Kin­der chat­ten und le­sen

Trotz Smart­pho­ne sind auch Bü­cher wei­ter­hin ge­fragt

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - ERSTE SEITE - Von Andre­as Her­holz

BER­LIN (dpa/sz) - Kin­der le­sen nach wie vor ger­ne Bü­cher und Zeit­schrif­ten und spie­len mit Gleich­alt­ri­gen. Das geht je­den­falls aus ei­ner neu­en Um­fra­ge her­vor. Die­se ent­stand im Auf­trag von sechs Ver­la­gen, die Zeit­schrif­ten und Ma­ga­zi­ne für Kin­der und Ju­gend­li­che ver­öf­fent­li­chen. Fast drei Vier­tel (72 Pro­zent) der Kin­der im Al­ter von vier bis 13 Jah­ren ga­ben an, mehr­mals pro Wo­che zu Buch oder Zeit­schrift zu grei­fen. Je­doch lie­ben sie es auch, di­gi­tal zu spie­len oder mit Freun­den zu chat­ten. Mit Spiel­kon­so­le oder Ta­blet spie­len 57 Pro­zent mehr­mals pro Wo­che. In der Grup­pe der Sechs- bis 13-Jäh­ri­gen lie­ge das Le­sen aber weit vor di­gi­ta­len An­ge­bo­ten.

Un­längst hat­te die Dro­gen­be­auf­trag­te des Bun­des, Mar­le­ne Mort­ler (CSU), vor der täg­li­chen Smart­pho­ne-Nut­zung durch Kin­der ge­warnt: Kon­zen­tra­ti­ons­schwä­che, Sprach­stö­run­gen oder Hy­per­ak­ti­vi­tät könn­ten die Fol­ge sein.

BER­LIN - Kin­der, die das Smart­pho­ne nicht aus der Hand le­gen wol­len oder stun­den­lang auf dem Ta­blet oder mit der Kon­so­le spie­len – so lau­tet das Kli­schee. Es fal­le vie­len Kin­dern und Ju­gend­li­chen schwer, den di­gi­ta­len Rei­zen zu wi­der­ste­hen, hat­te kürz­lich die Dro­gen­be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung, Mar­le­ne Mort­ler (CSU), Alarm ge­schla­gen. Doch ei­ne neue Kin­der-Me­di­en-Stu­die im Auf­trag von sechs Ver­la­gen gibt jetzt zu­min­dest zum Teil Ent­war­nung.

Kin­der grei­fen noch im­mer gern zum Buch. 72 Pro­zent le­sen Ge­druck­tes auf Pa­pier, Zeit­schrif­ten, Co­mics oder eben klassische Bü­cher und das trotz Smart­pho­ne.

Wer ge­dacht hat­te, Bü­cher­wür­mer und Le­se­rat­ten sei­en vom Auss­ter­ben be­droht, Pip­pi Langs­trumpf und Tom Sa­wy­er sei­en ab­ge­mel­det und hät­ten ge­gen­über Su­per Ma­rio und Po­ke­mon Go das Nach­se­hen, sieht sich jetzt ge­täuscht.

Be­fragt wur­den 2000 Kin­der

Glaubt man den Er­geb­nis­sen der Stu­die un­ter dem Titel „Young Di­gi­tal Na­ti­ves – wie di­gi­tal sind sie wirk­lich?“, die am Di­ens­tag in Ber­lin vor­ge­stellt wur­de, zieht der Nach­wuchs die gu­te al­te Lek­tü­re von Bü­chern und Zeit­schrif­ten so­gar YouTu­beFil­men und den Spie­len auf Kon­so­len vor. Der di­gi­ta­le Wahn­sinn im Kin­der­zim­mer hält sich of­fen­bar in Gren­zen. Ge­ra­de bei Jün­ge­ren ste­hen Mi­cky Maus und Win­nie Puuh auf Pa­pier ge­druckt noch hö­her im Kurs als das Sur­fen im Netz.

