Über Sinn und Un­sinn hö­he­rer Zu­kunfts­aus­ga­ben

Schwaebische Zeitung (Tettnang) - - Nachrichten & Hintergrund -

Der SPD-Kanz­ler­kan­di­dat Mar­tin Schulz for­dert ei­ne In­ves­ti­ti­ons­ver­pflich­tung für den Staat. Es soll ei­ne Min­dest­dreh­zahl für In­ves­ti­tio­nen ge­ben, die in der mit­tel­fris­ti­gen Fi­nanz­pla­nung fest ver­an­kert wird. Die Sum­me „ori­en­tiert sich an den Spiel­räu­men des Haus­halts“. Kon­kret wird Schulz da­bei nicht. Es soll zum Bei­spiel in die Schu­len in­ves­tiert wer­den. Hier ge­be es ei­nen In­ves­ti­ti­ons­stau von 34 Mil­li­ar­den Eu­ro, je­de zwei­te Schu­le sei sa­nie­rungs­be­dürf­tig, er­klärt SPD-Ge­ne­ral­se­kre­tär Hu­ber­tus Heil. Ein an­de­rer drin­gen­der Fall sind die Da­ten­lei­tun­gen au­ßer­halb der gro­ßen Städ­te. In man­chen länd­li­chen Re­gio­nen ist das In­ter­net so lang­sam, dass Un­ter­neh­men Schwie­rig­kei­ten ha­ben, gro­ße Da­ten­men­gen zu ver­schi­cken. Nach Mei­nung des Deut­schen In­sti­tuts für Wirt­schafts­for­schung (DIW) gibt der Staat wirk­lich zu we­nig Geld aus. Al­lei­ne die Städ­te und Ge­mein­den hät­ten ei­nen In­ves­ti­ti­ons­be­darf von über 135 Mil­li­ar­den Eu­ro, schätzt das DIW. Da­bei geht es ei­ner­seits um Aus­ga­ben für neue Kin­der­ta­ges­stät­ten, Schul­ge­bäu­de oder Stra­ßen­bah­nen. An­de­rer­seits müs­se man drin­gend mehr Geld in die Sub­stanz ste­cken, sa­gen die Wirt­schafts­for­scher, sonst ver­schlei­ße das öf­fent­li­che Ei­gen­tum. Die In­ves­ti­ti­ons­quo­te von Bund, Län­dern und Ge­mein­den sta­gniert seit Jah­ren bei gut zwei Pro­zent des Brut­to­in­lands­pro­dukts – ein Aus­druck der Spar­po­li­tik. Das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um er­klärt, von nun an wür­den die öf­fent­li­chen In­ves­ti­tio­nen stär­ker stei­gen als die ge­sam­ten Aus­ga­ben. Die Fi­nanz­pla­nung weist aber nur ei­ne leich­te Er­hö­hung der In­ves­ti­ti­ons­quo­te auf 2,25 Pro­zent aus. „Wir kön­nen zur­zeit das Geld, das wir ha­ben, nicht aus­ge­ben“, kom­men­tier­te Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel die SPDFor­de­run­gen. Cle­mens Fu­est, Prä­si­dent des ifo-In­sti­tuts für Wirt­schafts­for­schung, sieht das ähn­lich: Es feh­le an sinn­vol­len, zu­sätz­li­chen Pro­jek­ten. Auch das DIW, das ei­gent­lich für mehr In­ves­ti­tio­nen plä­diert, sieht die Hemm­nis­se. Nach Aus­kunft von Öko­nom Mar­tin Gor­nig kön­nen ar­me Kom­mu­nen das nö­ti­ge Geld nicht auf­brin­gen und ver­fü­gen oft nicht über ge­nug Bau­pla­ner, um schnell mehr Auf­trä­ge zu ver­ge­ben. Gor­nig plä­diert da­für, ein lang­fris­ti­ges In­ves­ti­ti­ons­pro­gramm zu star­ten, um die Pla­nungs­und Bau­ka­pa­zi­tä­ten zu er­hö­hen. Han­nes Koch

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