Stab, al­te Pro­ble­me für die US-Re­gie­rung

Neue Ent­hül­lun­gen er­hö­hen Druck auf Ses­si­ons – Kom­mu­ni­ka­ti­ons­chef löscht kri­ti­sche Tweets

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND -

WA­SHING­TON (AFP) - Neu­er Me­dienstab, al­te Pro­ble­me: We­ni­ge Ta­ge vor wich­ti­gen An­hö­run­gen zur Russ­land-Af­fä­re ver­sucht US-Prä­si­dent Do­nald Trump mit ei­nem Um­bau sei­nes Pres­se­teams wie­der in die Of­fen­si­ve zu kom­men. Der Fi­nanz­in­ves­tor Ant­ho­ny Sca­ra­muc­ci wur­de zum neu­en Kom­mu­ni­ka­ti­ons­di­rek­tor des Wei­ßen Hau­ses er­nannt. Pres­se­spre­cher Se­an Spi­cer wird durch sei­ne bis­he­ri­ge Stell­ver­tre­te­rin Sa­rah Huck­a­bee San­ders er­setzt. Der we­gen der Russ­land-Af­fä­re schwer in Be­dräng­nis ge­ra­te­ne Prä­si­dent ver­wies un­ter­des­sen auf sein Recht zur Begna­di­gung.

Sca­ra­muc­ci ent­fern­te nach sei­ner Er­nen­nung Twit­ter-Bot­schaf­ten, die sich kri­tisch mit Trumps Po­li­tik aus­ein­an­der­setz­ten. „Vol­le Trans­pa­renz: Ich lö­sche al­te Tweets. Frü­he­re An­sich­ten ha­ben sich wei­ter­ent­wi­ckelt und soll­ten kei­ne Ablen­kung dar­stel­len“, schrieb Sca­ra­muc­ci im Kurz­bot­schaf­ten­dienst.

Zu den ge­lösch­ten Tweets zäh­len Aus­sa­gen zu den The­men il­le­ga­le Ein­wan­de­rung, Kli­ma­wan­del, Is­lam und Waf­fen­be­sitz, bei de­nen Sca­ra­muc­ci an­de­re An­sich­ten als Trump ver­trat. Er ste­he nun im Di­enst der Agen­da des Prä­si­den­ten und das sei „al­les, was zählt“, er­klär­te Sca­ra­muc­ci. Be­reits am Frei­tag hat­te Sca­ra­muc­ci be­tont, der Prä­si­dent leis­te ei­nen „phä­no­me­na­len Job“. Dies müs­se „ag­gres­si­ver“als bis­lang an die Öf­fent­lich­keit ge­tra­gen wer­den. Spi­cer nahm sei­nen Hut, of­fen­bar aus Pro­test ge­gen die Er­nen­nung Sca­ra­muc­cis.

We­gen der Af­fä­re um du­bio­se Russ­land-Kon­tak­te wäh­rend des Wahl­kampfs steht die Trump-Re­gie­rung seit ih­rem An­tritt vor sechs Mo­na­ten mas­siv un­ter Druck. US-Jus­tiz­mi­nis­ter Jeff Ses­si­ons ge­riet durch neue Ent­hül­lun­gen über sei­ne Russ­land-Kon­tak­te noch stär­ker in Be­dräng­nis. Ent­ge­gen sei­ner bis­he­ri­gen Darstel­lung ha­be Ses­si­ons vor der Prä­si­dent­schafts­wahl 2016 mit dem rus­si­schen Bot­schaf­ter in Wa­shing­ton auch über wahl­kampf­re­le­van­te po­li­ti­sche The­men ge­spro­chen, be­rich­te­te die „Wa­shing­ton Post“un­ter Be­ru­fung auf US-Be­hör­den­quel­len.

Zwei der engs­ten Ver­trau­ten des Prä­si­den­ten müs­sen sich nun zu den Russ­land-Kon­tak­ten des Trum­pTeams be­fra­gen las­sen. Trumps Schwie­ger­sohn und Be­ra­ter Ja­red Kush­ner wird heu­te vor dem Ge­heim­dienst­aus­schuss des Se­nats aus­sa­gen. Am Mitt­woch müs­sen der Prä­si­den­ten-Sohn Do­nald ju­ni­or und Trumps frü­he­rer Wahl­kampf­ma­na­ger Paul Ma­n­a­fort vor dem Jus­tiz­aus­schuss des Se­nats er­schei­nen. Hin­ter­grund ist das Tref­fen von Trump ju­ni­or, Kush­ner und Ma­n­a­fort mit der rus­si­schen An­wäl­tin Na­ta­lia We­sel­niz­ka­ja im Ju­ni 2016. Der Sohn des US-Prä­si­den­ten hat­te zu­ge­ge­ben, dass er dar­auf ge­hofft hat­te, be­las­ten­des Ma­te­ri­al über die da­ma­li­ge Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­tin Hil­la­ry Cl­in­ton zu er­hal­ten. Ne­ben den Kon­gress­aus­schüs­sen be­fas­sen sich auch das FBI und der vom Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um ein­ge­setz­te Son­der­er­mitt­ler Ro­bert Mu­el­ler mit den Russ­land-Kon­tak­ten.

Be­fug­nis zu Begna­di­gung

Trump er­in­ner­te dar­an, dass er als USPrä­si­dent die Be­fug­nis zu Begna­di­gun­gen ha­be. Der­zeit ge­be es da­für aber kei­nen An­lass, ei­nen sol­chen Schritt in Be­tracht zu zie­hen, schrieb er auf Twit­ter. Die „Wa­shing­ton Post“hat­te zu­vor be­rich­tet, Trump las­se son­die­ren, wie er die Un­ter­su­chung Mu­el­lers aus­brem­sen kön­ne. Trump wol­le un­ter an­de­rem wis­sen, ob er die Voll­macht ha­be, Ver­wand­te, Mit­ar­bei­ter oder auch sich selbst zu be­gna­di­gen, be­rich­te­te die Zei­tung.

FO­TO: DPA

Ant­ho­ny Sca­ra­muc­ci

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