Be­fragt wur­den 2000 Kin­der im Al­ter von vier bis 13 Jah­ren nach ih­rem Me­di­en­kon­sum, au­ßer­dem mehr als 300 El­tern. Und sie­he da: Drei von vier grei­fen noch im di­gi­ta­len Zeit­al­ter zum Ge­druck­ten. Al­ler­dings än­dert sich das Ver­hal­ten, je äl­ter der Nach­wuchs wird. Schon die Zehn- bis 13-Jäh­ri­gen schal­ten lie­ber Spie­le-Com­pu­ter an, las­sen Buch und Zeit­schrift eher lie­gen, sind lie­ber on­li­ne statt off­line – so lau­tet ein Er­geb­nis der Stu­die.

Zur Über­ra­schung der Ex­per­ten lie­gen „mit Freun­den zu­sam­men sein“und „im Frei­en spie­len“ganz oben, wenn es nach der be­vor­zug­ten Frei­zeit­ge­stal­tung geht. Das gel­te für Jun­gen wie für Mäd­chen glei­cher­ma­ßen. Fast 90 Pro­zent ma­chen dies „mehr­mals pro Wo­che“. Je äl­ter die Be­frag­ten, des­to häu­fi­ger kam je­doch die Ant­wort „Aus­ru­hen/nichts tun, Chil­len“, wenn es nach der Lieb­lings­be­schäf­ti­gung geht. 57 Pro­zent der Be­frag­ten ge­ben an, mehr­mals die Wo­che mit Ta­blet, Han­dy, Game­boy oder Kon­so­le zu spie­len. Laut Auf­trag­ge­ber der Stu­die sei­en Kin­der zu Mul­ti­tas­king in der La­ge, könn­ten par­al­lel mul­ti­me­di­al ver­schie­de­ne In­hal­te nut­zen.

Jungs er­hal­ten mehr Ta­schen­geld

So be­sit­zen be­reits 37 Pro­zent der Sechs- bis Neun­jäh­ri­gen ein ei­ge­nes Han­dy, oft ein Smart­pho­ne. Bei den Zehn- bis 13-Jäh­ri­gen sind es schon 84 Pro­zent. Das so­zia­le Netz­werk Face­book wird bei Kin­dern und Ju­gend­li­chen nur von ei­ner Min­der­heit von 29 Pro­zent ge­nutzt. Die gro­ße Mehr­heit kom­mu­ni­ziert per SMS und WhatsApp.

An­de­re Stu­di­en in der Ver­gan­gen­heit lie­fer­ten al­ler­dings we­ni­ger po­si­ti­ve Er­geb­nis­se. Un­klar bleibt auch, wie rea­lis­tisch und wahr­heits­ge­treu die Ant­wor­ten der Be­frag­ten wirk­lich wa­ren.

Nicht nur der Me­di­en­kon­sum, auch das rea­le Kon­sum­ver­hal­ten war Ge­gen­stand der Ver­lags­stu­die. Die mehr als 600 Eu­ro pro Jahr an Ta­schen­geld und Geld­ge­schen­ken die et­wa Zehn- bis 13-Jäh­ri­ge im Schnitt er­hal­ten, ge­ben sie über­wie­gend für Sü­ßig­kei­ten, aber auch für Zeit­schrif­ten, Co­mics und Eis­creme aus, heißt es.

Und schon von Kin­des­bei­nen an gibt es of­fen­bar ein Ge­fäl­le zwi­schen Jun­gen und Mäd­chen. Wäh­rend Mäd­chen im Vor­schul­al­ter durch­schnitt­lich nur 17 Eu­ro Ta­schen­geld pro Mo­nat kas­sie­ren, sind es bei den Jungs gut 20 Eu­ro. Bei den 10- bis 13Jäh­ri­gen sind es 41 und 44 Eu­ro.

FO­TO: DPA

Ge­ra­de bei den Jün­ge­ren ste­hen Bü­cher noch hö­her im Kurs als das Sur­fen im Netz.

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