Mann be­stiehlt ehe­ma­li­gen Ar­beit­ge­ber

Rich­te­rin ver­ur­teilt 23-Jäh­ri­gen zu ei­ner Geld­stra­fe – An­ge­klag­ter be­strei­tet Tat bis zu­letzt

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - MESSKIRCH - Von Patrick Laabs

SIG­MA­RIN­GEN/SAUL­DORF - Sechs Fäs­ser voll mit Me­tall­schrott im Ge­samt­wert von rund 3000 Eu­ro hat ein

23-Jäh­ri­ger zu­sam­men mit ei­nem bis heu­te Un­be­kann­ten vom Ge­län­de ei­ner Saul­dor­fer Fir­ma ge­stoh­len – und sich da­bei ei­ner per­fi­den Be­trugs­ma­sche be­dient. Der An­ge­klag­te be­stritt vor dem Sig­ma­rin­ger Amts­ge­richt bis zu­letzt, et­was mit dem Dieb­stahl im April 2016 zu tun ge­habt zu ha­ben. Rich­te­rin Lo­ri­ne Haack be­ein­druck­te das we­nig: Sie be­fand den jun­gen Mann für schul­dig und ver­ur­teil­te ihn zu ei­ner Ge­samt­stra­fe in Hö­he von 135 Ta­ges­sät­zen zu je fünf Eu­ro. Der 23-Jäh­ri­ge hat nun ei­ne Wo­che lang Zeit, ge­gen das Ur­teil Rechts­mit­tel ein­zu­le­gen.

Der An­kla­ge zu­fol­ge soll der 23Jäh­ri­ge am be­sag­ten Tag im April ge­gen Mit­ter­nacht an den Hin­ter­ein­gang der Fir­ma ge­fah­ren sein, sich ei­nem Ar­bei­ter in der Nacht­schicht als Schrott­händ­ler vor­ge­stellt und die­sem dann vor­ge­gau­kelt ha­ben, vom Chef der Fir­ma die Er­laub­nis zu ha­ben, den Me­tall­schrott ab­zu­ho­len.

„Er zeig­te mir ei­ne SMS, ei­ne EMail oder ei­ne Whats­App, so ge­nau kann ich das nicht mehr sa­gen“, er­klär­te der Ar­bei­ter, der als Zeu­ge vor Ge­richt aus­sag­te. Er sei da­mals zu leicht­gläu­big ge­we­sen und ha­be dem

23-Jäh­ri­gen, den er vor Ge­richt als Tä­ter wie­der­er­kann­te, ge­glaubt. Da ihm die Sa­che aber doch nicht ganz ge­heu­er vor­kam, sei er zum in die­ser Nacht rang­höchs­ten Kol­le­gen ge­gan­gen, der ihm si­gna­li­siert ha­be, dass schon al­les in Ord­nung sei, wenn es ein Ein­ver­ständ­nis vom Chef ge­be. Dies be­stä­tig­te die­ser Kol­le­ge, der eben­falls als Zeu­ge ge­la­den war: „Ja, es kam hin und wie­der vor, dass Schrott­händ­ler auch zu un­ge­wöhn­li­chen Zei­ten Schrott ab­hol­ten“, er­klär­te er.

Die Be­we­gun­gen auf dem Fir­men­ge­län­de wir­ken flüs­sig

Er war es auch, der sich am Mor­gen nach dem Dieb­stahl – als der Chef si­gna­li­siert hat­te, dass er kei­ner­lei Ab­ho­lung von Me­tall­schrott er­laubt ha­be – er­in­nern konn­te, den „ver­meint­li­chen Schrott­händ­ler“schon ein­mal ge­se­hen zu ha­ben: „Er sah so aus wie der Aus­zu­bil­den­de, den wir vor ein paar Jah­ren mal hat­ten“, sag­te er. Auf die­se Wei­se kam die Po­li­zei dann auf die Spur des An­ge­klag­ten. Hat­te al­so der ehe­ma­li­ge Aus­zu­bil­den­de ge­mein­sam mit ei­nem bis heu­te Un­be­kann­ten sei­nen ehe­ma­li­gen Ar­beit­ge­ber be­stoh­len? Konn­te er sich des­halb so be­hän­de auf dem Fir­men­are­al be­we­gen, als er die Fäs­ser auf ei­nen An­hän­ger lud, wie bei­de Zeu­gen aus­sag­ten?

„Ich kann nur im­mer und im­mer wie­der wie­der­ho­len, dass ich nicht dort war“, sag­te der An­ge­klag­te im Ge­richt am lau­fen­den Band. Doch sein Ar­gu­ment, in der Nacht des Dieb­stahls bei ei­ner an­de­ren Fir­ma in der Nacht­schicht ge­ar­bei­tet zu ha­ben, konn­ten die Er­mitt­ler schnell ent­kräf­ten – die Fir­ma ver­nein­te dies näm­lich.

Wäh­rend die Staats­an­wäl­tin deut­lich mach­te, dass der An­ge­klag­te auf­grund sei­ner Vor­er­fah­run­gen mit der Fir­ma ganz ge­nau ge­wusst ha­be, wie er den Be­trug durch­füh­ren kön­ne und auch, wie viel Geld mit Me­tall­schrott zu ma­chen sei, ver­folg­te der Ver­tei­di­ger die Stra­te­gie, dass es kei­nen stich­hal­ti­gen Be­weis für die Vor­wür­fe ge­be, die sei­nem Man­dan­ten zur Last ge­legt wur­den. Der Zeu­ge, der die an­geb­li­che Nach­richt des Chefs oh­ne ge­naue­res Prü­fen ge­schluckt ha­be, ha­be sich „sei­nen Feh­ler ziem­lich na­he ge­hen las­sen“. Die­ser wol­le jetzt un­be­dingt ei­nen Tä­ter se­hen, „um end­lich wie­der Ru­he zu ha­ben“. Das Ge­richt dür­fe sich mit dem vor­han­de­nen Be­las­tungs­ma­te­ri­al nicht zu­frie­den ge­ben.

Der Va­ter des An­ge­klag­ten sprang auch noch für sei­nen Sohn in die Bre­sche: „Ich ken­ne mei­nen Sohn. Ich ga­ran­tie­re mit mei­nem Le­ben, dass er es nicht war.“

Das al­les konn­te we­der die Staats­an­wäl­tin noch die Rich­te­rin um­stim­men. Haack er­klär­te in ih­rem Ur­teils­spruch, dass bei­de Zeu­gen den An­ge­klag­ten wie­der­er­kannt hät­ten. Der 23-Jäh­ri­ge muss, da er der­zeit kein Geld be­zieht, 680 Eu­ro Stra­fe zah­len.

FO­TO: COLOURBOX.DE

Me­tall­schrott hat durch­aus ei­nen Wert: Des­sen wa­ren sich wohl auch die bei­den Die­be be­wusst.

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