Ner­vo­si­tät beim VfB vor Kölns Gast­spiel

Der Druck für Stutt­gart und Köln vor dem heu­ti­gen Kel­ler­du­ell ist im­mens

Schwaebische Zeitung (Sigmaringen) - - ERSTE SEITE - Von Jür­gen Schat­t­mann

STUTT­GART (zak) - Seit 21 Jah­ren hat der VfB Stutt­gart nicht mehr ge­gen den 1. FC Köln ge­won­nen. Das soll sich heu­te (20.30 Uhr) beim Bun­des­li­ga-Gast­spiel des Ta­bel­len­letz­ten un­be­dingt än­dern. Al­ler­dings herrscht beim Auf­stei­ger Ner­vo­si­tät. So er­klär­te VfB-Sport­vor­stand Micha­el Reschke vor der Par­tie: „Ich ha­be in den letz­ten Jah­ren vor ei­nem Spiel nicht an­satz­wei­se sol­che Bauch­schmer­zen ge­habt, weil die Be­deu­tung für bei­de Clubs au­ßer­ge­wöhn­lich hoch ist.“

Wie schwie­rig es für ei­nen Ver­ein ist, nach ei­ner Ära des Er­folgs plötz­lich von heu­te auf mor­gen der gro­ße Ver­lie­rer zu sein, sieht man am 1. FC Köln. Der stol­ze Eu­ro­pa­cup-Teil­neh­mer, der ge­ra­de noch mit 20 000 eu­pho­ri­sier­ten Fans Lon­don un­si­cher mach­te, ist nach vier Jah­re lan­gem Wachs­tum in nur sie­ben Wo­chen als ab­ge­schla­ge­ner Letz­ter in der tris­ten Wirk­lich­keit der Fuß­ball-Bun­des­li­ga an­ge­kom­men. Nur ein Pünkt­chen ha­ben die Köl­ner ge­sam­melt und da­bei ge­ra­de mal zwei To­re ge­schos­sen, be­reits sechs Punk­te groß ist der Rück­stand auf die Nicht­ab­stiegs­plät­ze. Wei­te­re Nie­der­la­gen in den Kel­ler­du­el­len heu­te beim VfB Stutt­gart (20.30 Uhr/Eu­ro­sport Play­er) und ge­gen Bre­men, und für Pe­ter Stö­ger könn­te es eng wer­den.

Der Ös­ter­rei­cher, im Som­mer noch in Dort­mund im Ge­spräch, war in Köln von Be­ginn an min­des­tens so be­liebt wie Bau­er, Prinz und Jung­frau zu­sam­men, ei­ne Iden­ti­fi­ka­ti­ons­fi­gur, ein Ma­cher. Stö­ger stand für tro­cke­nen Hu­mor, kom­pak­ten Fuß­ball, bril­lan­te Kon­ter, und er pro­fi­tier­te von ei­nem au­ßer­ge­wöhn­li­chen Stür­mer na­mens Ant­ho­ny Mo­des­te. Seit der 26-To­reGa­rant in Chi­na weilt (und in In­ter­views stets da­von fa­bu­liert, wie ger­ne er doch ge­blie­ben wä­re), ist nichts mehr wie zu­vor. Jhon Cordo­ba, für den die Köl­ner nicht ganz nach­voll­zieh­ba­re 17 Mil­lio­nen Eu­ro an Mainz zahl­ten, kann ihn nicht er­set­zen, im Team hat sich nach dem Fehl­start Ve­r­un­si­che­rung breit­ge­macht. Vor al­lem an Jörg Schmadt­ke ent­zün­det sich die Kri­tik. Der Ma­na­ger kün­dig­te be­reits Ver­stär­kun­gen für den Win­ter an, an­sons­ten kom­me er mit sei­ner Rol­le als „Pun­ching­ball“zu­recht, sag­te er, „so­lan­ge wir nicht da­hin kom­men, dass ich als Per­son dis­kre­di­tiert wer­de“. Und: „Es hat den un­schätz­ba­ren Vor­teil, dass Trai­ner und Spie­ler in Ru­he ar­bei­ten kön­nen.“

Tat­säch­lich ver­sucht Stö­ger das zu tun, was er am bes­ten kann – ge­las­sen blei­ben und po­si­tiv: „Wir wuss­ten, dass so ei­ne Pha­se kom­men kann. Die Li­ga ist ein gna­den­lo­ses Rad. Wir hat­ten in der Ver­gan­gen­heit Pha­sen, da ha­ben wir mehr ge­punk­tet als uns viel­leicht zu­stand. Jetzt ha­ben wir ei­ne, in der wir we­ni­ger ha­ben als uns zu­steht.“Er ha­be Ver­trau­en in sei­ne Ar­beit und kei­ne Ver­sa­gens­ängs­te, sagt Stö­ger, die Pro­ble­me in der Of­fen­si­ve al­ler­dings blei­ben. Dass Cordo­ba in Stutt­gart feh­le, kön­ne man kom­pen­sie­ren. „Wir ha­ben noch ge­nug Op­tio­nen, um ei­ne Dop­pel­spit­ze brin­gen zu kön­nen. Wir ha­ben Zol­ler, Osa­ko, Gui­ray­ys und Pi­zar­ro.“Letz­te­rer, Vor­na­me Clau­dio, 39 Jah­re jun­ger Neu­zu­gang, dürf­te al­ler­dings eher von der Bank kom­men. Der Ex-Bay­er aus Pe­ru wird kaum Luft für 90 Mi­nu­ten ha­ben.

