Frei­sprü­che im Pro­zess um Tod in Frei­zeit­park

Elf­jäh­ri­ge starb im Ho­li­day Park in der Pfalz – El­tern ent­täuscht von Ge­richts­ur­teil

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - JOURNAL - Von Jas­per Ro­th­fels

MANN­HEIM (dpa) - Im er­neu­ten Pro­zess um den Un­fall­tod ei­nes Mäd­chens im Ho­li­day Park im pfäl­zi­schen Haß­loch bleibt es für die An­ge­klag­ten beim Frei­spruch. Das Land­ge­richt Frankenthal ver­warf die Be­ru­fung ge­gen ein Ur­teil des Amts­ge­richts Neu­stadt/Wein­stra­ße, das die Män­ner, die da­mals vor Ort Ver­ant­wor­tung tru­gen, 2016 vom Vor­wurf der fahr­läs­si­gen Tö­tung frei­ge­spro­chen hat­te.

Zwar ha­be es sei­tens der An­ge­klag­ten ei­ne „Ge­fahr er­hö­hen­de Ver­let­zung von Kon­troll­pflich­ten“ge­ge­ben, sag­te der Vor­sit­zen­de Rich­ter Uwe Gau. So hät­ten drei Vier­tel der be­frag­ten Ka­rus­sel-Be­die­ner ge­sagt, dass sie von ei­ner wich­ti­gen WarnDurch­sa­ge beim Start nichts ge­wusst oder die­se mit­un­ter un­ter­las­sen hät­ten. Aber: „Wir kön­nen den Nach­weis nicht füh­ren, dass es an­ders ge­kom­men wä­re, wenn die Kon­trol­len bes­ser ge­we­sen wä­ren.“Das Gericht se­he kei­nen straf­recht­lich re­le­van­ten Zu­sam­men­hang zwi­schen dem „Fehl­ver­hal­ten man­geln­der Kon­troll­dich­te“und dem Un­glück.

Die El­tern der ge­tö­te­ten Elf­jäh­ri­gen aus Kels­ter­bach bei Frankfurt nah­men das Ur­teil nie­der­ge­schla­gen auf. „Ich se­he in den man­gel­haf­ten Kon­trol­len durch­aus ei­ne Ur­sa­che für Am­bers Tod“, sag­te die 35-jäh­ri­ge Mut­ter. Ihr An­walt Frank Pe­ter kün­dig­te Re­vi­si­on an.

Die Elf­jäh­ri­ge war am 15. Au­gust 2014 in dem Fahr­ge­schäft Spin­ning Bar­rels („Dre­hen­de Fäs­ser“) von den Platt­for­men er­fasst wor­den, als das Ka­rus­sel star­te­te. Sie wur­de über­rollt und töd­lich ver­letzt. In der ers­ten In­stanz war der da­mals 22 Jah­re al­te Ex-Be­die­ner des Fahr­ge­schäfts we­gen fahr­läs­si­ger Tö­tung zu ei­ner Geld­stra­fe ver­ur­teilt wor­den. Das Gericht hat­te es als er­wie­sen an­ge­se­hen, dass er die Tür zum Fahr­ge­schäft of­fen­ge­las­sen hat­te, so­dass Mut­ter und Toch­ter zu ei­nem Zeit­punkt in das Ka­rus­sel ge­lang­ten, als dies nicht mehr hät­te sein dür­fen. Der Mann hat­te dies be­strit­ten, aber zu­ge­ge­ben, dass er oh­ne die Durch­sa­ge „Ach­tung, die Fahrt be­ginnt“ge­star­tet war. Das sei ihm bei der Ein­wei­sung nicht ge­sagt wor­den.

Die da­ma­li­gen Vor­ge­setz­ten des Man­nes – ein 32 Jah­re al­ter Ex-Ste­ward, der Be­die­ner des Fahr­ge­schäfts ein­wies, und der 42-jäh­ri­ge „Ope­ra­ti­ons Ma­na­ger“, der den gan­zen Be­trieb des Parks über­wacht – wa­ren frei­ge­spro­chen wor­den. Da­ge­gen hat­ten Staats­an­walt­schaft und die als Ne­ben­klä­ger auf­tre­ten­den El­tern Be­ru­fung ein­ge­legt.

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