Schwaebische Zeitung (Tettnang)

War­um die „Kro­ne“bei No­vem­ber­hil­fen leer aus­geht

Tau­scher: „Ich füh­le mich von der Re­gie­rung im Stich ge­las­sen“– Trotz 50 Pro­zent Ein­bu­ßen gibt es kei­nen Zu­schuss

- Von Lin­da Eg­ger

TETT­NANG - Seit Wo­chen sind die Stüh­le in der Gas­tro­no­mie hoch­ge­klappt, und seit die­ser Wo­che ist klar, dass Re­stau­rants, Ca­fés und Kn­ei­pen auch noch im De­zem­ber ge­schlos­sen blei­ben müs­sen. Da­mit die Gas­tro­no­mie­be­trie­be nicht rei­hen­wei­se in die In­sol­venz rut­schen und für im­mer schlie­ßen müs­sen, hat die Bun­des­re­gie­rung Hilfs­pa­ke­te zu­ge­si­chert. Auch Fritz Tau­scher jun., Wirt der Tett­nan­ger „Kro­ne“, hat­te sei­ne Hoff­nung dar­auf ge­setzt und ging zu­nächst op­ti­mis­tisch durch die Kri­se. In­zwi­schen über­wie­gen bei dem Brau­er und Gast­wirt je­doch Ent­täu­schung und Ver­är­ge­rung.

„Seit Be­ginn der Pan­de­mie konn­ten wir von den gan­zen Hilfs­pa­ke­ten kei­nen ein­zi­gen Cent be­an­tra­gen“, sagt Fritz Tau­scher. Zwar hei­ße es sei­tens der Re­gie­rung im­mer, dass sie die Gas­tro­no­men nicht hän­gen las­sen wer­de und es Aus­gleichs­zah­lun­gen ge­ben wer­de. Doch die Be­din­gun­gen, die fürs Be­an­tra­gen der Hil­fen gel­ten wür­den, gin­gen oft­mals an der Rea­li­tät der Be­trie­be vor­bei, meint Tau­scher.

Be­reits im Früh­jahr wäh­rend des ers­ten Lock­downs ha­be er er­nüch­tert fest­stel­len müs­sen, dass er letzt­lich we­der die So­fort­hil­fen noch die an­de­ren Hilfs­zah­lun­gen be­an­tra­gen konn­te. Denn Be­din­gung da­für war stets, dass ein exis­tenz­be­droh­li­cher Li­qui­di­täts­eng­pass vor­lie­gen muss. Und den ha­be er im Fall der „Kro­ne“nicht nach­wei­sen kön­nen. „Wir ha­ben in den ver­gan­ge­nen Jah­ren na­tür­lich Rück­la­gen ge­bil­det und Geld für In­ves­ti­tio­nen zur Sei­te ge­legt. Die­ses un­ter­neh­me­ri­sche wirt­schaf­ten fällt mir jetzt auf die Fü­ße“, sagt Tau­scher.

Um­so mehr ha­be er ge­hofft, dass er nun im Zu­ge der No­vem­ber­hil­fen fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung vom Staat be­kommt. Bis zu 75 Pro­zent der Um­sät­ze

sol­len Be­trie­be da­bei für die Zeit der Zwangs­schlie­ßung er­stat­tet be­kom­men. Be­an­tragt wer­den kön­nen die No­vem­ber­hil­fen erst seit we­ni­gen Ta­gen. Bis­her lie­gen nur das An­trags­for­mu­lar so­wie ein Fra­geAnt­wort-Ka­ta­log vor, ei­ne rechts­ver­bind­li­che Richt­li­nie fehlt bis­lang noch. Doch am Don­ners­tag zeich­ne­te sich ab: Auch dies­mal wird die „Kro­ne“wohl leer aus­ge­hen.

Durch die Kom­bi­na­ti­on aus Gas­tro­no­mie, Ho­tel­be­trieb und Braue­rei ist die „Kro­ne“ein so­ge­nann­ter Misch­be­trieb – und die sind von den

Hil­fen aus­ge­nom­men. Der An­trag darf nur ge­stellt wer­den, wenn der Ge­samt­be­trieb Ein­bu­ßen von min­des­tens 80 Pro­zent des Um­sat­zes auf­weist. Doch da die Kro­nen­braue­rei auch in Be­trieb sei, wenn die Gast­stät­te ge­schlos­sen ist, wür­den die Um­satz­ein­bu­ßen ins­ge­samt „nur“50 bis 60 Pro­zent be­tra­gen, er­klärt Tau­scher.

„Das ein­zi­ge, was ak­tu­ell noch läuft, ist der Fla­schen­ver­kauf, der ToGo-Be­trieb im Re­stau­rant und ein paar Über­nach­tun­gen von Ge­schäfts­rei­sen­den“, so der Wirt.

„Wenn wir das nicht hät­ten, sä­he es noch viel schlech­ter aus.“

Ge­ra­de in der Ad­vents­zeit fin­den nor­ma­ler­wei­se vie­le Weih­nachts­fei­ern statt – auch das fällt in die­sem Jahr weg. „Ir­gend­wann wird es halt eng“, sagt Tau­scher. Trotz des feh­len­den Um­sat­zes ha­be er wei­ter das Kurz­ar­bei­ter­geld für sei­ne Mit­ar­bei­ter auf­ge­stockt. „Aber wir ver­brau­chen jetzt die hin­ters­ten Re­ser­ven, die ei­gent­lich für In­ves­ti­tio­nen ge­dacht wa­ren. Und die sind auch ir­gen­wann auf­ge­braucht“, stellt er klar.

Tau­scher hofft des­halb dar­auf, dass Braue­rei- und Gas­tro­no­mie­ver­bän­de, die sich der­zeit da­für ein­set­zen, dass Misch­be­trie­be doch noch die Hil­fen be­an­tra­gen dür­fen, viel­leicht noch et­was be­wir­ken kön­nen. Dass Gas­tro­no­mie­be­trie­be in die­sem Jahr wie­der re­gu­lär öff­nen dür­fen, glaubt er nicht. Das wer­de sei­ner Ein­schät­zung nach wohl eher noch bis Fe­bru­ar dau­ern. „Dann bleibt zu hof­fen, dass wir im Früh­jahr wie­der star­ten kön­nen und ei­nen nor­ma­len Som­mer ha­ben wer­den“, so Tau­scher.

 ?? FO­TO: LIN­DA EG­GER ?? Fritz Tau­scher Jun. är­gert sich über die Be­din­gun­gen der Re­gie­rung für die No­vem­ber­hil­fen. Denn trotz 50 bis 60 Pro­zent Um­satz­ein­bu­ßen im No­vem­ber be­kommt die „Kro­ne“kei­ne fi­nan­zi­el­le Hil­fe.
FO­TO: LIN­DA EG­GER Fritz Tau­scher Jun. är­gert sich über die Be­din­gun­gen der Re­gie­rung für die No­vem­ber­hil­fen. Denn trotz 50 bis 60 Pro­zent Um­satz­ein­bu­ßen im No­vem­ber be­kommt die „Kro­ne“kei­ne fi­nan­zi­el­le Hil­fe.

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