Schwäbische Zeitung (Tettnang)

Wenn die Hand besser in der Kabine bliebe

- Von Jürgen Schattmann

Das Leben ist, frei nach Forrest Gump, wie der VfB Stuttgart und Fortuna Düsseldorf. Man weiß nie, wie hoch man verliert. Meistens eben ziemlich hoch – die einen mal 0:4, mal 0:4, die anderen mal 1:7, mal 0:3. Deshalb stehen beide nun vereint am Ende der Tabelle, mit 6:21 Toren und 5 Punkten. Das einzig Positive für beide Clubs nach neun Spieltagen: Sie sind nicht 18., was sich aber für beide wieder ändern könnte. Aufsteiger Fortuna ist im Gegensatz zum VfB immerhin noch im Pokal dabei, am Dienstag gastiert das Team von Friedhelm

in Ulm. Ob Düsseldorf­s Edel-Sportfan Campino vor Ort ist und womöglich das Ulmer Münster mit einem Riesenaufk­leber verhüllt, bleibt die Frage. Sicher ist nur: Chancenlos dürfte der Regionalli­gist nicht sein, sollten die Gäste in etwa so spielen wie beim 0:3 gegen Wolfsburg. Auch aufs Elfmetersc­hießen sollte sich die Fortuna nicht verlassen: 19 Elfmeter hatte ihr Torhüter Michael Rensing bisher in der Bundesliga bislang gegen sich, gehalten hat er keinen – auch nicht den von Wolfsburgs Wout Weghorst zum 0:1 (41.).

Funkel

Funkel bemühte sich nach der vierten Heimnieder­lage, das Positive herauszufi­ltern. „Wir haben uns gegenüber dem 1:7 in Frankfurt deutlich besser präsentier­t, aber wieder mal unsere Chancen nicht genutzt“, sagte der 64-jährige Aufstiegsh­eld, der laut Club-Boss fest im Sattel sitzt. „Er entwickelt die Spieler behutsam und geht mit viel Bedacht an die Sache heran. Daher sind wir damit sehr zufrieden. Er und sein Team sind für uns die richtigen Personen.“Schäfer freut sich schon aufs Donaustadi­on: „Das wird kein Selbstläuf­er, kann aber zur richtigen Zeit eine willkommen­e Abwechslun­g sein. Wir wissen aber alle, dass das keine leichte Ehrenrunde für uns wird.“

Robert Schäfer

Keine leichte Ehrenrunde ist der Profifußba­ll auch für den Liga-16. Hannover 96. Manager war nach dem 1:2 gegen Augsburg bedient. „Der Schiedsric­hter hatte heute genau wie wir einen rabenschwa­rzen Tag“,

Horst Heldt

sagte er über die wohl entscheide­nde Szene des Spiels. Der Japaner Genki Haraguchi hatte den Ball im eigenen Strafraum aus kurzer Distanz an die Hand bekommen, traf nach Videobewei­s (63.) per Elfmeter zum 0:2. Schiedsric­hter Robert

lag leicht daneben, aber das tröstete Heldt nicht. „Ich habe keinen Bock mehr, über so einen Mist zu reden. Wo soll Genki die Hände hintun? Soll er sie in der Kabine lassen?“Wobei: Gerade im Winter wäre die Lagerung vereister Extremität­en in der Nähe des Pausentees für viele Spieler womöglich eine sehr bekömmlich­e Regeländer­ung, die sich auch die DFL durchaus mal überlegen könnte.

Kampka Alfred Finnbogaso­n

Augsburg jubelte natürlich. „Das war für uns ein Schlüssels­piel“, hob der starke Torhüter hervor.

Andreas Luthe

„Es ist gerade so eine Phase, in der man schaut, wo es in der Tabelle hingeht.“Und dort hat sich der FCA erst mal im Mittelfeld auf Rang neun festgesetz­t, Tendenz nach oben, vor allem, wenn am Samstag noch ein Sieg gegen Nürnberg glückt. Zuvor reist Mainz am Dienstag zum Pokalspiel an. Luthes Ziel: „Wir wollen drei Siege in der Englischen Woche holen.“

Das will auch der SC Freiburg, der ● am Mittwoch bei Zweitligis­t Kiel gastiert. Ob der herausrage­nde Stürmer

nach dem 3:1 über Mönchengla­dbach dann spielt, bleibt aber offen. Der Neuzugang vom HSV hatte nach zwölf Sekunden den Elfmeter zum 1:0 herausgeho­lt und in bravouröse­r Manier das 2:1 erzielt, doch

versuchte, jegliche Euphorie zu dämpfen. Man solle den 22-Jährigen „einfach in Ruhe lassen“, sagte der Trainer. „Es war wirklich nur ein Schritt im Prozess.“Waldschmid­t könnte auch künftig erst mal auf der Bank sitzen. „Er wird auch wieder von Anfang an spielen. Und irgendwann wird er ganz oft von Anfang an spielen. Davon bin ich überzeugt, wenn er den richtigen Weg geht.“Dass Waldschmid­t immer besser werde, liege auch am Wechsel von der Großstadt in die Provinz, wo ihn keiner beobachte und er seine Ruhe habe. „Es gibt bei uns nicht diese Leute, die dieses oder jenes sagen, oder schauen, was er privat macht. Viele junge Spieler gehen daran kaputt“, sagte Streich. Tatsächlic­h: Wenn es ein Gegenteil von Kiez, Schanzenvi­ertel und Instagram gibt, dürfte das Freiburg sein.

Luca Waldschmid­t Christian Streich

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FOTO: DPA Erst bekam er den Ball an die Hände, dann nahm er sie hoch, dann bekam er auch noch Gelb – es war nicht der Tag von Genki Haraguchi.
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