Kol­lek­ti­on Klein be­rührt und ver­stört

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - KULTUR -

Die Fa­mi­lie scheint ge­ra­de aus dem Ur­laub zu­rück­ge­kom­men zu sein. Voll be­packt steht das Au­to am Stra­ßen­rand ei­ner ame­ri­ka­ni­schen Klein­sied­lung, nur der Va­ter ist aus­ge­stie­gen und schaut fas­sungs­los auf das qual­men­de Ei­gen­heim. Doch Mo­ment mal, da stimmt was nicht. Ein ro­ter Ben­zin­ka­nis­ter mit Ein­füll­stut­zen steht di­rekt ne­ben dem Mann. War er al­so selbst der Brand­stif­ter? Wir wis­sen es nicht ge­nau, was Fo­to­künst­ler Gre­go­ry Cr­ewd­son zu die­ser Sze­ne in­spi­riert hat. Fest steht da­ge­gen: Al­ison und Pe­ter W. Klein ha­ben ei­ne Schwä­che für Ar­bei­ten, die an­re­gen, be­we­gen, be­rüh­ren, ver­stö­ren. Das Samm­ler­paar, das ein Un­ter­neh­men für Kupp­lungs­sys­te­me führ­te, hat sich noch nie um Markt und Trends ge­schert, son­dern kauft, was ihm ge­fällt. Vor zehn Jah­ren ha­ben die bei­den in Eber­din­genNuss­dorf bei Stuttgart ein ei­ge­nes Mu­se­um er­öff­net. Jetzt ist ei­ne Aus­wahl ih­rer Be­stän­de im Kunst­mu­se­um Stuttgart zu Gast und be­weist, dass die Stär­ke der Kol­lek­ti­on in ih­rer Sub­jek­ti­vi­tät liegt. Knapp 100 Ar­bei­ten von 29 Künst­lern sind im Ku­bus zu se­hen. Am An­fang ste­hen Zeich­nun­gen und In­stal­la­tio­nen, am En­de gibt es Ma­le­rei und da­zwi­schen Fo­to­gra­fie. Über drei Stock­wer­ke zieht sich der Par­cours. Ein Schwer­punkt in der Samm­lung sind Ge­mäl­de von Se­an Scul­ly. Ein Qu­er­schnitt dar­aus wird in Stuttgart ge­zeigt. Auf­fal­lend ist auch der gro­ße An­teil an Künst­le­rin­nen in der Kol­lek­ti­on. Bei­spie­le da­für sind Shi­rin Nes­hat, Can­di­da Hö­fer, Tra­cey Moff­att oder An­na Op­per­mann. Von letz­te­rer stammt der jüngs­te An­kauf der Kleins. Ei­ne poe­ti­sche Rau­m­in­stal­la­ti­on aus ei­ner Un­men­ge an Zeich­nun­gen, Zet­teln und Fo­tos. Der un­ge­wöhn­li­che Aus­stel­lungs­ti­tel „Über den Um­gang mit Men­schen, wenn Zu­nei­gung im Spiel ist“ist die­sem Werk ent­lehnt. Was noch so pas­sie­ren kann, wenn Zu­nei­gung im Spiel ist, zeigt Moff­att mir ih­rer Vi­deo­ar­beit „Lo­ve“. Die Künst­le­rin hat zahl­lo­se Ohr­fei­gen­sze­nen aus Fil­men zu­sam­men­ge­schnit­ten. Aus die­ser Ar­beit spricht das gan­ze Elend von Be­zie­hun­gen. (am­ma)

FOTO: SAMM­LUNG KLEIN

Gre­go­ry Cr­ewd­sons Fo­to­gra­fi­en ha­ben es in sich.

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