Schwaebische Zeitung (Tettnang)

Bri­san­te Er­in­ne­run­gen an NS-Zeit

On­li­ne-Ge­sprächs­run­de mit Land­rat Lothar Wöl­f­le und His­to­ri­kern aus Ober­schwa­ben

- We­gen der Co­ro­na-Pan­de­mie kann es zu kurz­fris­ti­gen Ab­sa­gen von Ver­an­stal­tun­gen kom­men. Von An­ton Fuchs­loch Friedrichshafen · Leuven · Lake Constance · Dachau · Schloss Groß-Siegharts · Youtube · Löwen-Apotheke · Eriskirch · Zeppelin · Edwin · Eberhard Karls University of Tübingen · Tubingen · Dachau concentration camp

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FRIED­RICHS­HA­FEN - Als brand­ak­tu­ell hat Land­rat Lothar Wöl­f­le das The­ma „Die NS-Herr­schaft in Ober­schwa­ben – For­schungs­stand und Er­in­ne­rungs­kul­tur“be­zeich­net, zu dem am Mitt­woch­abend Ar­chi­va­re, Mu­se­ums­lei­ter und His­to­ri­ker in ei­nem On­li­ne­ge­spräch Stel­lung ge­nom­men ha­ben.

Ak­tu­ell ist die The­ma­tik, weil bei Co­ro­na-De­mons­tra­tio­nen im­mer wie­der Na­men von Op­fern der Na­ziDik­ta­tur fal­len und die­se miss­bräuch­lich als Zeu­gen ei­ner ver­meint­li­chen Co­ro­na-Dik­ta­tur an­ge­führt wer­den, so der Re­fe­rent. Hoch­bri­sant, weil im Zu­sam­men­hang mit dem neu­en In­fek­ti­ons­schutz­ge­setz im­mer wie­der die Re­de von ei­nem „Er­mäch­ti­gungs­ge­setz“ist – ein an den Haa­ren her­bei­ge­zo­ge­ner Ver­gleich mit 1933, der zei­ge, wie not­wen­dig Er­in­ne­rungs­kul­tur sei, so der Land­rat.

Ein­ge­la­den hat­te die Ge­sell­schaft Ober­schwa­ben für Ge­schich­te und Kul­tur zu­sam­men mit dem Bo­den­see­kreis. Die Ver­an­stal­tung soll­te ur­sprüng­lich in der Zep­pe­lin-Uni­ver­si­tät statt­fin­den, wur­de je­doch we­gen der Co­ro­na-Pan­de­mie ins Netz ver­legt. Dort „ver­sam­mel­ten“sich bis zu 50 Zu­schau­er. Die Teil­neh­mer­zahl schwank­te, denn man konn­te sich be­lie­big aus- und ein­klin­ken. Über ei­ne E-Mail-Adres­se konn­te man auch Fra­gen an die Ex­per­ten stel­len.

Un­ter der Mo­de­ra­ti­on von Ste­fan Feucht, Kul­tur­amts­lei­ter im Land­rats­amt Bo­den­see­kreis, wa­ren aus Über­lin­gen der His­to­ri­ker Os­wald Bur­ger, aus Sig­ma­rin­gen der Lei­ter des Kreis­ar­chivs, Ed­win Ernst We­ber, aus Biberach der Lei­ter des dor­ti­gen Mu­se­ums, Frank Bru­n­e­cker, und Land­rat Wöl­f­le zu­ge­schal­tet. An­ge­kün­digt war fer­ner Be­ni­gna Schön­ha­gen, Ho­no­rar­pro­fes­so­rin an der Uni Tübingen, doch die Ver­bin­dung klapp­te nicht.

Das kol­lek­ti­ve Er­in­nern an die Zeit des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus’ sei im länd­lich ge­präg­ten Ober­schwa­ben ei­ne „spä­te Ge­burt“und ste­cke weit­hin noch in den An­fän­gen, sag­te der Bi­be­r­a­cher Mu­se­ums­lei­ter. Bis in die 80er/90er-Jah­re hin­ein ha­be es prak­tisch kei­ne Orts­stu­di­en ge­ge­ben. Vor al­lem, wenn es um die Tä­ter geht, se­hen sich His­to­ri­ker mit For­de­run­gen von Nach­fah­ren kon­fron­tiert, die nicht wol­len, dass ih­re Na­men in Zu­sam­men­hang mit Na­zi­ver­bre­chen ge­bracht wer­den. „Es ist für die Fa­mi­li­en schmerz­haft, aber es hilft nichts“, sag­te Bru­n­e­cker. „Al­le ha­ben nach dem Krieg ih­re Be­tei­li­gung her­un­ter­ge­spielt.“

His­to­ri­ker sei­en ja nicht da­zu da, um je­man­den den Pro­zess zu ma­chen. Ih­re Auf­ga­be sei es, Fak­ten fest­zu­hal­ten, zu re­kon­stru­ie­ren, was pas­siert ist, und zu er­in­nern. Letzt­lich ge­he es dar­um, die Be­din­gun­gen der Mög­lich­keit von Na­zi­ver­bre­chen zu ver­ste­hen und ei­ne Ant­wort auf die Fra­ge zu fin­den: Wie konn­te aus un­be­schol­te­nen Men­schen Tä­ter, Mit­läu­fer, Tritt­brett­fah­rer wer­den?

Wie groß das In­ter­es­se an ei­ner Au­f­ar­bei­tung ist, ha­be die Aus­stel­lung über den Bi­be­r­a­cher Na­tio­nal­so­zia­lis­mus 2006 ge­zeigt. Es sei die best­be­such­te Aus­stel­lung ge­we­sen, so der Mu­se­ums­chef. Der Be­gleit­band ist 2012 in zwei­ter Auf­la­ge er­schie­nen, 2023 soll die Aus­stel­lung wie­der­holt wer­den. Os­wald Bur­ger be­stä­tig­te, dass das In­ter­es­se ge­wal­tig sei. Die Füh­run­gen durch den Gold­ba­cher Stol­len, ein Au­ßen­la­ger des KZ Dach­au, sei­en stär­ker nach­ge­fragt als Stadt­füh­run­gen. Gleich­zei­tig be­klag­te er, dass es nach wie vor kei­ne um­fas­sen­de Darstel­lung der NS-Zeit in Über­lin­gen ge­be.

Die Er­in­ne­rungs­kul­tur in Ober­schwa­ben ist viel­fäl­tig. Es gibt Denk­ma­le, Ge­denk­we­ge, Ge­denk­ver­an­stal­tung und Buch­pro­jek­te. Wöl­f­le nann­te das ak­tu­el­le Er­in­ne­rungs­und For­schungs­pro­jekt zum The­ma NS-Eut­ha­na­sie im Bo­den­see­kreis. Ge­plant sei­en ei­ne Op­fer­da­tei und ein Ge­denk­buch. „Ge­ra­de jun­gen Men­schen müs­sen wir klar­ma­chen, dass die ak­tu­el­len Co­ro­na-Ein­schrän­kun­gen nichts mit dem zu tun ha­ben, was in der Zeit des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus pas­siert ist“, so der Land­rat.

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SCREEN­SHOT: AN­TON FUCHS­LOCH Mit die­sem Bild star­tet die Ge­sprächs­run­de, die we­gen der Co­ro­na-Pan­de­mie on­li­ne statt­fin­det.

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