Schwaebische Zeitung (Tettnang)

Film ab: Lin­dau aus ei­nem an­de­ren Blick­win­kel

Max Foh­rer und Jos­hua Witt dre­hen Kurz­film am Bo­den­see mit klei­nem Bud­get

- Von An­ne Je­thon Entertainment · Movies · Lindau · Lake Constance · Cologne · Ravensburg · Youtube · Albert · Auch · Sisyphus · Albert Camus

LIN­DAU - Klei­nes Bud­get, viel Krea­ti­vi­tät: Zwei jun­ge Män­ner aus der Re­gi­on ma­chen ei­nen Kurz­film am Bo­den­see. Sie wol­len wol­len da­mit zei­gen, dass Lin­dau viel mehr Po­ten­ti­al hat – auch für jun­ge Men­schen. Wie der Film die Men­schen zum Den­ken an­re­gen soll.

Sie wacht er­schro­cken auf und weiß nicht, wo sie ist. Um sie her­um: Was­ser, das Ufer ist weit ent­fernt. Die jun­ge Frau will da hin, schwimmt, kommt aber nicht vor­an. Wie in ei­nem Albtraum hält sie ein un­sicht­ba­rer Griff fest. Erst als die Frau sich trei­ben lässt, spült sie das Was­ser ans Bo­den­see­ufer. „Das ist ei­ne der Traum­wel­ten, in der un­se­re Prot­ago­nis­tin lan­det“, er­klärt Max Foh­rer. Für ihn ist klar: In die­ser Sze­ne geht’s ums Los­las­sen. Das ist ein wich­ti­ger Teil in dem Kurz­film „De frac­to“, den er zu­sam­men mit sei­nem Freund Jos­hua Witt pro­du­ziert.

Die bei­den ha­ben sich im Au­gust zu­sam­men­ge­setzt und an ei­nem Dreh­buch ge­ar­bei­tet. Ur­sprüng­lich ken­nen sie sich von der Aus­bil­dung zum Gra­fik­de­si­gner. Jos­hua Witt stu­diert mitt­ler­wei­le in Köln Kom­mu­ni­ka­ti­ons­de­sign an der Eco­sign. Max Foh­rer hat in Ravensburg Me­di­en­de­sign stu­diert und sich jetzt als Art Di­rec­tor

selbst­stän­dig ge­macht.

Zu­sam­men mit Schau­spie­le­rin Ra­mo­na Wal­ser sind sie fast fer­tig mit den Dreh­ar­bei­ten. Lin­dau und die Bo­den­see­re­gi­on spie­len da­bei ei­ne wich­ti­ge Rol­le. Am ver­gan­ge­nen Wo­che­n­en­de ha­ben die bei­den im Lin­dau­er Park­thea­ter ge­dreht. Da­vor wa­ren die Fil­me­ma­cher aber auch in Lan­genar­gen und Vor­arl­berg un­ter­wegs.

„Ich bin hier in der Um­ge­bung auf­ge­wach­sen und in Lin­dau auf die Schu­le ge­gan­gen“, sagt Max. Sei­ner Mei­nung nach sei die Re­gi­on nicht so span­nend, um krea­ti­ve Ide­en um­zu­set­zen. Im Lock­down wol­len die bei­den aber die Ge­le­gen­heit nut­zen,

Lin­dau in ein an­de­res Licht zu rü­cken. „Die Sa­chen, die man kennt, sind oft die Lang­wei­ligs­ten. Aber das sind auch die Din­ge, die für an­de­re am Span­nends­ten rü­ber­kom­men“, sagt Jos­hua Witt. Oft blen­de man als Orts­an­säs­si­ger die Schön­heit des Bo­den­see aus. Sei­ner Mei­nung nach ha­be Lin­dau sehr viel Po­ten­zi­al. „Gibt man auf Youtube Lin­dau ein, dann kom­men da ganz schreck­li­che Sa­chen“, sagt er. Das sei na­tür­lich Ge­schmacks­sa­che, sagt Max Foh­rer. Aber sei­ner Mei­nung nach wir­ken vie­le der Vi­de­os in ih­rer Auf­ma­chung eher kon­ser­va­tiv. Die Kun­stund Kul­tur­sze­ne ge­be nor­ma­ler­wei­se vor, wie ein Film gut aus­se­he. Au­ßer­dem