Auch für den VfB wird das Du­ell rich­tungs­wei­send. Bei ei­nem Sieg wür­de Stutt­gart den Ri­va­len be­reits um neun Punk­te dis­tan­zie­ren, bei ei­ner Nie­der­la­ge aber könn­te es auch am Wa­sen un­ge­müt­lich wer­den. „Ich ha­be in den letz­ten Jah­ren vor ei­nem Spiel nicht an­satz­wei­se sol­che Bauch­schmer­zen ge­habt wie vor dem FCSpiel, weil die Be­deu­tung für bei­de Clubs so hoch ist“, räumt Micha­el Reschke ein. „Wenn wir ver­lie­ren, ist der FC wie­der an uns dran. Das müs­sen wir mit al­ler Kraft ver­mei­den.“

Wolf er­wägt Dop­pel­spit­ze

Sei­ne Ge­duld für Feh­ler ge­he lang­sam zur Nei­ge, hat­te Stutt­garts Trai­ner Han­nes Wolf nach dem un­glück­li­chen

1:2 in Frank­furt an­ge­kün­digt, al­ler­dings muss sich der 36-Jäh­ri­ge auch selbst Ge­dan­ken ma­chen. Dar­über näm­lich, wie es sei­ne Mann­schaft schafft, mehr To­re zu schie­ßen. Nur vier sind es nach sie­ben Par­ti­en, nie in sei­ner Bun­des­li­gage­schich­te hat­te der VfB we­ni­ger. Wolf er­wägt des­halb ei­nen Sys­tem­wech­sel: Beim 2:2 im Test­spiel ge­gen Aa­len ver­such­te er es erst­mals mit der in der 2. Li­ga be­währ­ten Dop­pel­spit­ze Si­mon Te­rod­de und Da­ni­el Ginc­zek, da­hin­ter könn­te Tas­sos Do­nis als Zeh­ner auf­lau­fen. Über die Flü­gel agie­ren kön­ne man trotz­dem, fin­det Wolf. Auch in ei­nem 3-5-2 wür­den sich „au­ßen Räu­me er­ge­ben. Da muss man dann eben mit Tem­po rein.“Wich­tig sei al­ler­dings auch ge­gen Köln, „die de­fen­si­ve Sta­bi­li­tät nicht zu ver­lie­ren. Die hat ge­stimmt in den ver­gan­ge­nen Wo­chen.“

Tat­säch­lich tä­te der Auf­stei­ger gut dar­an, de­mü­tig zu blei­ben. Reschke sprach die­se Wo­che da­von, dass auch in Stutt­gart in zwei, drei Jah­ren 20Mil­lio­nen-Eu­ro-Trans­fers mög­lich sein müss­ten. An­de­re Zah­len aber ru­fen ei­nem schnell die Ge­gen­wart und läs­ti­ge Ver­gan­gen­heit in den Blick: Seit 21 Jah­ren hat der VfB nicht mehr ge­gen Köln ge­won­nen. Und seit­dem ein ge­wis­ser Pe­ter Stö­ger 2013 den FC über­nahm, hat­te Stutt­gart be­reits neun Übungs­lei­ter. In Sa­chen Kon­stanz und Kon­ti­nui­tät sind die Köl­ner of­fen­bar noch leicht über­le­gen. Bay­ern-Frau­en wet­tern: Bay­ern Mün­chens Trai­ner Tho­mas Wör­le hat nach dem frü­hen Cham­pi­ons-Le­ague-Aus sei­ner Fuß­bal­le­rin­nen schwe­re Vor­wür­fe ge­gen Schieds­rich­te­rin Ka­ta­lin Kulc­sar aus Un­garn er­ho­ben. „Wir sind be­tro­gen wor­den. Uns wur­de ein ganz kla­rer Hand­elf­me­ter ver­wehrt und ein re­gu­lä­res Tor ab­er­kannt. Wir sind al­le tod­trau­rig, denn wir wa­ren in bei­den Spie­len bes­ser“, sag­te Wör­le nach dem 2:1

(0:0) ge­gen den FC Chel­sea. Für Bay­ern war dies nach dem 0:1 in Lon­don zu we­nig. Meis­ter VfL Wolfs­burg zog mit ei­ner 12:2 (8:1)Ga­la ge­gen At­le­ti­co Ma­drid in die zwei­te Run­de ein. Die Spa­nie­rin­nen tra­ten nach dem

0:3 im Hin­spiel je­doch mit ei­nem B-Team an.

FO­TO: DPA

39 Jah­re jun­ger Hoff­nungs­trä­ger: Kölns Stür­mer Clau­dio Pi­zar­ro.

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