Schwaebische Zeitung (Tettnang)

Kein Pfer­de­stall vor dem Schlaf­zim­mer

Nach­barn brau­chen nächt­li­ches Ge­wie­her und Bo­xen­lärm nicht hin­zu­neh­men

- Saxony

KARLSRUHE (dpa) - Ein Pfer­de­stall kei­ne 13 Me­ter vom Ein­fa­mi­li­en­haus der Nach­barn ent­fernt – kann das gut ge­hen? In ei­nem klei­nen Ort in Sach­sen-An­halt gab es des­we­gen bö­sen Streit, am Frei­tag muss­te der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) ent­schei­den. Sein Ur­teil: In Zu­kunft darf die ver­klag­te In­ha­be­rin des Pfer­de­hofs in dem Stall kei­ne Pfer­de mehr un­ter­brin­gen. Die Nach­barn müs­sen sich lau­tes Wie­hern und Schlä­ge ge­gen die Bo­xen­wän­de nicht ge­fal­len las­sen. (Az. V ZR 121/19)

Der Fall war be­son­ders kom­pli­ziert, weil der Pfer­de­hof für den Stall gar kei­ne Bau­ge­neh­mi­gung hat­te. Nach­träg­lich ließ sich das nicht mehr kor­ri­gie­ren: Die In­ha­be­rin hat­te ver­sucht, die Er­tei­lung ge­richt­lich zu er­zwin­gen – ver­geb­lich. Das Ver­wal­tungs­ge­richt war der An­sicht, dass der Stall die ge­bo­te­ne Rück­sicht­nah­me auf das Wohn­haus der Nach­barn ver­mis­sen las­se. Da­zu kam der Streit vor den Zi­vil­ge­rich­ten.

Der dreh­te sich vor al­lem um die Fra­ge, ob der Pfer­de­hof in der Ge­mein­de Pe­ters­berg zu­min­dest die Chan­ce be­kom­men soll­te, den Lärm ab­zu­stel­len. Die Nach­barn, de­ren Schlaf­zim­mer auch noch zum Stall ge­le­gen ist, sa­hen sich vor al­lem nachts ge­stört. Au­ßer­dem klag­ten sie dar­über, dass das Füt­tern früh­mor­gens und abends und die An­kunft an­de­rer Pfer­de im Stall mit viel Un­ru­he und Krach ver­bun­den sei.

Der zu­stän­di­ge Rich­ter am Land­ge­richt Hal­le hat­te sich nicht vor­stel­len kön­nen, wie das lei­se funk­tio­nie­ren soll­te: Man müss­te die Pfer­de durch Fes­seln zum Still­ste­hen zwin­gen und ih­nen ge­gen das Wie­hern ei­ne Art Maul­korb an­le­gen – was na­tür­lich ge­gen den Tier­schutz ver­sto­ße. Al­so un­ter­sag­te er die Nut­zung 2018 ganz.

Das Ober­lan­des­ge­richt (OLG) Naum­burg ließ sich ein hal­bes Jahr spä­ter über­zeu­gen, dass da viel­leicht doch et­was mög­lich sei – ge­pols­ter­te Bo­xen­wän­de zum Bei­spiel. Der Pfer­de­hof wur­de ver­ur­teilt, in dem Stall die be­hörd­li­chen Lärm­schut­zG­renz­wer­te ein­zu­hal­ten. Dass der BGH die­se Ent­schei­dung kri­tisch sieht, hat­te die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin Chris­ti­na St­re­se­mann schon in der Ver­hand­lung am 2. Ok­to­ber an­ge­deu­tet. Schließ­lich hat­ten die Ver­wal­tungs­ge­rich­te den Stall an der Grund­stücks­gren­ze für bau­recht­lich nicht zu­läs­sig er­klärt.

Die nach­bar­schüt­zen­den Vor­schrif­ten des öf­fent­li­chen Bau­rechts könn­ten auch pri­vat­recht­lich ei­nen Un­ter­las­sungs­an­spruch be­grün­den, sag­te St­re­se­mann bei der Ur­teils­ver­kün­dung. Die Nach­barn kön­nen al­so ver­lan­gen, dass die Hof­be­sit­ze­rin im Stall kei­ne Pfer­de mehr hält.

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FO­TO: D. BOCKWOLDT/DPA Auch ein Pfer­de­stall kann zu Lärm­be­läs­ti­gung füh­ren.

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