ge­be es ei­ne mo­der­ne­re Art und Wei­se, wie Fil­me ge­schnit­ten wer­den und wie sie äs­the­tisch um­ge­setzt wer­den kön­nen. Das wol­len die bei­den mit ih­rem Film zei­gen: „Viel­leicht wirkt die Re­gi­on dann in ei­nem an­de­ren Licht.“Die Äs­t­he­tik spielt im Kurz­film von Max Foh­rer und Jos­hua Witt ei­ne wich­ti­ge Rol­le. Das zeigt schon al­lein der Trai­ler, den Max Foh­rer mitt­ler­wei­le schon ver­öf­fent­licht hat.

Die bei­den jun­gen Män­ner wol­len mit dem Film auch auf Co­ro­na an­spie­len. „Je­der der im Lock­down sitzt, fragt sich doch ir­gend­wann: Was ma­che ich mit mei­nem Le­ben?“, sagt Jos­hua Witt. Die­se Art der Re­fle­xi­on sei ein wich­ti­ges The­ma im Film. Das Dreh­buch ha­ben die bei­den Män­ner am „My­thos des Si­sy­phos“von Al­bert Ca­mus ori­en­tiert. Der Phi­lo­soph be­schäf­tig­te sich mit dem Ab­sur­den. „Da geht es dar­um, die Ak­zep­tanz zum Ab­sur­den auf­zu­bau­en, um ein glück­li­cher Mensch zu wer­den“, weiß Witt. Auch im Film ge­he es dar­um, dass die Darstel­le­rin im Ki­no ar­bei­tet, aber kei­ner we­gen Co­ro­na ins Ki­no kom­me. Sie ar­bei­te oh­ne Ziel und ver­su­che, der Si­tua­ti­on zu ent­kom­men. Oh­ne Er­folg. Erst durch die ver­schie­de­nen Traum­wel­ten scheint sie et­was zu er­ken­nen.

Max Foh­rer und Jos­hua Witt ar­bei­ten seit Au­gust an dem Pro­jekt. Mo­men­tan zah­len sie al­les noch aus ei­ge­ner Ta­sche. Da­mit das Bud­get nied­rig bleibt, ha­ben sich die bei­den Hil­fe von Freun­den und Künst­lern ge­holt, die Equip­ment aus­ge­lie­hen oder frei­wil­lig ge­hol­fen ha­ben. Au­ßer­dem muss­ten die Dreh­or­te kos­ten­los sein. Auch das Park­thea­ter ver­langt kein Geld von den bei­den.

Um am En­de al­le Kos­ten zu de­cken, ha­ben die bei­den ei­ne Kick­star­ter-Kam­pa­gne ge­star­tet. 3000 Eu­ro wol­len sie sam­meln. „Wür­den wir nur die Ar­beits­stun­den ab­rech­nen, wür­den wir auf schnell auf 30 000 bis 40 000 Eu­ro kom­men“, sagt Jos­hua Witt. Geld spie­le bei dem Pro­jekt aber kei­ne Rol­le, sagt Max Foh­rer. „Wir hat­ten Lust auf das Pro­jekt. Wir wür­den uns aber freu­en, wenn das Ziel der Kam­pa­gne er­reicht wird, da­mit die Pre­mie­re rich­tig gut wird.“

Die des Kurz­films ist im März 2021 ge­plant. Ei­nen Trai­ler gibt es schon vor­ab. Wer das Pro­jekt un­ter­stüt­zen oder Ki­no­ti­ckets kau­fen will, kann das un­ter fol­gen­der In­ter­net­adres­se tun:

●» www.kick­star­ter.com/ pro­jects/de­frak­to/de-frak­to­ein-kurz­film

 ?? FO­TO:AN­NE JE­THON ?? Max Foh­rer und Jos­hua Witt (von links) ha­ben vor Kur­zem im Park­thea­ter ge­dreht.
FO­TO:AN­NE JE­THON Max Foh­rer und Jos­hua Witt (von links) ha­ben vor Kur­zem im Park­thea­ter ge­dreht.

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